Sie werden im Gemeindedienst eingesetzt, doch mit ihren Lebenspartnern in einer Dienstwohnung zusammenleben dürfen homosexuelle Pfarrer in Bayern nicht. Das ändert sich nun.
Wenn der evangelische Pfarrer zusammen mit seiner Frau im Pfarrhaus wohnt, dann stört sich niemand daran. Anders ist es, wenn der Geistliche mit einem Mann zusammenlebt - mit dem Thema Homosexualität tut sich nicht nur die katholische sondern auch die evangelische Kirche recht schwer.
Bild vergrößern
Die evangelische Landeskirche Bayern erlaubt homosexuellen Pfarrern, zusammen mit ihren Lebenspartnern in der Dienstwohnung zu leben. (© dpa)
Anzeige
Immerhin durften in der evangelischen Landeskirche Bayern homosexuelle Geistliche im Gemeindedienst eingesetzt werden. Aus der Dienstwohnung musste der Partner jedoch draußen bleiben. Bis jetzt.
Denn künftig dürfen im Freistaat schwule Pfarrer und lesbische Pfarrerinnen mit ihrem Lebenspartner gemeinsam im Pfarrhaus wohnen, sagte Landesbischof Johannes Friedrich. Die bisherige Regelung sei "nicht konsequent" gewesen. Voraussetzung sei in jedem Einzelfall die Einmütigkeit des Landeskirchenrats, des zuständigen Dekans und weiterer Gremien. Die Zustimmung werde nur erteilt, wenn sichergestellt sei, dass der Frieden in der Kirche und der jeweiligen Gemeinde nicht gefährdet werde.
Der Beschluss des Landeskirchenrats ist umstritten. Denn zuletzt hat es auch im Freistaat Stimmen aus der evangelischen Kirche gegen ein Zusammenleben von homosexuellen Pfarrern in der Dienstwohnung gegeben.
Eine Voraussetzung muss jedoch erfüllt sein: Es dürfen nur homosexuelle Paare ins Pfarrhaus einziehen, die in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft leben. Schließlich sei bei heterosexuellen Partnern auch die Ehe Voraussetzung. Friedrich schätzt, dass der Anteil homosexueller Pfarrer in der Landeskirche unter zehn Prozent liegt und damit "nicht höher als bei der Normalbevölkerung ist". Ihm seien in der Landeskirche fünf Paare in eingetragener Partnerschaft bekannt, wobei zwei Pfarrer im Dienst einer Kirchengemeinde sind. In diesen gibt es aber im Unterschied zur Mehrzahl der Gemeinden keine Wohnpflicht für Pfarrer im Pfarrhaus.
Ob homosexuelle Paare dort leben dürfen, ist in den Landeskirchen in Deutschland nicht einheitlich geregelt. Der Landeskirchenrat veröffentlichte den bereits im Juli gefassten Beschluss wenige Tage vor Beginn der Herbsttagung der 108 Synodalen der evangelischen Landeskirche vom 21. bis 25. November in Neu-Ulm. Mehrere Anträge befassen sich mit dem Umgang mit gleichgeschlechtlich lebenden Pfarrerinnen und Pfarrern. Friedrich sagte, ein neuer Diskussionsprozess zum Thema "Homosexualität und Kirche" sei offensichtlich notwendig.
- Thema
- Evangelische Kirche RSS
- Kirche und Homosexualität Der Pfarrer und sein Ehemann 15.11.2010
- Synode der Evangelischen Kirche Mission Zukunft 07.11.2011
- Papst in Erfurt Benedikt XVI. macht Hoffnungen der Protestanten zunichte 23.09.2011
- Neuer Missbrauchsvorwurf Pfarrer soll Enkeltochter missbraucht haben 20.04.2011
- Ethikkommission zur Atompolitik "Ein biblisches Gebot" 04.04.2011
- Wahl des evangelischen Landesbischofs Rufe mich! 03.04.2011
- Kandidaten: Wahl des evangelischen Landesbischofs ... und ein Missionar 03.04.2011
(sueddeutsche.de/dapd-bay/tob/tob/bica)
Die neueste Antwort
Zum Glück gibt es nicht nur Christen, die einige Zentimeter über dem Boden schweben und fromme Theorien vertreten wie z.B. im Blick auf Homosexualität und auf homosexuelle Menschen! So gibt es immer noch Heterosexuelle, die sich nicht vorstellen können, dass nicht alle so sind, wie sie selber, nämlich heterosexuell. Und es gibt immer noch Christen, die meinen, nur Heterosexuelle wären dazu befähigt, einen anderen Menschen zu lieben. Die Maßstäbe, an denen man sein Leben ausrichtet, sind unabhängig davon, ob man homo- oder heterosexuell ist. Man kann es sich aber nicht aussuchen, so oder so zu sein. Beide Male findet man sich in seiner Prägung vor und hat verantwortlich damit umzugehen.
Danke! Ich dachte, ich sehe nicht richtig bei den ersten beiden Kommentaren. Zeitgeist ... Klar, da lebt einer den schwulen Style, weil's so trendy ist ...
Das Mittelalter lebt.
Ein Umzug in den Iran würde Ihre Probleme rasch lösen, da wird man als Schwuler noch aufgehängt und ist somit die Sorge der Konfrontation mit der Realität rasch los.
@ Auotor und @Leser
Die Kirchen sind im Umgang mit den Schwulen leider immer noch nicht in der Realität angekommen. Das ist sehr bedauerlich, die Gesellschaft und die Politik, insbesondere die Rechtsprechung sind da deutlich weiter. So wird ein gewaltiges Potenzial von den Kirchen nicht genutzt, da natürlich die meisten Schwulen und Lesben der Kirche den Rücken kehren, austreten und sich, wenn religiös, anders orientieren.
Die beiden Erstkommentatoren sind wohl wirklich besser in den USA im bible belt oder im Iran aufgehoben. Aber selbst da wird der gesellschaftlioche Fortschritt irgendwann Platz greifen, denn nur Gesellschaften, die alle Ressourcen nützen, werden das Rennen machen.
Nur noch peinlich. Jetzt kapitulieren auch noch die Protestanten vor dem vermeintlichem Zeitgeist.
Ich würde austreten, wenn dies in meiner Pfarrei passieren würde.
1. Moses 27
Und Gott schuf den Menschen ihm zum Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie einen Mann und ein Weib.
Der Auftrag Gottes an die Menschen lautet:
1. Moses 28
Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehrt euch und füllt die Erde und macht sie euch untertan und herrscht über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über alles Getier, das auf Erden kriecht.
Dies hat damals Martin Luther als Gebot der Ehe auch für Priester in seinen 95 Thesen in Wittenberg angeführt.
Wie diese Art der Pfarrer den göttlichen Auftrag erfüllen wollen, ist mir ein Rätsel. Künstliche Befruchtung des Partners dürfte nach dem heutigen Stadt der Medizintechnik ziemlich zwecklos sein.