Horst Seehofer hat der SPD den Ausstieg aus der großen Koalition nahegelegt. Das ist paradox - denn in Wahrheit ist es die CSU, die innerlich längst das Regierungsbündnis aufgekündigt hat.
Dem täglichen Koalitionskrawall-Report ist zu entnehmen: In München, bei der CSU, ist es mal wieder besonders laut. Nur die Schallrichtung hat sich gedreht. Jetzt geht es gegen die SPD, die der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer der Pöbelei und Doppelzüngigkeit bezichtigt.
Chef einer zutiefst verunsicherten Partei: Horst Seehofer. (© Foto: AP)
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Dass die Christsozialen bis vor einigen Tagen noch gegen die CDU vom Leder zogen und dabei auch Bundeskanzlerin Angela Merkel nicht schonten, davon will Seehofer nichts mehr wissen. Er ruft vielmehr die große Gemeinsamkeit der Unionsschwestern aus. Doch das hat Seehofer schon ein paar Mal getan - und seine Treueschwüre galten nur für kurze Zeit.
Nach wie vor ist die CSU infolge ihrer Wahlpleiten zutiefst verunsichert. Damit das nicht aufbricht, sucht Seehofer sein Heil in Attacken gegen die ungeliebte Koalition in Berlin. Dabei schwenkt er sein Zielfernrohr nach Belieben um - manchmal so schnell, dass nicht einmal die eigenen Leute wissen, wen sie denn nun angreifen sollen und wen nicht.
Vorerst hat sich Seehofer zu Herzen genommen, dass auch in der CSU Angriffe auf die Kanzlerin nur in Maßen goutiert werden. Und dass er mit dem Beharren auf einer sofortigen Mehrwertsteuersenkung, mit dem Streit über Merkels Papstkritik oder ihr Verhältnis zu den Vertriebenen den Bogen zu überspannen drohte.
Zumindest bis kommende Woche gilt das nun in der CSU, vermutlich. Dann aber wird sie sich offiziell von der Gesundheitsreform verabschieden, Merkels wichtigstem und größten Reformprojekt. Dass Seehofer der SPD den Ausstieg aus dem Regierungsbündnis nahelegt, ist paradox. Denn in Wahrheit ist es die CSU, die innerlich längst die große Koalition aufgekündigt hat.
(SZ vom 23.03.2009)
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Die neueste Antwort
... abschiesst? Wir freuen uns doch alle auf die EU-Wahlen mit Frau Hohlmeier!
Und erst der Wahlherbst. Das wird richtig lustig. Tschüsikowski CSU. Niemand mehr in Brüssel und dann auch noch runter auf 34%. Die Pensionieurungswelle bei der CSU geht weiter. Ich freu mich auf den Regierungswechsel.
Wendehälse, die keinen Zugang mehr zu den Bürgern haben, sind nicht mehr tragbar.
Erst wirft Seehofer als Landwirtschaftsminister in Berlin das Handtuch hin - um die Menschen in Bayern zu beglücken - und jetzt macht er aus der Staatskanzlei heraus Bundespolitik ... na ja, Politik kann man das ja eigentlich nicht nennen, das gehört eher in die Sparte populistische Herumpolterei.
Hat sich Seehofer diese Strategie bei einem seiner Romaufenthalte vom Papst einflüstern lassen? Der macht das ja auch sehr professionell ...
Es gäbe in Bayern genug zu tun: Bayerische Landesbank - Nichtraucherschutz-Gesetz - VersammlungsGesetz - Gentechnikfreie Landwirtschaft - Schulpolitik ... Seehofer sollte das tun, wozu er - indirekt - vom Wähler bestimmt wurde: Die politischen Rahmenbedingungen in Bayern zu gestalten.
Danke an die SZ, die in ihrer Bildauswahl stets höchste Treffsicherheit für die optische Charakterisierung eines Politikers beweist. Legendär sind hierzu vor allem die Bilder von Erwin Huber. Auch bei Seehofer liegt die SZ meist genau richtig. Machtmenschen schauen so verbissen aus wie Horst Seehofer.
Wieder ein Beitrag, der klar darstellt, dass der Autor nach Zeilen bezahlt wird und nicht nach Qualität. Irgendwann wird das vielleicht selbst Ihrem Arbeitgeber zu langweilig Herr Stroh
entsteht nicht nur
durch Regieren über den Bürger hinweg,
durch Machtgeplänkel
und politischer Agonie bis blinden Aktionismus,
sondern auch durch eine derart offensichtliche Schaumschlägerei wie sie uns Herr Seehofer seit Amtsantritt als neuen CSU-Politikstil verkauft - wie ich am eigenen Leibe momentan erfahre. Die Freude an politischer Arbeit schwindet von Tag zu Tag je länger ich mir dieses Kasperl-Theater ansehe. Jeder redet und schreibt über die Wählerwanderung hin zu den "Meistern von Luftschlössern und Worthülsen", also hin zur FDP. Möglicherweise wird aber der Wählerschwund gerade hin zu den Nichtwählern bei der Union momentan dramatisch unterschätzt.
Paging