Es bahnt sich eine neue Debatte um den Zölibat an - sie wird heftiger werden als je zuvor. Denn auch manche Bischöfe haben erkannt, dass sich etwas ändern muss.
Auf den ersten Blick hatte sich die "Arbeitsgruppe 8" einen unverfänglich klingenden Titel gegeben: "Kirche - Ort vielfältiger Lebensformen". Doch eines der "pastoralen Ziele", die die Arbeitsgruppe vor Weihnachten dem Münchner Erzbischof Reinhard Marx unterbreitete, hat es in sich: Das Erzbistum solle ein unabhängiges Institut damit beauftragen, alle Priester des Erzbistums zu ihrem "zölibatären Lebensstil" zu befragen - anonym selbstverständlich. Die Frage also würde lauten: Wie hältst Du es mit der Enthaltsamkeit? Das Ergebnis wäre vermutlich brisant. Man darf davon ausgehen, dass es eine solche Umfrage nie geben wird.
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Ist der Zölibat noch zeitgemäß? Immer mehr sind der Meinung, dass sich die Kirche bewegen muss. (© dpa)
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Dass es überall Priester gibt, die ein Doppelleben führen, die eine Freundin oder einen Freund haben, wissen alle im katholischen Milieu. Nur spricht man darüber höchstens im privaten Kreis. Denn sobald eine solche Partnerschaft öffentlich wird, muss der Bischof reagieren und der Priester muss wählen zwischen Amt und Partner. Immer wieder lassen sich Priester, die dieses Doppelleben nicht mehr aushalten, vom Amt entbinden - mit ungewissen Zukunftschancen.
Andere halten den Schein aufrecht, und oft sind es die Frauen, die darunter am meisten leiden. Erhebungen darüber, wie viele Priester den Zölibat halten, gibt es im deutschsprachigen Raum nicht. In den USA indes hat der frühere Priester und Psychologe Richard Sipe in 1990er Jahren Daten veröffentlicht, die auf der Befragung von 1500 Priestern beruhen. Demnach hat ein Fünftel von ihnen sexuelle Beziehungen zu einer Frau; weitere 20 Prozent sind homosexuell orientiert, die Hälfte von ihnen ist sexuell aktiv.
Der Pflichtzölibat ist ein Dauerthema in der katholischen Kirche. Bereits bei der Würzburger Synode, die vor genau 40 Jahren begann, stand es auf der Agenda. Doch alle Appelle aus Deutschland verhallten in Rom. Die Kirchenvolksbewegung "Wir sind Kirche", von vielen Bischöfen als Sektierer belächelt, überreicht seit Jahren Unterschriftenlisten mit der Bitte um Reformen. Unterzeichnet haben Zehntausende - bislang wurde die Stimme des Volkes nicht gehört.
Nun aber, nach den Missbrauchsskandalen des vergangenen Jahres, bahnt sich eine neue Diskussion an. Sie könnte heftiger werden denn je zuvor, denn auch unter den Bischöfen haben manche erkannt, dass die Kirche sich bewegen muss, will sie weiter ernst genommen werden. Was noch vor kurzem undenkbar schien, ist jetzt möglich, etwa dass in einem Dekanat fast die gesamte Pfarrerschaft eine Erklärung verabschiedet, die in zwei "Forderungen nach Rom" gipfelt. So geschehen in Freising, wo fast 40Seelsorger, aufgewühlt durch die Missbrauchsfälle, Reformen sehen wollen.
"Zwar gibt es keinen direkten Zusammenhang zwischen Pflicht-Zölibat und sexuellem Missbrauch", schreiben sie, "aber im Sinne von Wahrhaftigkeit und Glaubwürdigkeit der Kirche muss ernsthaft überlegt werden, inwieweit die derzeitige obligatorische Verbindung von Priesteramt und Zölibat gelöst werden soll. Neben der Weihe von verheirateten Männern sind auch die Fälle jener Priester zu berücksichtigen, die faktisch in einer Beziehung leben." Mitformuliert hat die Freisinger Thesen der dortige Dekan Michael Schlosser.
Was für ein Kontrast: Vor gerade mal 15 Jahren schlug die Geburtsstunde von "Wir sind Kirche" - in Form einer Unterschriftensammlung. Mancherorts wurden die Listen damals noch aus Kirchen und Pfarrheimen verbannt.
Den vielen Katholiken, die sich Reformen wünschen, haben vergangene Woche auch prominente CDU-Politiker eine Stimme gegeben. An die deutschen Bischöfe appellierten sie, angesichts des Priestermangels und der "Not vieler priesterloser Gemeinden" in Rom vorstellig zu werden. Der Altabt der Benediktiner, Odilo Lechner, hat anlässlich seines 80.Geburtstags wiederholt, was er vor Jahren schon bekundet hat: Die Ehelosigkeit von Priestern als Zeichen, "dass man ganz für Gott da ist", habe einen hohen Wert, aber der Zölibat sei kein unumstößliches Dogma. Gebe es nicht mehr genügend Priester, um die Eucharistie zu feiern, müsse man eben Laien berufen.
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einen Effekt wird sie nicht haben. Wie wollen die alten Herren im Vatikan über etwas diskutieren, was sie ja angeblich gar nicht kennen!!!
"Dass es überall Priester gibt, die ein Doppelleben führen, "
es gibt eine Menge Menschen, die ihres Berufs wegen persönliche Einschränkungen in Kauf nehmen (müssen) -- das weiß man/frau vorher ..
Fragen an Kardinal Marx und Regens Baur:
Die Apostel haben alles verlassen und sind Jesus nachgefolgt. Warum verlassen oder verzichten die Apostelnachfolger nur auf Ehefrauen, nicht aber auf Paläste oder wenigstens auf ihre Häuser, Pfründe, Festgehälter und Ehrentitel?
Zölibat ist eine kostbare Sache, ein Charisma, aber kein Sakrament. Warum ist er wichtiger als die sonntägliche Eucharistiefeier für die Gemeinden? Gilt noch: das Heil der Seelen ist oberstes Gesetz?
Wieso haben Pfarrer und vor allem Bischöfe nicht so viel Vertrauen, dass sie der Strahlkraft und Motivation für einen freiwilligen Zölibat vertrauen schenken wollten?
Warum kann sich kein katholischer Priester oder Bischof als homosexuell veranlagt outen? Warum ist Homosexualität heute immer noch verfemt wie in den biblischen Zeiten, in denen gesagt wurde, dass solche umgebracht werden sollen? (Lev 20, 13)
Missbrauch und Zölibat sind sicher zwei paar Schuhe. Aber ist nicht die ganz katholische Sexualmoral seit Jahrhunderten geprägt von der Sicht Zölibatärer und ist deshalb irrevelant geworden?
Welcher Student hat bessere Studienbedingungen und welcher Beruf hat noch so viel Vorschusslorbeeren und Primizgeld als Startkapital wie ein Kleriker?
Würden Sie auch (hinter vorgehaltener Hans) sagen: „Wir-sind-Kirche“ ist eine „sexistische Sekte“ oder ist das nur die Einschätzung von reformunwilligen, ekklesiogenen Neurotikern?
Warum müssen anglikanische unzufrieden Überläufer oder protestantische Proselyten nochmals die Priesterweihe empfangen bei Erlass der Zölibatsverpflichtung, aber katholischen Priestern, die geheiratet haben, (eine Zahl so hoch wie die Homosexuellen in kirchlichen Ämtern?) bleibt in dieser Kirche keinerlei Nische?
Wo bleibt eine Gesprächsbasis für die Ökumene, wenn das Zölibatsgesetz und die Weiheunfähigkeit von Frauen quasiunfehlbare Lehre bleiben?
Wolfgang Dettenkofer, Bad Endorf Tel. 08053 795661
reden doch immer so gerne von Demut.
Da würde ich doch mal flugs die Ehe als Einstellungskriterium für Priester vorschlagen.
Nichts lehrt einen Mann so sehr Demut wie die eigene Ehefrau....
Die Ungleichberechtigung von Frauen und Männern in der katholischen Kirche empfinde ich als noch schlimmer als den oder das Zöllibat.
Weltliche Institutionen haben diese ungleiche Verteilung von Rechten schon vor Jahrzehnten abgeschafft. Dass die Kirche das nicht hinbekommt ist schier unerträglich. Warum sind Frauen heute noch Mitglied in einer Organisation, die sie systematisch diskriminiert?
Die Gründe sind einerseits die emotionale Bindung und andererseits die Hoffnung auf Veränderung (zumindest in meinem Fall).
Okay, die katholische Kirche als traditionelle Organisation braucht etwas länger, bis sie die Gleichberechitigung etabliert hat.
Aber nun muss das Warten endlich ein Ende haben!
Paging