Dachau gedenkt der Nazi-Opfer Mannheimer kritisiert Bundesregierung

Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, Holocaust-Überlebender Max Mannheimer und Kantor Nikola David (von links) bei der Gedenkveranstaltung in Dachau.

(Foto: Toni Heigl)

Vor 80 Jahren begann hier das Morden: In Dachau errichteten die Nazis eines ihrer ersten Konzentrationslager. Bei einem Gottesdienst wird nun der Opfer gedacht. Und der Holocaust-Überlebende Max Mannheimer kritisiert die Bundesregierung.

Von Helmut Zeller

Max Mannheimer, Vizepräsident des Internationalen Dachau-Komitees (CID), hat sich erneut für ein NPD-Verbot ausgesprochen: Der 93-jährige Holocaust-Überlebende appellierte am Sonntag in Dachau an den Bundestag, beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe einen Antrag auf ein Verbot der rechtsextremen NPD zu stellen.

Bei einem ökumenischen Gedenkgottesdienst in der evangelischen Versöhnungskirche kritisierte Max Mannheimer die Bundesregierung, die einen eigenen Verbotsantrag vergangene Woche abgelehnt hatte. "Damit hat die Bundesregierung die Chance verpasst, ein Zeichen für die wehrhafte Demokratie zu setzen", sagte der Auschwitz-Überlebende unter starkem Beifall der etwa 200 Gäste. Bisher hat der Bundesrat angekündigt, einen Verbotsantrag in Karlsruhe einzureichen.

Die evangelische und katholische Kirche erinnerten gemeinsam mit dem Landesverband der Israelitischen Kultusgemeinden an die ersten vier Mordopfer des vor 80 Jahren errichteten Konzentrationslagers Dachau. Drei der vier Männer jüdischer Herkunft, die am 12. April von der SS erschossen wurden, waren Kommunisten. Mannheimer rief die Politik "zum Schutz von Demokratie und Freiheit" auf.