Nach dem Tod eines weiteren Delphin-Babys plant der Zoo eine breit angelegte Studie. Seit 2004 sind sechs Tiere kurz nach der Geburt gestorben.
Nach dem Tod eines weiteren Delphin-Babys am vergangenen Wochenende sollen Berliner Wissenschaftler die rätselhafte Todesserie im Nürnberger Delphinarium mit einer breit angelegten Untersuchung aufklären.
Delphin-Mutter Sunny: Am Wochenende ist ihr Junges gestorben. (© Foto: ddp)
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Das mit der Studie beauftragte Institut für Zoo- und Wildtierbiologie solle dabei auch einen Virusverdacht überprüfen, erläuterte Tiergarten-Leiter Dag Encke am Mittwoch. Das sei aber nur ein Ansatzpunkt von vielen, betonte er.
Seit 2004 sind sechs Delphin-Babys innerhalb der ersten zehn Tage nach der Geburt gestorben. In vier Fällen rätseln Pfleger und Tierärzte bis heute über die Ursache.
Im aktuellen Fall des nach vier Tagen gestorbenen Jungen der Delphin-Mutter Sunny habe sich der Anfangs-Verdacht bestätigt: Untersuchungen wiesen auf eine Unterzuckerung des Jungtiers hin.
"Obwohl alles zunächst sehr gut aussah, hat das Kalb in seinen letzten Lebensstunden nicht mehr genug Muttermilch aufgenommen - und das, obwohl Mutter Sunny genug Milch hatte und sich dem jungen Delphin auch angeboten hat", schilderte Zoo-Tierärztin Kartin Baumgartner. Als Tierpfleger das Jungtier zu Blutuntersuchungen aus dem Wasser nahmen, sei es bereits tot gewesen.
Nach Darstellung von Zoo-Chef Encke sollen die Berliner Wissenschaftler anhand gespeicherter Verhaltensdaten sowie Blut- und Gewebeproben der toten Tiere feststellen, ob es bei den rätselhaften Todesfällen der vergangenen drei Jahre Gemeinsamkeiten gibt. Auch dem Verdacht einer Virus-Infektion werde nachgegangen, betonte Encke.
Nach seinen Angaben ist an der Ostküste der USA ein Delphin-spezifisches Virus festgestellt worden; dieses könnte bei der hohen Sterblichkeitsrate erstgeborener Delphine eine Rolle spielen. In der freien Wildbahn überlebten nur fünf Prozent der erstgeborenen Tiere, in Gefangenschaft liege die Rate bei 55 Prozent.
Unterdessen bereitet sich der Nürnberger Tiergarten bereits auf eine weitere Delphin-Geburt vor. Derzeit sei Delphin Jenny trächtig; mit dem Nachwuchs werde in der zweiten Juli-Hälfte gerechnet, berichtete Tierärztin Baumgartner. "Wir sind im Moment natürlich sehr besorgt, weil es auch für Jenny die erste Geburt ist", sagte die Zoo-Veterinärin. "Bisher läuft die Trächtigkeit aber sehr gut."
Dramatisch beschrieb Zoo-Chef Encke die langfristigen Konsequenzen von Zucht-Misserfolgen in europäischen Delphinarien. "Wenn wir das Problem nicht in den Griff bekommen, wird es irgendwann in keinem europäischen Zoo mehr ein Delphinarium geben", sagte er.
Das hänge damit zusammen, dass sich die Zoos verpflichtet hätten, keine in freier Wildbahn gefangenen Großen Tümmler in Zoos zu halten. Trotz dieser Umstände verteidigte Encke den geplanten Bau einer zehn Millionen Euro teuren Delphin-Lagune in Nürnberg.
"Unsere erwachsenen Delphine haben ein so hohes Lebensalter, dass sie noch lange davon profitieren werden", unterstrich er. "Ich bin auch zuversichtlich, dass wir das Problem in den Griff bekommen."
(dpa)
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Delfine sind für Delfinarienbesitzer ein gutes Geschäft: Sie locken Zuschauer an und lassen die Kassen klingeln. Doch hinter den Kulissen der scheinbar spielerischen Darbietung läuft ein unerbittliches, für den Delfin oft tödliches Geschäft ab: Viele Delfine sterben bereits während des Fanges und des Transports. Im chemisch aufbereiteten Wasser der engen, kahlen Becken und dem fehlenden biologischen und sozialen Umfeld leben die Tiere unter Streß und Haftpsychose. Die Sterblichkeit der gefangenen Delfine ist außerordentlich hoch. Die Tiere sterben häufig an Lungenentzündung, Herzversagen, Kreislaufkollaps und Vergiftungen. Die Lebenserwartung ist entsprechend niedriger als in Freiheit. Es ist unverantwortlich, diese hochentwickelten Tiere in Gefangenschaft zu halten, weil ihnen selbst die elementarsten Grundbedürfnisse vorenthalten werden: In freier Wildbahn leben Delfine in Gruppen von bis zu 100 Tieren zusammen, erreichen Geschwindigkeiten von bis zu 50 km/h, können bis zu 500 Meter tief tauchen und werden 10 Jahre älter als in Gefangenschaft.
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