Engelthal Die Nonne und der Kaiser

Heini Liebel macht sich für den Erhalt der Klostermauer Engelthal stark. Ein Stück wurde gerade saniert.

(Foto: KAA)

Kloster Engelthal erlebte seinen Höhepunkt im Mittelalter

Als Kaiser Karl IV. nach Engelthal kam, war er noch gar keiner, aber das schmälert die Episode kaum. Schließlich hat der Ort im Nürnberger Land nie wieder jene Bedeutung erlangt, die er im Mittelalter einmal hatte. Heute sind von dem großen Frauenkloster, das der noch zu krönende Kaiser aufsuchte, nicht viel mehr als die Reste der Klostermauer erhalten und Engelthal ist nur mehr ein beschauliches Örtchen in der Fränkischen Alb. Aber eben eines mit Geschichte. Die zu erzählen und deren Überbleibsel zu bewahren, haben sich Heini Liebel und sein "Förderverein zur Erhaltung der Klostermauer Engelthal" vorgenommen. "Ich will ja nicht angeben, aber ich habe in Bayern nichts Vergleichbares gefunden", sagt er über die Mauer, die einmal 1200 Meter lang war und das Klosterdorf komplett umschloss. Ein Stückchen hat sein Verein gerade sanieren lassen, die behauenen Steine stammen von einer Scheune im Nachbardorf, die abgerissen wurde. Gleich daneben wuchern Hasel und Efeu über das Mauerwerk, wenn wieder Geld da ist, will Liebel weitermachen.

Dass überhaupt ein Kloster gegründet wurde in dem Dorf, geht eigentlich auf eine Streiterei zurück. Denn als der Papst im 13. Jahrhundert einen Kirchenbann gegen das kaisertreue Nürnberg verhängen ließ und dort nicht einmal mehr eine Kirchenglocke läuten durfte, zogen die Nürnberger Beginen aufs Land. Ein Reichsministerialer schenkte ihnen das Örtchen Swinach, das spätere Engelthal, und sie gründeten das Kloster, das sich 1248 die Regeln der Dominikanerinnen gab.

1289 trat die erst zwölfjährige Patriziertochter Christine Ebner in das Kloster ein, die zu einer bedeutenden Mystikerin des 14. Jahrhunderts werden sollte. Sie war es, die Kaiser Karl in Engelthal besuchte und deren Segen er erbat. 79 Jahre wurde Christine Ebner alt, ein für jene Zeit erstaunlich hohes Alter. "Und sie hat sich nicht geschont", erzählt Heini Liebel. Das Kloster, dem vor allem Töchter höheren Standes angehörten, mehrte seinen Reichtum, so dass mehr als 300 Höfe und Güter zu seinem Besitz gehörten, als es 1565 aufgelöst wurde. Das war nur wenige Jahre nach dem Wiederaufbau, im zweiten Markgrafenkrieg war das Kloster 1552 abgebrannt.

Heute klopft ein Specht im ehemaligen Klostergarten hinter der Kirche, die ehemalige vierseitige Anlage ist nicht mehr. Wo einmal das Siechenhaus stand, ist jetzt der Pfarrhof und unter den ehemaligen Wirtschaftsgebäuden ist zumindest noch der Keller mit einem großen Tonnengewölbe erhalten. Heini Liebel hat den Schlüssel, er weiß viel über das alte Engelthal zu erzählen. Wenn Besucher kommen, tut er das als Landsknecht Heinrich, dann zieht er sich ein passendes Kostüm an. Im kommenden Jahr jährt sich der Geburtstag des Kaisers zum 700. Mal, das will Liebel für Engelthal nutzen und extra Führungen anbieten. Die Termine stehen schon fest. Thema: die Nonne und der Kaiser.

Für den Tipp danken wir Heini Liebel aus Engelthal.