SZ: Welche Folter?

Joe Hamilton unterstützt die Exil-Tibeter. (© Foto: Altrofoto.de)

Anzeige

Hamilton: Daumenschrauben zum Beispiel. Sehr beliebt sollen auch elektrische Viehtreiber sein, mit denen den Leuten Stromschläge verpasst werden. Der Mann ist über den Himalaya nach Nepal geflohen. Er war 26 Tage ohne Proviant unterwegs. Da geht es uns hier besser. Wir haben Momos dabei, das sind traditionelle tibetische Teigtaschen. Und wenn die ausgehen, essen wir Wurstsemmeln. Außerdem sind die Leute freundlich zu uns. Wir wurden schon mit Tee und Keksen versorgt. Die Leute in Bayern kennen inzwischen die tibetische Fahne aus den Nachrichten. Sie sind mit den Tibetern solidarisch. Es ist phantastisch, dass ihr Problem der Unterdrückung zum ersten Mal seit Jahrzehnten thematisiert wird.

SZ: Die meisten bayerischen Politiker äußern sich neutral. Ministerpräsident Günther Beckstein lässt es offen, ob er den Dalai Lama treffen will, wenn der im Mai nach Bayern kommt.

Hamilton: Es wäre endlich an der Zeit, dass der Westen reagiert. Er hat China schon viel zu lange gewähren lassen. Wir, besser gesagt unsere Politiker, müssen aufzeigen, dass unser Standpunkt mit dem des chinesischen Regimes nicht konform ist. Wie die chinesische Regierung mit den Tibetern umgeht, das ist nur die Spitze des Eisberges. Sie schreckt vor nichts zurück.

SZ: Was sagen Ihre tibetischen Freunde - soll Olympia boykottiert werden?

Hamilton: Die Meinung ist gespalten. Die einen sagen, wenn die Spiele boykottiert werden, ist das Land komplett abgeriegelt. Das hielten sie für fatal. Die anderen sagen, es muss ein Zeichen gesetzt werden. Es wäre ja ein friedliches.

SZ: Warum gehen Sie mit den Tibetern, anstatt Ostereier zu suchen?

Hamilton: Von diesen Leuten kann man sehr viel lernen. Sie haben viel durchgemacht und machen immer noch viel durch. Aber sie würden niemals jammern. Diese Leute haben eine faszinierende Kultur des Friedens. Von denen werden Sie kein böses Wort hören. Ich versuche ihnen auf ihrem Weg immer ein Dach über dem Kopf zu organisieren. Aber sie würden auch im Freien schlafen.

Sie sind jetzt auf Seite 2 von 2

  1. "Beten ist ein Verbrechen"
  2. Sie lesen jetzt "Beten ist ein Verbrechen"
Leser empfehlen 

(SZ vom 25.03.2008/dmo)