Dienstreise Seehofers Fokus lag und liegt auf der Innenpolitik

Initiiert, so viel scheint festzustehen, wurde Seehofers Moskau-Reise von Stoiber. Der ist schon lange der Auffassung, dass die CSU wieder eine laute außenpolitische Stimme werden müsse. Schließlich reiste auch Franz Josef Strauß nach Washington, Peking und Moskau und traf sich beispielsweise mit dem damaligen Sowjet-Generalsekretär Michail Gorbatschow, um über Abrüstung zu sprechen.

Warum Stoiber in der CSU wieder was zu sagen hat

Und warum ihn Horst Seehofer gewähren lässt - jedenfalls bis auf Weiteres. Von Wolfgang Wittl mehr ...

Zwar ist auch Seehofer längst nicht so Reise-unlustig, wie man ihm nachsagt. In seinen sieben Amtsjahren war er immerhin rund 40 Mal im Ausland. Aber die außenpolitischen Kontakte wurden nicht so konsequent gepflegt wie einst. Seehofers Fokus lag und liegt auf der Innenpolitik. Gerade das Flüchtlingsproblem zeigt aber: Außenpolitik kann Innenpolitik sein. "Es ist ja wohl unbestritten, dass Russland gebraucht wird, um Krisenherde dieser Welt zu beenden", sagte Seehofer vor ein paar Monaten.

Feuchtfröhlicher Abend in Aying

So schrieb Stoiber, den mit Putin spätestens seit einem legendären, feuchtfröhlichen Abend 2006 in Aying eine tiefe Freundschaft verbindet, einen Brief an den "lieben Wladimir" - und bekam prompt eine Zusage. Wann genau sich die drei Herren in Moskau treffen werden, steht zwar noch nicht fest, doch in der Staatskanzlei gibt man sich gelassen. Termine mit Putin würden immer erst in letzter Sekunde mitgeteilt.

Seehofer reist ohne Wirtschaftsdelegation. Die darf erst bei einer zweiten Moskau-Reise mit, die der Ministerpräsident noch in diesem Jahr anstrebt. Doch auch jetzt wird es um Wirtschaftsfragen gehen - vor allem um die Sanktionen, die die EU 2014 wegen der völkerrechtswidrigen Annexion der Krim gegen Russland verhängt hat. Sie wurden gerade erst - nicht zuletzt auf Betreiben von Merkel - für ein weiteres halbes Jahr verlängert. Seehofer dagegen hatte ihren Sinn in den vergangenen Monaten wiederholt bezweifelt.

Dabei dürfte er nicht zuletzt die Interessen der bayerischen Wirtschaft im Kopf gehabt haben. Denn auch die Unternehmen im Freistaat wurden von den Sanktionen schwer getroffen. Alfred Gaffal, der Präsident der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft, begrüßt Seehofers Reise deshalb ausdrücklich: "Annäherung und Dialog müssen das Gebot der Stunde sein."