Oberfranken: Der Gasthof der Neonazis Braune Brüder unter sich

Ein Neonazi kauft einen Gasthof in Oberfranken, aber niemand regt sich auf - wäre doch schlimmer, wenn eine ausländische Familie einziehen würde, sagen Nachbarn.

Von Frederik Obermaier

Die Bewohner von Oberprex lieben die Idylle: sanfte Hügel, getaucht in das kräftige Grün der sprießenden Gerste, Vogelzwitschern, ab und zu mal ein Auto, sonst nur Natur - und am Wochenende ein paar Neonazis.

Ordentlich parken sie ihre Autos vor dem Haus mit der Hausnummer 47, sie schauen sich kurz um, dann verschwinden sie durch die Tür mit der Aufschrift "Privat! Kein Zutritt!". Ein "Festle" feiern die Neonazis nebenan gelegentlich, erzählt der Nachbar. "Der Tony" lade halt gern ein, sagt eine Nachbarin. Und wenn der Tony in sein Haus lädt, dann kommen Autos mit Kennzeichen aus der ganzen Republik, gelegentlich sogar aus Tschechien.

"Anständige Leute eigentlich", sagt der Nachbar. Jedenfalls parken sie nicht auf seinem Rasen oder vor seiner Einfahrt. Dass der Tony ein verurteilter Neonazi und sein Haus mittlerweile ein bekannter Neonazi-Treffpunkt ist, stört hier nur wenige. Denn im oberfränkischen Oberprex (Landkreis Hof) haben es die Rechtsextremen geschafft: Sie sind angekommen.

Im Mai 2010 hatte ein anonymer Anruf erst die Polizei, dann die Bürger aufgeschreckt: Eine 52 Jahre alte Frau aus Töpen hatte das ehemalige Ausflugslokal "Zum Egerländer" gekauft. Es war die Mutter von Tony Gentsch, der Hintermann des Immobiliendeals war ihr Sohn.

Der 27-Jährige ist in der rechten Szene bekannt: Er ist Bassist in der Rechtsrock-Band Braune Brüder und zählt zu den führenden Kadern des Neonazi-Netzwerks "Freies Netz Süd", das als Nachfolgeorganisation der seit 2004 verbotenen "Fränkischen Arbeitsfront" gilt. In der Gemeinde Regnitzlosau, zu der Oberprex gehört, konnte man mit seinem Namen dennoch nichts anfangen. "Wir wussten nicht, wer da dahintersteckt", betont Bürgermeister Hans-Jürgen Kropf (Freie Wähler). Auch das Innenministerium beharrt, nichts von dem Kauf gewusst zu haben: "Im Vorfeld hatten die staatlichen Behörden keine Kenntnis hierüber."

Der Deal war da bereits abgewickelt und Gentsch stolzer Besitzer einer Gaststätte. Schon länger hatten Neonazis in Bayern versucht, Immobilien zu kaufen. In Warmensteinach, 60 Kilometer von Oberprex entfernt, sind sie gescheitert, in Wunsiedel, wo der Hitler-Stellvertreter Rudolph Heß begraben liegt, ebenso. Nur in Oberprex waren die Neonazis erfolgreich.