Diskussion um Schulnamen Zweifelhafte Vorbilder

NSDAP-Mitglieder und Pädagogen mit menschenverachtenden Theorien: Fünf Schulen in Bayern haben fragwürdige Personen der Historie als Namenspatronen, das ergab eine Untersuchung des Bayerischen Kultusministeriums. Eine Forderung zur Umbenennung spricht Kultusminister Spaenle trotzdem nicht aus.

Von Stefan Mayr

Fünf Schulen in Regensburg, Neumarkt, Unterhaching, Friedberg und Aresing tragen Namen von Personen, die während der nationalsozialistischen Diktatur in Deutschland Schuld auf sich geladen haben und deshalb nicht als Namenspatrone einer staatlichen Schule geeignet sind. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung im Auftrag des Bayerischen Kultusministeriums. "Diese Namen würden heute nicht mehr genehmigt werden", sagt Minister Ludwig Spaenle (CSU).

"Wir haben die Schulen auf die Problematik hingewiesen und bitten sie, sich damit auseinanderzusetzen." Eine Forderung zur Umbenennung spricht Spaenle allerdings nicht aus. "Ein Ukas wäre das falsche Instrument", sagt er, "mir ist wichtig, dass die Schulfamilien bei dem Prozess mitgenommen werden und dass eine demokratische Entscheidung fällt."

Bei den Schulen handelt es sich um das Wernher-von-Braun-Gymnasium in Friedberg, die Hans-Herrmann-Schule in Regensburg und die Sonderpädagogischen Förderzentren namens Erwin-Lesch-Schule in Unterhaching, Neumarkt und Neuburg.

Besondere Brisanz dürften die Erkenntnisse des Kultusministeriums in Regensburg entwickeln: Dort war der Namensgeber der Schule CSU-Landtagsabgeordneter und von 1952 bis 1959 Oberbürgermeister. 1959 wurde er sogar zum Ehrenbürger ernannt. Während des NS-Regimes war Hans Herrmann allerdings Mitglied der NSDAP und der SS und Zweiter Bürgermeister. Konsequenterweise müsste nicht nur die Schule ihren Namen ändern, sondern auch die Stadt ihrem ehemaligen Oberhaupt die Ehrenbürgerwürde aberkennen.

Pädagoge mit Theorien über die Ungleichwertigkeit menschlichen Lebens

Erwin Lesch war Sonderschulpädagoge und ein Verfechter der Theorien von der Ungleichwertigkeit menschlichen Lebens, die den Nazis als Grundlage für ihr Euthanasie-Programm dienten. Wernher von Braun war hochdekorierter Ingenieur und nahm zumindest billigend in Kauf, dass bei der Produktion seiner Raketen im Konzentrationslager Dora-Mittelbau Tausende KZ-Häftlinge und Zwangsarbeiter zu Tode kamen.

Kultusminister Spaenle ist selbst Historiker und hatte die Prüfung der Schulnamen im März veranlasst - Anlass war die Diskussion um das Wernher-von-Braun-Gymnasium in Friedberg. In dieser Debatte hat sich nun der Ehrenpräsident des Bayerischen Lehrerinnen- und Lehrerverbandes, Albin Dannhäuser, zu Wort gemeldet: "Der Name ist ein Affront gegen eine Werteerziehung, um die sich eine erdrückende Mehrheit der Eltern und Lehrerschaft in Bayern, Deutschland und in der Welt bemüht", sagte er der Augsburger Allgemeinen.

Deshalb sei der Name "weder als Schulname noch als pädagogisches Leitbild geeignet". Die Schulleitung hatte stets argumentiert, Wernher von Braun diene nicht als Identifikationsfigur oder als pädagogisches Vorbild, sondern biete die Chance, sich kritisch mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen. Dem widerspricht Dannhäuser deutlich: "Wozu soll der Name einer Schule dienen, wenn nicht als pädagogisches Vorbild?"

Die Grünen-Fraktion im Landtag zeigt sich ähnlich entschlossen und fordert eine Umbenennung aller fünf betroffenen Schulen noch vor dem Ende der Sommerferien: "Man sollte hier eine schnellstmögliche Umbenennung anstreben", sagt der Abgeordnete Sepp Dürr. "Es wäre ein ehrgeiziges Ziel, aber auch ein gutes Signal, wenn die betroffenen Schulen nach den Sommerferien bereits unbelastet in das neue Schuljahr starten würden." Kultusminister Spaenle sieht das aber anders: "Die Qualität der Diskussion ist wichtiger als die Schnelligkeit."