Debatte um Blasphemie-Verbot Schutz für Schamanen

Die Forderung nach einem Gesetz gegen Gotteslästerung zeigt, wie verzagt die katholische Kirche agiert. Zwar hat Satire Grenzen, doch die vorhandenen Regelungen sind ausreichend. Und wen solle ein Anti-Blasphemie-Paragraf überhaupt schützen: die großen Glaubensgemeinschaften oder auch Esoteriker?

Ein Kommentar von Sebastian Beck

Darf man sich darüber lustig machen? Es war schließlich eine Geste des Mitgefühls, als kürzlich die Anhänger von Tulku Khyungdor Rinpoche im oberbayerischen Gauting 2000 Bachforellen kauften und in die Amper entließen.

Begleitet wurde die Aktion von tibetischen Gesängen und Rezitationen. Die Fischereivereine sollen dem Vernehmen nach damit sehr einverstanden gewesen sein - aber Achtung, hier fängt nun der Spott an, und der ist in vielen Teilen der Welt lebensgefährlich, wenn er sich gegen Religionen richtet.

Auch der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick hätte gerne, dass man gotteslästerliche Reden hierzulande wieder strenger ahndet, als dies nach Paragraf 166 des Strafgesetzbuches ohnehin schon möglich ist.

Dabei hat er allerdings weniger an den Schutz der Forellenbefreier gedacht, als an Papst Benedikt XVI., der vom Satire-Magazin Titanic mit bepinkelter Soutane dargestellt worden ist. Der Scherz ist unterirdisch und verletzend, deshalb hat das Landgericht Hamburg den Weiterverkauf des Blatts verboten. Auch Satire hat Grenzen, wenn es um Persönlichkeitsrechte geht, und seien es die des Papstes. Das vorhandene Recht reicht hier völlig aus.

Schicks Forderung nach einem Blasphemie-Verbot ist nur ein Indiz mehr dafür, wie verzagt die katholische Kirche mittlerweile agiert. Ihr gesellschaftlicher Einfluss schwindet ebenso wie ihr Selbstbewusstsein, das könnte auch ein neues Gesetz nicht kaschieren.

Ohnehin ist die CSU bereits mehrmals mit ihren Feldzügen gegen Gotteslästerung politisch gescheitert - zum Glück: Denn wer soll von einem Blasphemie-Verbot eigentlich geschützt werden? Gilt es nur für die Kirchen und die großen Glaubensgemeinschaften? Oder auch für Esoteriker, selbsternannte Heiler und Oberland-Schamanen, die ihren spirituellen Praktiken mindestens ebenso ernsthaft nachgehen wie katholische Christen?

Irgendwie drängt sich nach Schicks Äußerungen das Gefühl auf: Es wäre schön, wenn die katholischen Kirche wieder mal etwas Positives zu verkünden hätte.