Ehefrau von Georg Schmid Home-Office

"Ich leite ein erfolgreiches, kleines Familienunternehmen." Gerti Schmid, die Frau des wegen der Amigo-Affäre als CSU-Fraktionschef zurückgetretenen Georg Schmid, plauderte 2006 in einem Interview über ihr Arbeitsleben. Ein Hinweis auf den "Büro- und Schreibservice" für ihren Ehemann findet sich darin nicht. Warum nur?

Von Stefan Mayr

Einmal angenommen, eine selbständige Unternehmerin oder Freiberuflerin bekommt die Möglichkeit, in einer Zeitschrift ihren Alltag darzustellen. Welche Gewerbetreibende würde diese Gelegenheit nicht nützen, um zumindest in einem kleinen Nebensatz auf ihren Betrieb aufmerksam zu machen?

Gertrud "Gerti" Schmid hat das nicht getan, als sie 2006 von dem Monatsmagazin Augsburg Journal befragt wurde. Sie berichtete nur davon, dass sie "gelernte Industriekauffrau" sei und "früher in der freien Wirtschaft" und "elf Jahre im Landratsamt Donauwörth" tätig war.

"Danach habe ich mich bewusst für meine Familie entschieden", betonte sie. "In einer Ehe mit Kindern können nicht beide Partner Karriere machen. Ich sage immer: Ich leite ein erfolgreiches, kleines Familienunternehmen."

Sie berichtet, sie "arbeitet" als Hospizhelferin in der Gruppe "Begegnung im Licht", für diese mache sie auch Öffentlichkeitsarbeit und Fundraising. Ein Hinweis auf ihren "Büro- und Schreibservice", den sie beim Gewerbeamt angemeldet hatte und für den sie bis zu 5500 Euro pro Monat von ihrem Ehemann Georg Schmid auf Staatskosten erhalten hatte, findet sich auf den 53 Zeilen nicht.

Warum nicht? Weil es diesen Betrieb nur auf dem Papier gab? Weil sie es aus taktischen Gründen verschwiegen hat, um bei konservativen CSU-Wählern ins Weltbild zu passen? Oder weil ihr Betrieb so ausgelastet war, dass sie keine weiteren Anfragen haben wollte? Für eine Stellungnahme war Schmid am Montag nicht erreichbar.