Drohnenfabrik in Penzberg Spion aus Bayern

Gerade erst machte das Debakel um das Scheitern des Drohnen-Projekts Euro Hawk Schlagzeilen. In Penzberg produziert die Firma EMT Drohnen, die die Bundeswehrtruppen in Afghanistan vor "bösen Überraschungen" schützen sollen. Doch einige Rüstungsdeals des bayerischen Drohnen-Herstellers sind umstritten.

Von Daniel Schrödel

Drohnen. Fluggeräte, die derzeit in Berlin und Washington die Politik beschäftigen. Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) steht nach dem Scheitern des Projekts Euro Hawk unter Druck. US-Präsident Barack Obama will im Anti-Terror-Kampf künftig weniger unbemannte Kampfdrohnen einsetzen. Im oberbayerischen Penzberg werden die Vorgänge genau verfolgt. Dort baut die Elektro-Mechanische Technologien GmbH (EMT) Spionagedrohnen - auch für die Bundeswehr. Aber südlich des Starnberger Sees ist man sich sicher, dass ihr Geschäft durch die Ereignisse nicht tangiert ist.

Sie sieht aus wie ein plastikverkleidetes Modellflugzeug. Ihr Rumpf ist nicht viel länger als ein Billy-Regal. Mit Hobbyfliegerei hat die Drohne Luna aber nichts zu tun. Der kleine funkgesteuerte Motorsegler fliegt fast täglich in Afghanistan. Mit ihm sucht die Bundeswehr nach Aufständischen in den Weiten des Hindukuschs. Dank Luna wandelte sich das Penzberger Familienunternehmen in eine inzwischen auch im Ausland gefragte Rüstungsfirma. "Kein anderes europäisches Unternehmen hat so viele taktische Drohnen hergestellt", sagt Sascha Lange. Er kümmert sich für EMT um Marktanalyse und entwickelt neue Geschäftsmodelle.

Solche taktischen Drohnen wie die Luna fliegen nur ein paar Stunden. Sie lassen sich auf einer Distanz von München bis nach Regensburg steuern. Bislang habe EMT schon mehr als 750 Stück solcher umbemannten Flieger ausgeliefert, sagt Lange. Aber erst seit wenigen Jahren erwirtschaften die Penzberger etwa 20 bis 35 Millionen Euro Umsatz jährlich. Der Gewinn liegt bei zwei bis drei Millionen Euro. Noch vor einigen Jahren ging es ihnen deutlich schlechter.

Nach dem Ende des Kalten Krieges verlor die Rüstungsfirma ihre ursprüngliche Geschäftsgrundlage. 1978 gründete der Ingenieur Hartmut Euer EMT. Damals drohte noch ein Kampf zwischen den hochgerüsteten Armeen der Nato und des Warschauer Pakts. Euer produzierte Ziele für die Luftabwehr der Bundeswehr.

Flugzeuge schleppten die Flugkörper, Kanonen schossen sie ab. Die Übungen kosteten viel Geld. Als die Sowjetunion zusammengebrochen war, drohte keine Gefahr mehr vor den Kampfjets aus dem Ostblock. EMT verkaufte nur noch wenige Luftabwehrziele. Ein rentables Nachfolgeprodukt musste schnell gefunden werden.

Das Verteidigungsministerium gab den Penzbergern dann eine neue Chance. Mitte der Neunzigerjahre beauftragte es EMT, eine kleine Spionagedrohne zu entwickeln, die in Echtzeit Bilder sendet. Die Ausschreibung im zweistelligen Millionenbereich sei für etablierte Rüstungsfirmen nicht lukrativ gewesen, sagt Lange. EMT konnte sich gegen andere Bewerber mit seinem Luna-Prototyp durchsetzen. Das Heer kaufte die Drohne trotz kleiner Mängel zu Beginn der Serienproduktion. Während des Mazedonien-Einsatzes 2001 konnte sie im Winter oft nicht fliegen, weil der Vergaser einfror, erinnert sich Hauptfeldwebel Stefan N., der derzeit im Feldlager in Kundus stationiert ist.

Er steuert seit Kurzem die Luna in der nordafghanischen Provinz. Mehr als zehn Jahre Erfahrung hat er bereits mit ihr gemacht. Zum Steuern klickt er mit einer Computermaus auf eine digitale Karte und setzt so Wegpunkte. Gewöhnlich sitzt in der Bodenstation neben ihm ein zweiter Soldat, der die Kamera mit einem Joystick lenkt. "Die Mängel am Anfang wurden schnell behoben", sagt Stefan N. Sie fliegt jetzt dank eines Boxermotors auch bei zweistelligen Minusgraden. Vor allem im bergigen Afghanistan leistet sie den Soldaten gute Dienste.