El-Masri schlägt CSU-Politiker Rätselhafte Attacke

Khaled el-Masri, traumatisiertes CIA-Entführungsopfer, hat den Neu-Ulmer Oberbürgermeister verprügelt. Seine Motive sind unklar.

Von Mike Szymanski

Der Deutsch-Libanese Khaled el-Masri hat am Freitag den Neu-Ulmer Oberbürgermeister Gerold Noerenberg (CSU) in dessen Büro angegriffen und durch Schläge ins Gesicht verletzt. Die Polizei nahm den 46-Jährigen am Nachmittag fest. Der Polizei zufolge räumte el-Masri die Tat ein, machte aber keine Angaben zu seinen Motiven.

Der Deutsch-Libanese war 2003 in Mazedonien von Agenten des amerikanischen Geheimdienstes CIA nach Afghanistan entführt und fast sechs Monate gefangen gehalten worden. El-Masri gilt seither als traumatisiert. Er war bereits wegen Körperverletzung und Brandstiftung 2007 zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe verurteilt worden und hatte sich einer Therapie unterziehen müssen.

Rathauschef Noerenberg gehe es nach Angaben seiner Sprecherin "den Umständen entsprechend gut". Der 52-Jährige habe ambulant behandelt werden müssen und erhole sich nun zu Hause. Das Amtsgericht Memmingen erließ noch am Freitag Haftbefehl gegen el-Masri.

Die Tat hatte sich am späten Freitagvormittag ereignet. Nach Angaben der Polizei habe der Mann gegen 11 Uhr das Rathaus betreten und wollte ohne Termin zum Oberbürgermeister vorgelassen werden. Es kam zu einer Auseinandersetzung mit Rathausangestellten, bei der aber niemand verletzt wurde. Polizisten konnten el-Masri beruhigen, anschließend erteilten sie ihm einen Platzverweis.

Eine halbe Stunde später kehrte el-Masri ins Rathaus zurück. Er hatte drei seiner sechs Kinder dabei und drang in das Zimmer des Oberbürgermeisters ein. Er schlug Noerenberg ins Gesicht und warf einen Stuhl nach ihm. Dann flüchtete el-Masri. Gegen 14 Uhr am Nachmittag konnten Polizeibeamte ihn in seinem Auto festnehmen. Zwischenzeitlich war das Rathaus von Polizisten abgesperrt worden.

Es ist nicht das erste Mal, dass el-Masri durch Gewalt auffällt. Im Januar 2007 hatte er bei einem vom Arbeitsamt vermittelten Lehrgang einen Vorgesetzten angegriffen und mit Faustschlägen verletzt. Wenige Monate später gab es Ärger in einem Großmarkt, erst hatte er eine Angestellte beleidigt und bespuckt, Tage später legte er in dem Großmarkt Feuer.

Nach seiner Festnahme wurde der Vater von sechs Kindern in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. Vor Gericht kam ein Gutachter später zu dem Ergebnis, dass el-Masri durch die Verschleppung traumatisiert wurde. Strafmildernd wertete das Gericht, dass der Deutsch-Libanese zuvor nicht die Hilfe bekommen habe, die er gebraucht hätte und um die sein Anwalt gebeten hatte. Das Gericht machte es ihm zur Auflage, sich in Behandlung zu begeben, um die Entführung aufzuarbeiten.

Die US-Agenten hatten el-Masri seinerzeit offenbar für einen Angehörigen der Terrororganisation al-Qaida gehalten. Er war in ein Gefängnis in der afghanischen Hauptstadt Kabul verschleppt und unter schlimmen Bedingungen monatelang festgehalten und verhört worden. Die Staatsanwaltschaft München hatte Haftbefehle gegen 13 mutmaßliche CIA-Agenten erwirkt. Die USA gaben keinerlei Rechtshilfe. Der Entführungsfall beschäftigte auch den BND-Untersuchungsausschuss des Bundestages, doch bis heute sind viele Fragen offen.