Facebook-Post CSU gegen Abschiebung - von Zebrafinken

Ein Herz für Hunde: Dagmar Wörl hat ihre ganz eigene Agenda, wenn es um Tierschutz geht. Der Untertitel dieses Fotos auf der Homepage lautet: "Sag mal Hallo."

(Foto: privat)

"Grenzkontrollen", "Rückführungspläne": Die Bundestagsabgeordnete und Tierschützerin Dagmar Wöhrl irritiert mit einem Facebook-Post. Der klingt nur, als ginge es um Flüchtlinge.

Von Katja Auer, Nürnberg

Es klingt bitter. Bei einem illegalen Transport an der Grenze aufgegriffen, auf Einrichtungen in ganz Bayern verteilt, der Zustand besorgniserregend. Und dennoch wollen die Behörden Rückführungen. Dahin, wo sie hergekommen sind, nach Ungarn und in die Slowakei. Rückführungen, schon dieses Wort, das schöner klingen soll als Abschiebung.

"Dies finde ich skandalös", schreibt die Nürnberger CSU-Bundestagsabgeordnete Dagmar Wöhrl zum Sachverhalt auf ihrer Facebook-Seite im Internet und das gefällt mehr als 1100 Menschen. Fast 700 machen es sich zu eigen und teilen Wöhrls flammendes Plädoyer. Sie werde es "sicherlich nicht zulassen, dass die leidgebeutelten Welpen an die verantwortungslosen und verbrecherischen Händler zurückgegeben werden", schreibt sie. Ja genau, Welpen. Es geht um junge Hunde und um Vögel und Schildkröten. Nicht um Flüchtlinge. Auch wenn es so klingt.

Der Tierschutz lag Wöhrl immer schon am Herzen

"Bei Grenzkontrollen in Bayern wurden am vergangenen Freitag insgesamt 217 Hundewelpen, 50 Zebrafinken und 20 Schildkröten aus illegalen Tiertransporten in zum Teil besorgniserregenden Zustand beschlagnahmt und landesweit auf verschiedene Einrichtungen verteilt", schreibt Wöhrl. "Nun soll es angeblichen Rückführungsplänen für die beschlagnahmten mehr als 200 Tierbabies geben. Dies finde ich skandalös!"

Bei Grenzkontrollen in Bayern wurden am vergangenen Freitag insgesamt 217 Hundewelpen, 50 Zebrafinken und 20 Schildkrö...

Posted by Dagmar Wöhrl on Dienstag, 15. Dezember 2015

Seit 1994 ist Wöhrl im Bundestag, dort sitzt sie dem Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung vor. Der Tierschutz lag ihr schon immer besonders am Herzen. Auf dem Höhepunkt der Quelle-Krise 2009 in Nürnberg, als ein Politiker nach dem anderen bei dem Unternehmen vorbeischaute und den Mitarbeitern seine Unterstützung zusicherte, tat die Nürnbergerin Wöhrl ihre Sorge um die vielen Katzen im Tierheim kund. Das irritierte den einen oder anderen Parteifreund.

Nun freilich ist die Präsidentin des Tierheims wieder gefragt. "Wir werden alles daran setzen, die bei uns aufgenommenen Tiere wieder aufzupäppeln und sie tierärztlich und pflegerisch so zu versorge, dass sie eine Chance zum Überleben haben. Auch aus tierschutzrechtlicher Sicht wäre ein Rücktransport das absolut falsche Signal", schreibt sie. Und dass es sie traurig mache, dass uns dieses Thema schon seit vielen Jahren beschäftigen muss. Sie werde das im Parlament auf die Agenda setzen.

So schnell kann das manchmal gehen - bei Tieren

Die Linken sprangen Wöhrl zur Seite und sprachen sich gegen "die Abschiebung von beschlagnahmten Tieren" aus, ebenso die SPD-Tierschützerin Susann Biedefeld, die scharf kritisierte, dass Umweltministerin Scharf die Tiere "jetzt eiskalt vor die Tür setzen will". Der Tierschutzbund forderte gar den Rücktritt der Ministerin. Empörung allenthalben.

Und nicht vergebens. Am Mittwoch schließlich die Wende. "Eine Rückführung dieser illegal eingeführten Tiere ist nicht geplant", teilt das Umweltministerium mit und dass eine solche nur infrage komme, "wenn gewährleistet ist, dass den Tieren dadurch keine vermeidbaren Schmerzen oder Leiden zugefügt werden." Illegaler Tierhandel sei nicht akzeptabel, finde die Ministerin, und dass mit der Härte des Gesetzes durchgegriffen werden müsse, um den Händlern das Handwerk zu legen. So schnell kann das manchmal gehen, wenn der Protest laut genug ist. Also bei Tieren.

Äußerst verdienstvoll

Als Bundestagsabgeordnete erhält Dagmar Wöhrl 24.756 Euro im Quartal, als Verwaltungsrätin einer Schweizer Bank deutlich mehr - und das ist nicht ihr einziger Posten. Da fragt sich bloß, was hier eigentlich der Haupt- und was der Nebenjob ist. Von Uwe Ritzer, Nürnberg mehr ...