Enoch zu Guttenberg "Herr Baron, Herr Baron!"

Bislang hat Enoch zu Guttenberg über den Fall seines Sohnes geschwiegen. Doch bei der Demonstration vor dem Familiensitz zeigt sich der Star-Dirigent von seiner impulsiven Seite.

Von Olaf Przybilla

Enoch zu Guttenberg hat das Schloss verlassen wollen an diesem Samstag. Als er aber am Dorfplatz im oberfränkischen Flecken Guttenberg vorbeigekommen ist, hat er eine Menge von Menschen gesehen, um die Mittagszeit sind es viermal mehr als der Ort Einwohner hat.

Der Dirigent und Vater des ehemaligen Bundesverteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg ist dann noch einmal umgekehrt, 300 Meter zurück ins Schloss derer zu Guttenberg. Dort hat er sich Notizen gemacht. Guttenberg hat sich entschieden, etwas loswerden zu wollen an diesem Mittag.

Wer ihn kurz vor seinem Auftritt trifft, bekommt den Eindruck eines Mannes, der sich nur mühsam unter Kontrolle hält. Guttenberg pendelt zwischen Attacke und Besänftigung. Die Medien sind sein Thema, "natürlich nicht alle Medien", sagt er. Ein Musiker ist er, das betont Enoch zu Guttenberg mehrmals, obwohl er erwarten darf, dass man das weiß.

Als Dirigent habe er Erfahrung damit, kritisiert zu werden. Und als Sohn eines CSU-Politikers und Parlamentarischen Staatssekretärs im Bundeskanzleramt weiß er um den politischen Betrieb. Das aber, was seinem Sohn da widerfahren sei, das übersteige alles, was er sich jemals habe vorstellen können, sagt er.

Enoch zu Guttenberg, 64, ist ein impulsiver Mann. Seinen Dirigaten merkt man das an: Wer an Bruckner vor allem Bruckner schätzt, der kann enttäuscht werden, wenn Guttenberg ans Pult tritt. Gleichwohl gibt es viele, die den emphatischen Guttenberg-Bruckner für ein Ereignis halten, gerade weil man so sehr den Pathetiker spürt, der da dirigiert. Auf dem Dorfplatz von Guttenberg, bei der "Sympathiekundgebung" für den Sohn, kann man diesen auch erleben - vor 2000 Fans.

Fast unwirklich ist der Moment. Guttenberg steht in der Menge, er trägt ein Jackett mit Einstecktuch, immer wieder rufen die Leute: "Herr Baron, Herr Baron!" Und Guttenberg erwidert: "Ich bin doch der Falsche." Später steigt er auf einen Traktoranhänger. Hätte es bei den alten Römern schon solche Anhänger gegeben, dann wäre das ein Platz für Volkstribunen gewesen. Er habe sich Notizen gemacht, ganz gegen seine Art, sagt Guttenberg. Und dann wettert der Wertkonservative los, der 1975 den Bund für Umwelt und Naturschutz mitgründete.

Das "Geifern und der Jagdrausch" bestimmter Medien machten ihm Angst, ruft Guttenberg. Er habe sich nicht vorstellen können, "dass so eine Menschenjagd" nach 1945 noch einmal möglich sei. Die "Häme und Selbstgerechtigkeit" mancher Journalisten hätten die Gürtellinie so massiv unterschritten, dass seine Familie es kaum mehr ertragen hätte. Die Berichterstattung über den Sohn erklärt der Vater zu einem "Schlachtfest".

Über den Fall des Sohnes hat Enoch zu Guttenberg bisher geschwiegen. Viele hielten dieses Schweigen für sehr beredt. 750 Jahre Adelsgeschichte - und dann die Schmach einer solchen Doktorarbeit? Offenbar liegt der Fall anders. "Ich bin stolz auf meinen Buben", ruft Guttenberg. Dieser habe sich "im Kopf und im Herzen nicht fertigmachen lassen". Und er endet: "Wir gehen nicht von Bord." An vielen Orten dürfte das wie eine Drohung klingen - im Dorf Guttenberg ist es ein Versprechen.

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