Die Koalitionsspitzen haben sich offenbar geeinigt: Die bayerische Regierung ist sich jedenfalls sicher, dass der Transrapid kommt. Wirtschaftsminister Huber will nur noch eine "kleine Lücke" schließen - und muss sich auf Ärger mit dem Münchner Oberbürgermeister Ude einstellen.
Die Weichen für den Bau des Transrapid sind nach Ansicht der Spitzen der Bayerischen Staatsregierung gestellt. Mit dem Ergebnis der Berliner Koalitionsrunde sei der Weg "politisch frei", sagte Wirtschaftsminister Erwin Huber (CSU). Zugleich zeichnete sich eine Machtprobe mit der Stadt München ab, die das Milliardenprojekt ablehnt. Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) schloss eine finanzielle Beteiligung des Münchner Flughafens aus und deutete rechtliche Schritte an.
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Transrapid: Bisher nur eine Simulation, nun soll sein Weg "politisch frei sein". (© Foto: ddp)
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Nach offiziellen Schätzungen soll die gut 30 Kilometer lange Strecke vom Münchner Hauptbahnhof zum Flughafen 1,85 Milliarden Euro kosten. Am Montagabend hatte sich der Bund nach Angaben eines Sprechers von Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) bereit erklärt, mit 925 Millionen Euro die Hälfte der Gesamtkosten zu tragen. Bayern will mit rund 460 Millionen Euro ein Viertel beisteuern.
Die Einzelheiten sollen in den nächsten vier Wochen geklärt werden. "Ich bin überzeugt, dass wir im September eine unterschriftsreife Vereinbarung haben werden", sagte Huber. Baubeginn könne bereits 2008 sein. Huber räumte zugleich ein, dass es noch eine "kleine Lücke" von 150 Millionen Euro gebe, die er "in relativ kurzer Zeit" für schließbar halte. "Ich bin sehr zuversichtlich."
Sowohl der Bund als auch Bayern hätten sich bei der Finanzierung "deutlich nach oben" bewegt, sagte Huber. Der Bund hatte bislang 550 Millionen Euro zugesagt, Bayern wollte etwa 300 Millionen Euro zuschießen. Die bayerische Staatsregierung will zudem die Deutsche Bahn, den Flughafen München und die Industrie in die Pflicht nehmen - namentlich die zwei Transrapid-Hersteller Siemens und Thyssen Krupp.
Damit scheint das Herzensprojekt von Bayerns Ministerpräsident Stoiber in greifbare Nähe zu rücken: "Der politische Wille in der Spitze der Koalition, die Magnetschwebetechnologie in Deutschland zu realisieren, ist da", sagte ein Sprecher von Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) in München.
Die noch offenen Details der Finanzierung wollen Kanzleramtschef Thomas de Maizière (CDU), Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) und Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) zusammen mit dem bayerischen Verkehrsminister Erwin Huber (CSU) klären und dann ein Memorandum of Understanding formulieren.
Der designierte Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) machte dagegen noch einmal deutlich, dass er den Transrapid "nicht um jeden Preis" wolle. Er habe sich mit Stoiber genau abgestimmt, wie weit Bayern bei der Finanzierung gehen wird. "Wir sind uns bis auf die Million einig", sagte Beckstein in München.
Die genaue Zahl wollte er aber nicht nennen. Der Transrapid sei ein Projekt des Bundes und dürfe nicht in erster Linie aus bayerischen Kassen bezahlt werden. Er gehe davon aus, dass die Bundesregierung den Großteil der Kosten übernehme. Insofern sehe er das Projekt "auf einem guten Weg".
"Von einem Durchbruch kann keine Rede sein"
SPD-Fraktionschef Fran Maget fordert das Ende des Transrapidprojekts: "Stoiber ist als Transrapid-Tiger in München gestartet und gestern in Berlin im Koalitionsausschuss als Bettvorleger gelandet", sagte er.
Die Finanzierung des etwa zwei Milliarden teuren Transrapid stehe nach wie vor in den Sternen. "Deshalb erwarte ich vom bayerischen Ministerpräsidenten, dass er das Vorhaben aufgibt und endlich auf den notwendigen, verkehrspolitisch sinnvollen und preiswerten Ausbau des S-Bahnsystems in der Region und zum Münchner Flughafen setzt", erklärt Maget.
Der Fraktionsvorsitzende verweist auch darauf, dass in den letzten Jahren bereits zig Millionen Euro an Steuergeldern für das Prestigeprojekt ausgegeben worden seien.
Auch Münchnens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) bleibt bei seinem Nein zu dem Milliardenprojekt. Von einem Durchbruch könne überhaupt keine Rede sein, sagte Ude (SPD) auf Anfrage zu den Ergebnissen der Berliner Koalitionsrunde. Auch mit der Erhöhung des bayerischen Anteils fehle nach wie vor eine Milliarde Euro, um den Transrapid realisieren zu können. "Eine Kostenbeteiligung des Flughafens kommt nicht in Betracht, da die Stadt als Mitgesellschafterin dies nicht zulassen wird", schrieb Ude in einer Mitteilung. "Die Stadt ist bestens vorbereitet, ihre Rechte auch zu wahren", deutete Ude rechtliche Schritte an.
Das Bundesverkehrsministerium gehe von Projektkosten in Höhe von 2,2 Milliarden Euro aus, betonte Ude, der sich derzeit auf Urlaub in Griechenland befindet. Darin seien die bei Großprojekten üblichen Kostensteigerungen noch nicht inbegriffen. "Am Ende wird der Freistaat soviel zuschießen müssen, wie die verkehrlich sinnvollere und umweltpolitisch verträglichere Express-S-Bahn zum Flughafen insgesamt kostet", warnte Ude. Der OB verwies auf ein Rechtsgutachten, derzufolge alle Gesellschafter einem Engagement des Flughafens zustimmen müssten.
Ebenfalls Kritik an dem Projekt kommt von den Landtags-Grünen. Sie bezeichneten die Jubelmeldungen der Staatsregierung zum angeblichen "politischen Durchbruch" bei den Transrapid-Verhandlungen als Pfeifen im Walde.
"Der angebliche Showdown auf Chefebene, für den Stoiber seit Monaten die Backen aufgeblasen hatte, ist erneut verschoben worden - jetzt angeblich in den September", sagte der wirtschaftspolitische Sprecher Martin Runge. "Fakt ist: Mehr als ein lautes und eindeutiges 'Schau' mer mal' ist auch diesmal nicht herausgekommen."
Aus ihrer Sicht sei es höchste Zeit, endlich einen Schlussstrich unter das Projekt zu ziehen. Der Transrapid stürze die öffentlichen Haushalte in unüberschaubare Finanzabenteuer und sei verkehrspolitisch unsinnig, so Runge.
(ddp-bay/dpa/sueddeutsche.de)
OB-Kandidatin Nallinger
Die neueste Antwort
Und Sie sind mit Ihren Aussagen ein gutes Beispiel für Ihre These.
Am 20.6. z.B. gab es hier auf sueddeutsche.de den Artikel mit dem Titel: "Teurere Tickets sollen Milliardenprojekt retten" - und da ist die Rede von aktuell geplanten 14 bis 15 Euro. Und weiter: "Bayerns Verkehrsminister Erwin Huber (CSU) sagte der Süddeutschen Zeitung, er befürworte eine moderate Preissteigerung auf bis zu 17 Euro pro Fahrt."
Also nix mit 8 Euro pro Fahrt.
Und der Transrapid verbraucht MEHR Energie als vergleichbare S-Bahnen, weil er zum Schweben auch Energie benötigt. Und insbesondere in niedrigen Geschwindkeitsbereichen fällt dieser Energieaufwand enorm ins Gewicht.
Und der Unfug, dass sich München nicht finanziell beteiligen müsste: Geld kann man nur einmal ausgeben. Schon jetzt werden Mittel, die dem Regionalverkehr zugedacht sind, in die Planung der Transrapidstrecke zweckentfremdet. Und schon jetzt fehlt überall im Land das Geld, um notwendige Ausbauten durchzuführen.
P.S. Wenn ich mich recht erinnere haben Wiesheu und Konsorten die Linienführung der ICE Neubaustrecke über Ingolstadt auch mit dem Argument durchgedrückt, dass nur damit eine Fernbahnanbindung des Flughafens möglich wäre... und was ist nicht gekommen? Genau. Die Fernbahnanbindung. Dass seit langer Zeit keine ernsthaft schnelle Verbindung zum Flughafen existiert, das ist politischer WILLE und nicht der Politik der Stadt München zuzuschreiben.
Wer mit dem MVV heute nach MUC fahren will muß jetzt schon über 8 Euro zahlen, warum erregt ihr Euch so sehr über einen Transrapid-Preis von 8 Euro.
Leider erkennt man in viele Kommentaren, dass deren Schreiber einfach nur dagegen sind.
Wogegen?
Na, diesmal halt gegen den Transrapid.
Ahnung haben die wenigsten von dem was sie schreiben.
Deswegen ein paar Fakten:
Es ist richtig: am Besten wäre der Transrapid für ganz lange STrecken. Nachdem Berlin-Hamburg inzwischen aber per Gleis bedient wird, ist München-Flughafen MUC zwar nur die zweitbeste, aber immer noch die Beste unter den realsitischen Möglichkeiten.
@houdi: eine der Stärken des Transrapid ist gerade seine hohe Beschleunigung, denn nur deshalb kann er auch eine kurze Fahrtzeit erreichen.
Außerdem:
- der Transrapid verbraucht weniger Strom als vergleichbare S-Bahnen
- der Transrapid ist deutlich leiser als eine S-Bahn
- durch seine eigene Trasse ist er auch deutlich sicherer als S-Bahnen, die wegen Suiziden, Zusammenstößen mit Autos, wegen umgefallener Bäume usw. öfter mal ausfallen
- die ständigen Verspätungen der S-Bahn wegen nasser Gleise v.a. im Herbst entfallen, da der magnetische Antrieb sich nicht um eine nasse Fahrbahn kümmert
die Vorteile würden noch weiter gehen.
Eine Kleinigkeit noch:
Warum ist Ude so dagegen?
Er selbst zahlt sowieso nix dazu. Und auch die Stadt München, deren Geld er verwaltet, muss auch nichts beitragen. Es gibt also keinen Grund sich derart dagegen zu echauffieren. Außer natürlich Technikfeindlichkeit.
Außerdem: Wer ihn nicht nutzen will, muss auch in Zukunft nicht mit dem Transrapid fahren.
Zudem: nachdem aus München kein Geld für den Transrapid verwendet wird, ist eine Sozialtränendrüsen-Debatte überflüssig. Kein Kindergarten wird dem Transrapid geopfert (auch keine Kinder ;-) ).
Und eines noch zum Schluss:
Die Express-S-Bahn ist eine Utopie!!
Sie wird von Ude auch bewusst als Instrument seiner Technikfeindlichkeit benutzt.
Seit genau 15 Jahren ist der Airport in Betrieb.
Seit genau 15 Jahren benötigt der Airport eine vernünftige Anbindung.
Seit genau 15 Jahren ist nichts passiert.
Daher wird auch bei einer Ablehnung des Transrapid nichts passieren.
Sollte sie dennoch (vl. in 60 Jahren) gebaut werden, dann muss sich die Stadt München finanziell beteiligen. Auf Kosten von Kinderg&a
Ja, ich weiß dass die Anbindung von Landshut etc. an den Flughafen schlecht ist. Durch den Transrapid wird sie aber auch nicht besser. Und davon, dass Sie alles in einen Topf werfen, rühren und dann falsche Behauptungen aufstellen, wird es auch nicht besser.
(Z.B. habe ich nie behauptet, dass es Infrastrukturmaßnahmen ohne Bauarbeiten gäbe)
Im übrigen ist es so, dass Maßnahmen zur Verbesserung der Anbindung des Bayerischen Nordens und Ostens (via Walpertskirchener Spange, Erdinger Ringschluss) parteiübergreifend erwünscht sind. Auch die bösen, bösen Grünen sind da mit im Boot.
Allein: Die Landesregierung kriegt keine Mittel zusammen. Und jetzt raten sie mal, wo die Mittel klemmen...
eine Umfrage unter den eigenen Leuten (den Bayern) ergab:
"Bayern will zusätzliche 160 Millionen Euro in den Transrapid stecken. Sind Sie unter diesen Umständen für oder gegen den Transrapid in München?" Diese Frage stellte "Mittags in München" in Bayern 1 seinen Hörern.
4.400 Anrufer beteiligten sich an der Telefonumfrage.
79,5 Prozent stimmten gegen den Transrapid.
reicht das??
oder müssen es erst 95 % oder mehr werden, bevor solche Projekte gestrichen werden...
aber es scheint hierbei ähnlich zu laufen wie beim Ausbau des Flughafens...
Stichwort dritte Landebahn...
einfach nur prestigeträchtig...
@petwolf schonmal dran gedacht, dass es Leute gibt, die sich nicht jeden Tag eine Fahrkarte für 8 Euro einfache Fahrt zum Flughafen leisten können...(mit dem TR wirds auch teurer)
wie hier im Forum schon geschrieben...in anderen Städten fährt man für 2,10 zum Flughafen... wieso da 8 Euro??
und bald nochmehr?? sind die Schienen da vergoldet oder fahre ich in Liegesitzen??
ach nein ich vergaß... "man schwebt ja in Zukunft durch Bayern"... einige scheinen es jetzt schon zu tun ;)
klar stellt sich bei Zukunftsprojekten die Frage, inwieweit errechne ich den direkten Gewinn...
natürlich lässt sich beim Nahverkehrssystem erst nach Jahren ein gesamtwirtschaftlicher Nutzen errechen...
aber da ist doch der Widerspruch in sich...
ist der TR wirklich ein NAHVERKEHRS-System?? m.E. nicht...dazu fährt der einfach zu schnell und braucht auch zu lange, um auf Geschwindigkeit und zurück zu kommen...
es sollen einem ja schliesslich nicht die Organe innerlich zerdrückt werden
8 Mio Hin und Rückfahrten, das sind 16 Mio Fahrten, das ergibt:
44000 pro Tag, bei 18 Betriebsstunden (6 bis 24 Uhr)
2435 pro Stunde, bei zwei Richtungen und 6 Zügen (10 Minuten Takt)
209 Fahrgäste pro Zug. Irgendwann hab ich mal gelesen, dass in einem TR-Zug 140 Personen Platz finden...
Also müsste JEDER Zug im Gesamten Jahr 150% belegt werden...
Kein Wunder, dass private Investitionen ausbleiben, wenn die Kosten nie wieder hereingespielt werden können. (Die erste Eisenbahn war privat finanziert, kann also nicht zu Vergleichszwecken herangezogen werden)
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