Familie Strauß: Anzeige gegen Buchautor Auf zum letzten Gefecht

Anzeige wegen Verleumdung: Die Kinder von Franz Josef Strauß wehren sich juristisch gegen ein Buch über den verstorbenen Ministerpräsidenten. Sie beschuldigen den Autor, das Andenken ihres Vaters zu verunglimpfen.

Von Kassian Stroh

Neun Monate hat es gedauert, neun Monate für 34 Seiten. Seit April liegt das Konvolut, das die drei Kinder des früheren Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß zusammengetragen haben, nebst Anlagen bei der Staatsanwaltschaft München I. Neun Monate nach dem Erscheinen des Buches "Macht und Missbrauch - Franz Josef Strauß und seine Nachfolger" beschuldigen sie dessen Autor, den früheren Finanzbeamten Wilhelm Schlötterer, der Verleumdung, der Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener und der Verletzung des Steuergeheimnisses. Angekündigt hatten die Strauß-Kinder rechtliche Schritte bereits im Juli 2009, als das Buch erschien. Denn ein Kernpunkt des Werkes ist der Vorwurf, Strauß habe illegal ein Millionenvermögen erwirtschaftet.

Zwar haben sie das Buch als Anlage zu ihrem Strafantrag beigelegt mit der Bitte, dessen Inhalt "in strafrechtlicher Hinsicht" zu würdigen. Doch ihre Anschuldigungen beziehen Max Josef Strauß, sein Bruder Franz Georg und seine Schwester, die CSU-Europaabgeordnete Monika Hohlmeier, vor allem auf den Inhalt der Autorenlesungen Schlötterers. Seit Monaten tourt er durch ganz Bayern, zu mehr als 40 Lesungen wurde er nach eigenem Bekunden bereits eingeladen: "Das Interesse ist riesengroß, das Echo gewaltig." Zwei der Lesungen haben die Strauß-Kinder ausweislich ihres Strafantrags, der der Süddeutschen Zeitung vorliegt, quasi protokolliert: Eine vom vergangenen Dezember in München wurde auf Band aufgezeichnet, bei einer weiteren im Februar in Dachau saßen zwei eifrig mitschreibende Entsandte im Publikum, wie sich Schlötterer erinnert.

Im Auftrag der Familie, wie Franz Georg Strauß sagt. Vor allem diese Vorwürfe stören sie: FJS habe illegal ein Vermögen in dreistelliger Millionenhöhe angehäuft und nicht versteuert, nach seinem Tod hätten auch die Kinder das Erbe nicht versteuert, der frühere CSU-Chef und Ministerpräsident habe Provisionen von Waffenhändlern bekommen und auf Schweizer Konten große Geldmengen gehortet. Alles das sei falsch, schreiben die Strauß-Kinder. Und da Schlötterer keine Quellen benenne, handle es sich mindestens um üble Nachrede, wenn nicht gar um Verleumdung, was voraussetzen würde, dass er wider besseres Wissen falsche Behauptungen aufstellt.