Fahndung nach Neonazi Mordanschlag auf Passauer Polizeichef

Entsetzen in Passau: Nach dem Attentat auf den Passauer Polizeidirektor Alois Mannichl wird über einen möglichen rechtsradikalen Hintergrund der Tat spekuliert.

Der Täter schlich sich in der Dunkelheit an, klingelte an der Haustür des Polizeichefs und stach schließlich zu. Nach dem Mordanschlag auf den Passauer Polizeidirektor Alois Mannichl zogen die Kollegen des schwer verletzten 52-Jährigen schnell den Schluss: Das Verbrechen dürfte auf das Konto von Neonazis gehen.

Polizeidirektor Alois Mannichl (Archivbild vom 13.10.2006)

(Foto: Foto: dpa)

Mannichl war in den vergangenen Monaten rigoros gegen die ausufernden Gewalttaten von Rechten im Raum Passau vorgegangen. Von der Szene wurde dies mit üblen Schmähungen im Internet quittiert. Nun ist Mannichl offenbar beim Racheakt eines Skinheads nur knapp mit dem Leben davongekommen.

Am Samstag gegen 17.30 Uhr hatte ein etwa 1,90 Meter großer kräftiger Mann Mannichl aus dessen Reihenhaus in Fürstenzell bei Passau herausgeklingelt. Der Beamte öffnete nichtsahnend die Tür und wurde gleich mit einer üblen Parole begrüßt. "Viele Grüße vom nationalen Widerstand, du linkes Bullenschwein, du trampelst nicht mehr auf den Gräbern unserer Kameraden herum", sagte der kahlköpfige Messerstecher nach den bisherigen Ermittlungen zu dem Polizeichef, als er ihm das Messer in den Bauch rammte.

Krawalle nach Beerdigung

Der Hinweis auf die Gräber deutet auf konkrete Zwischenfälle mit Rechtsextremisten in jüngster Vergangenheit in Passau hin. Im Juli war der letzte Vorsitzende der seit 1995 verbotenen "Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei", Friedhelm Busse, in Passau beigesetzt worden. Rund 90 Gesinnungsgenossen kamen aus Anlass der Beerdigung des früheren Neonazi-Spitzenfunktionärs nach Niederbayern und zettelten Krawall an. Ein Reporter und eine Asiatin wurden von der braunen Horde verprügelt, ein rechter Aktivist drapierte eine Hakenkreuzfahne auf dem Sarg Busses.

Bei der Bestattung gab es heftige Auseinandersetzungen zwischen Neonazis und Polizisten. Mehrere Rechte wollten mit einer Sitzblockade den Abtransport festgenommener Extremisten durch die Beamten verhindern. Vor knapp einem Monat kam es dann bei einer Gedenkfeier aus Anlass des Volkstrauertages erneut zum Konflikt zwischen Polizei und Rechtsradikalen. Die NPD beschwerte sich anschließend über das "dreiste und provokante Verhalten der von Steuergeldern bezahlten Beamten".

"Anti-Person" der rechten Szene

In diesem Jahr ist die Zahl der Fälle von Neonazi-Gewalt im Bereich der Passauer Polizeidirektion insgesamt stark angestiegen. Laut Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hat sich die Zahl der rechtsextremistischen Verbrechen in der Region gegenüber 2007 auf 83 mehr als verdoppelt. Passau war schon früher immer wieder das Ziel von Neonazis aus halb Europa. In den 1990er Jahren gab es dort in der inzwischen abgerissenen Nibelungenhalle regelmäßig Kundgebungen mit mehr als 1000 Rechten aus mehreren Ländern. Hunderte Polizisten aus ganz Deutschland wurden immer wieder eingesetzt, um Straßenschlachten zwischen den Rechtsextremisten und Gegendemonstranten zu verhindern.

Innenminister Herrmann lobte am Sonntag, dass Mannichl immer konsequent und hart gegen Extremisten vorgegangen sei. Dies habe aber auch Folgen gehabt, betonte er. "Er ist im rechtsradikalen Bereich zu einer starken Anti-Person geworden." Auch Regensburgs Polizeipräsident Hans Junker berichtete, dass Mannichl für diese Szene zur Zielscheibe wurde: "Er war nicht selten verbalen Angriffen ausgesetzt." Der Münchner Generalstaatsanwalt Christoph Strötz glaubt wie auch Herrmann, dass das Attentat auf Mannichl für eine neue Dimension von Neonazi-Gewalt in Deutschland steht. "Ich sehe ein Fanal mit überörtlicher Bedeutung", meinte Strötz.

Die Diskussion um die Bedeutung der Tat für den Umgang mit Neonazis in der Bundesrepublik dürfte erst am Anfang stehen. Für die Kollegen des schwer verwundeten Polizeichefs steht erst einmal die Suche nach dem flüchtigen Täter und möglichen Komplizen im Mittelpunkt. Nach bisherigen Erkenntnissen sprach der Angreifer in bayerischem oder österreichischem Dialekt. Am Sonntag wurde daher die Suche nach dem kahlköpfigen Mann auch auf das benachbarte Österreich ausgeweitet. Nach der Bluttat wurden zwar bereits mehrere Männer überprüft, eine heiße Spur gab es aber noch nicht.