Diebstahl des KZ-Tores Erste Spuren in Dachau

Wo einst die zynische Aufschrift "Arbeit macht frei" stand, klafft jetzt ein Loch.

(Foto: dpa)

Die Täter hoben die Tür mit der Aufschrift "Arbeit macht frei" aus den Angeln und verschwanden: Knapp zwei Wochen später bleibt die Tat für die Ermittler ein Rätsel. Doch nun gibt es erste Hinweise und Spuren.

Von Susi Wimmer und Helmut Zeller

Zweieinhalb Wochen nach dem spektakulären Diebstahl eines historischen Tores zum KZ Dachau haben die Ermittler erste mögliche Spuren von Tätern gesichert. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung hinterließen die Diebe beim Übersteigen eines Tores offenbar Hautschuppen. Zudem fanden die Ermittler mehrere Zigarettenkippen direkt am Tatort. Die DNA wurde bereits extrahiert, jetzt wartet man auf den Abgleich mit deutschen und internationalen Datenbanken.

Außerdem gibt es merkwürdige Beobachtungen von zwei Zeugen in Dachau. In der Tatnacht, so berichtete ein Spaziergänger, habe in Dachau gegen 1.30 Uhr ein dunkles Auto neben ihm gehalten. Ein Mann mit skandinavischem Akzent habe nach dem Weg zur KZ-Gedenkstätte gefragt. Ein anderer Zeuge erzählt, dass er eine Stunde später von dem Fahrer eines hellen Pkw ebenfalls nach dem Weg zur Gedenkstätte gefragt worden sei. Die Unbekannte habe mit polnischem Akzent gesprochen. Die Ermittler halten beide Zeugen für glaubwürdig. Doch auf welche möglichen Täter die Hinweise schließen lassen könnten, ist völlig offen.

Ermittlungen wie bei einem Kapitaldelikt

Unbekannte hatten in der Nacht vom 1. auf den 2. November das Tor zu den historischen KZ-Gebäuden gestohlen, das die zynische Aufschrift der Nazis "Arbeit macht frei" trägt. Der Diebstahl hatte weltweit Empörung ausgelöst, Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte eine rasche Aufklärung gefordert. Die eigens eingerichtete Ermittlungsgruppe der Kriminalpolizei Fürstenfeldbruck wurde inzwischen erweitert, auch drei Mitarbeiter des Staatsschutzes gehören jetzt zum Stab. Zudem haben die Ermittler ähnliche Befugnisse wie bei einem Kapitaldelikt, sie werteten Video-Aufzeichnungen von Tankstellen und Firmen rund um Dachau genauso aus wie Radarmessungen im Großraum München.

Trotzdem fehlt bislang eine klare Spur. Als mögliche Täter kommen deutsche Neonazis genauso infrage wie NS-Devotionalienhändler, die international agieren. Denn der Dachauer Fall erinnert an den Diebstahl des KZ-Tores in Auschwitz vor fünf Jahren: Damals hatten fünf Polen die Türe gestohlen und zersägt. Auftraggeber war der Schwede Anders Högström, der wiederum im Auftrag eines Nazi-begeisterten Millionärs gehandelt haben soll.

Im Gespräch mit der SZ streitet Högström jede Verwicklung in den Dachauer Fall ab. Er habe sich auch von den Neonazis losgesagt, führe nun ein komplett anderes Leben und arbeite für die Kirche. Der Diebstahl von Dachau sei bedauernswert - aber Sammler von NS-Devotionalien, die dafür auch viel Geld bezahlten, gebe es überall auf der Welt.

Die Seite Drei

Die komplette Reportage zum verschwundenen Tor in Dachau lesen Sie auf der Seite Drei der Mittwochsausgabe der Süddeutschen Zeitung oder in der digitalen Ausgabe der SZ.