Um das DDR-Wissen deutscher Schüler, die nach dem Fall der Mauer geboren wurden, ist es nicht gut bestellt. Das Wissen ist von Bundesland zu Bundesland verschieden: So sind Bayerns Hauptschüler über das SED-Regime besser informiert als Gymnasiasten aus Brandenburg.
Bayerns Schüler sind über die Geschichte der DDR besser informiert als Gleichaltrige in Ostdeutschland. Der Vorsprung ist sogar so groß, dass bayerische Hauptschüler über einen größeren Kenntnisstand verfügen als Gymnasiasten in Brandenburg. Gerade Hauptschüler sympathisieren dabei auch mit dem DDR-Prinzip eines lenkenden Staates. Das geht aus einer Studie der Freien Universität Berlin hervor.
Die DDR ist für deutsche Jugendliche, die nach dem Mauerfall geboren wurden, ein weithin unbekanntes Land. (© Foto: AP)
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Die DDR ist für deutsche Jugendliche, die nach dem Mauerfall geboren wurden, ein weithin unbekanntes Land. Die meisten beziehen ihre geringen Kenntnisse aus Erzählungen, Filmen, Büchern oder dem Schulunterricht. Für Schüler im Freistaat ist er nahezu die einzige Quelle. Wie aus der Untersuchung, der vierten Teilstudie des SED-Forschungsverbands der FU Berlin, hervorgeht, waren die meisten von ihnen bis zum heutigen Tag nicht einmal in Berlin.
Dennoch sind sie am besten informiert. 20 Prozent verfügen über ein "sehr hohes oder hohes Wissen" - in NRW sind es neun, in Brandenburg nur sieben. Das fängt schon beim Mauerbau an. Die Bayern können häufiger sagen, wann und von wem sie errichtet wurde. Der Grund ist: Die DDR kommt hier als Thema im Stundenplan häufiger vor als in anderen Ländern. "Von allen Schülern wissen die bayerischen am meisten und sehen die DDR am kritischsten", sagt Studienmacher Klaus Schroeder.
Mit seinem Team hat Schroeder 5000 Schüler über ihr Bild der ehemaligen DDR befragt. Vier Bundesländer nahmen teil: Berlin, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und zuletzt Bayern. Die Erhebung finanzierte die Landeszentrale für Politische Bildung mit. Im Freistaat wurden 1231 Schüler in den zehnten und elften Jahrgangsstufen befragt. Sie ordneten sich politisch mehrheitlich der Mitte zu, was heißt: Die meisten, 30 Prozent, würden die CSU wählen. SPD und Grüne kamen je auf 20 Prozent. Das linke und rechte Lager war kaum vertreten. Allerdings fiel auf, dass sich in Nordbayern jeder fünfte Schüler mit rechten Positionen identifizieren konnte.
Bayerische Jugendliche lehnen im Gegensatz zu Schülern in Ost-Berlin und Brandenburg das ehemalige SED-Regime ab. Die Skepsis steigt proportional zum Wissen. Die Mehrheit der 16-Jährigen steht zum demokratischen System der Bundesrepublik, vor allem wegen der Reisemöglichkeiten, des Wohlstands und der Pressefreiheit.
SED-Regime schneidet durchgehend schlecht ab
Auch die Kinderbetreuung und die Schulbildung halten sie zu 80 Prozent im Westen für besser. Positiv sehen sie lediglich, dass das Schulsystem in der DDR durchlässiger gewesen sei und allein Leistung den Bildungserfolg garantiert habe - womit sie, so Schroeder, einem Vorurteil aufsäßen.
Politisch schneidet das SED-Regime durchgehend schlecht ab. Im Gegensatz zu Schülern in Ost-Berlin und NRW hat eine große Mehrheit von 72 Prozent keinen Zweifel daran, dass der SED-Staat eine Diktatur war. 90 Prozent bezeichneten Vorfälle an der Mauer, die zum Tode von mehr als 1000 Menschen führten, als Verbrechen.
Allerdings herrscht auch in Bayerns Klassenzimmern Verunsicherung über die Rolle der SED. Ebenso konnte nur ein Drittel der Schüler sagen, dass die DDR nicht durch freie Wahlen legitimiert war. Generell hatte ein größerer Teil der Befragten keinerlei Ahnung vom Zusammenhang zwischen Demokratie und freien Wahlen. In der Gruppe stachen Haupt- und Realschüler vor allem hervor. Ein Drittel von ihnen war auch der Ansicht, dass die Stasi ein normaler Geheimdienst gewesen sei.
Besonders Hauptschüler können der DDR Positives abgewinnen. Sie punktet durch niedrigere Mieten, eine intensivere Sportförderung oder auch den sicheren Job. 40 Prozent der befragten Hauptschüler in Bayern sympathisieren zudem mit der Idee einer "umfassenden staatlichen Planung und Lenkung der Wirtschaft". 30 Prozent würden für eine staatliche Rundumversorgung sogar Individualrechte opfern. Schroeder führt die "Sehnsucht nach dem sozial starken Staat" auf "eigene Zukunftsängste" zurück.
In das Bild fügt sich auch, dass Haupt- und Realschüler den geringen Ausländeranteil der DDR begrüßen. Jeder fünfte steht zudem der Wiedervereinigung skeptisch gegenüber. Insgesamt sagten 40 Prozent der Befragten, der Osten könnte dem Westen dankbarer für die finanziellen Hilfen sein.
(SZ vom 25.01.2008)
Die neueste Antwort
Ich kenne Australien besser als die DDR
lesen Sie mal die Lehrpläne durch und vergleichen Sie. Der Inahlt ist auf den ersten Blick das Gleiche. Beim genaueren Hinsehen, werden sie krasse Unetrschiede erkennen.
Da ist auf der einen Seite die Stundenzahl und auf der anderen Seite die Methodik (Didaktik). Und da liegt der Hase im Pfeffer. Es wird nicht Geschichte und chronologische Zusammenhänge vermittelt, sondern vielmehr soll herausgearbeitet werden, was der Unterschied zwischen einer Diktatur und einer Demokartie ist. Als Grundlage soll die Nachkriegsgeschichte dienen. Und genau dieser Ansatz geht in die Hose. Er wurde übrigens kurz nach der Wiedervereinigung in allen NBL eingeführt, auf Betreiben der damaligen Bürgerrechtler.
Die Zeit der NS-Dikatur wird als geschichtliche Episode behandelt, als Unfall der Weimarer Republik. Das Ergbenis dessen, die Teilung Deutschlands, soll aber dann den Unterschied erklären. Es ist kein Wunder, dass die Schüler Honnecker und Adenauer nicht auseinander halten können, weil das nicht das ursprüngliche Ziel ist.
Zudem, die wirtschaftlichen Verhältnisse vieler Familien und der soziale Abstieg der breiten Masse, tragen nicht dazu bei, dass die Eltern von sich aus die DDR als Diktatur verdammen.
Die Fakten über die DDR (die durchaus auch die vergleichsweise "wenigen", aber nicht zu vernachlässigenden Positivpunkte enthalten dürfen) sollten als Lerninhalt an Schulen BUNDESWEIT vorgeschrieben werden. Es ist naheliegend, daß Ostländer sonst an dieser Aufgabe versagen: Ehemalige "Verbrecher" wollen höchstwahrscheinlich keine Aufklärung, und ehemaligen Opfern (die zudem eine Minderheit darstellen), dürfte die nötige Distanz für einen Gesamtüberblick fehlen.
Die NPD hat es nur deshalb "so schwer", weil ein hinlänglicher Grad an Aufklärung über die Verbrechen ihrer Idole in der Bevölkerung existiert (und nicht, wie man meinen könnte, weil die Menschen irgendwie moralisch "besser" geworden wären).
Wenn nun eine oder zwei Generationen von Schülern heranwächst, die denken, die Stasi seien alles nette Onkels gewesen, und die Mauer hätte der Westen gebaut, um seine schwache Wirtschaft vor den hochwertigen Ostprodukten zu schützen, kann das zukünftigen Wahlergebnissen nicht zuträglich sein.
Populismus funktioniert heute schliesslich so gut wie damals.
Da hilft nur INFORMIERTHEIT!
Es ist der Job des Staates, für die richtige Auswahl an Lerninhalten zu sorgen.
P.S.: @ Gerald67: Gut, ist inhaltlich ähnlich, aber nicht gleich. Wenn es nach mir geht, darf die SZ "an diesen Toren solange rütteln", bis sich an den Verhältnissen endlich ´was ändert!
Ich selber hatte den ersten Artikel in der SZ dazu übrigens verpasst. Danke SZ.
hier mal ein link.
http://www.sueddeutsche.de/deutschland/artikel/233/149867/
Ist Eure eigene Seite mit derselben Studie samt Artikel, allerdings vom 27.12.2007.
Hat Euch der, heute freie und outgesourcte Mitarbeiter, die Story zum zweiten Mal verkauft? Nur mit neuem Text.
Die SZ schreibt: Politisch schneidet das SED-Regime durchgehend schlecht ab. Im Gegensatz zu Schülern in Ost-Berlin und NRW hat eine große Mehrheit von 72 Prozent keinen Zweifel daran, dass der SED-Staat eine Diktatur war. 90 Prozent bezeichneten Vorfälle an der Mauer, die zum Tode von mehr als 1000 Menschen führten, als Verbrechen
Ja, im Osten, in der DDR war auch Vieles verboten, gefreezed. Have a look at my Profile.
Besonders Hauptschüler können der DDR Positives abgewinnen. Sie punktet durch niedrigere Mieten, eine intensivere Sportförderung oder auch den sicheren Job. 40 Prozent der befragten Hauptschüler in Bayern sympathisieren zudem mit der Idee einer "umfassenden staatlichen Planung und Lenkung der Wirtschaft". 30 Prozent würden für eine staatliche Rundumversorgung sogar Individualrechte opfern. Schroeder führt die "Sehnsucht nach dem sozial starken Staat" auf "eigene Zukunftsängste" zurück. Aha!
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