Energiedialog in Bayern Viel Gelaber um nichts

Beim Energiedialog ging es auch um eine CSU-Machtfrage: Schafft es Ilse Aigner, sich als klare Führungsfigur in Bayern zu profilieren?

(Foto: dpa)
  • Drei Monate nach dem Start des Energiedialogs hat sich inhaltlich nicht viel getan.
  • Noch immer weiß niemand, wie der Atomstrom in Bayern bis 2022 ersetzt werden soll.
  • Bei der Energiewende geht es aber auch um eine Machtfrage: Schafft es Ilse Aigner, sich als Seehofer-Nachfolgerin zu profilieren?
Ein Kommentar von Frank Müller

Als Ilse Aigner ihren Energiedialog vor drei Monaten startete, gab es schon vorab viel Häme: Warum noch einmal über alle Details der Energiewende debattieren, nachdem genau das doch schon ausführlich geschehen war? Inhaltlich ist man drei Monate später nicht viel weiter: Noch immer gibt es Menschen, die für und gegen Stromtrassen sind. Noch immer weiß niemand wirklich, wie der fast 50-prozentige Anteil von Atomstrom in Bayern innerhalb von nur noch sieben Jahren bis zum Jahr 2022 zu ersetzen ist. Dafür konnte Wirtschaftsministerin Ilse Aigner im Spaß zumindest andere konkrete Ergebnisse des Energiedialogs verkünden: Hundert Stunden sei man beisammengesessen, habe 2000 Liter Kaffee getrunken und 3000 Butterbrezn und Krapfen vertilgt.

Schafft es Aigner, sich als Führungsfigur zu profilieren?

Der Energiedialog - ein drei Monate währendes Kaffeekränzchen? Die Schlüsselfrage zumindest, ob Bayern mehr Stromleitungen oder mehr Gaskraftwerke braucht und wie das zu bewerkstelligen ist, hätte ein Expertengremium einfacher und valider ermitteln können als ein riesiger runder Tisch. An dem gab jeder Interessenvertreter sein jeweils eigenes Glaubensbekenntnis zu Protokoll. Im Grunde aber ging es bei alledem immer nur in zweiter Linie um die Energiepolitik. Eigentlich verhandelt wurde beim Energie-Dialog eine CSU-Machtfrage: Schafft es Ilse Aigner nach schwierigem Start, sich als klare Führungsfigur in Bayern zu profilieren?

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