Ein Kommentar von Kassian Stroh

Die CSU hofft auf Wähler, die schnell vergeben und vergessen. Und die sich Bayern ohne die CSU einfach nicht vorstellen können. Dabei könnte die Partei auch wirklich gute Gründe bieten, sie zu wählen.

Mit innerlicher Unentschlossen-, gar Zerrissenheit kennt Edmund Stoiber sich aus, schmerzhafte Erfahrungen hat er diesbezüglich gemacht. Er kann in diesem Bereich sicher als Bayerns wichtigster Experte gelten - und so lässt aufhorchen, welchen Rat er während seiner aktuellen Apotheose den zurückbleibenden Seinen am Samstag mit auf den Weg gab.

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Es gäbe wirklich gute Gründe, die CSU zu wählen - wenn die Partei einige Ratschläge beherzigen würde. (© Foto: AFP)

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Stoiber weiß, dass nicht alle, die bisher die CSU wählten, dies glühenden Herzens auch bei der Landtagswahl in 15 Monaten tun werden. Daher müsse die CSU erreichen, so sein Rat, dass all diese Grübler in der Wahlkabine denken: "Naja, sicherlich, da hat's mir ned passt, da hat's mir ned passt. Aber ich kann doch nicht was anders wählen - das ist doch mein Land Bayern! Mein Gott, und zu Bayern gehört die CSU, und wenn ich die nicht wähle, richte ich mich gegen Bayern."

Wenn das die Wahlkampfstrategie der Regierungspartei ist, sagt das einiges aus über ihr Selbstbewusstsein und ihren Stolz auf die eigene Politik der vergangenen vier Jahre. Nur nicht drüber sprechen, lieber vergessen: achtjähriges Gymnasium und Büchergeld, Studiengebühren und Sozialkürzungen, Sparkurs und Verwaltungsreform. Vom Stoiber-Drama und der folgenden CSU-Schlammschlacht ganz zu schweigen.

Die wirklich guten Gründe

Es gäbe - jenseits der angeblichen Identität mit Bayern - auch ein paar wirklich gute Gründe, die CSU zu wählen: Wenn sie zum Beispiel beginnen würde, Reformpolitik mit Maß zu betreiben, statt vor Ehrgeiz blind zu sein. Wenn sie ihr Regierungshandeln nicht danach ausrichten würde, was aktuelle Schlagzeilen opportun erscheinen lassen.

Wenn sie Umweltschutz als lebenswichtig erkennen würde, statt Lippenbekenntnisse abzusondern. Wenn sie nicht weiter blind auf Auto- und Flugverkehr setzen würde. Wenn sie den Staatshaushalt ausgliche, ohne Ausgaben dort zu kürzen, wo dies langfristig teure Folgen zeitigt.

Wenn sie Sozialausgaben nicht einfach als Verfügungsmasse begreifen würde. Wenn sie endlich einsähe, dass Schulen viel besser sein könnten, wenn man sich nicht starrsinnig an überholten Konzepten festklammerte.

All das wären gute Gründe, die CSU zu wählen. Aber Edmund Stoiber hat sie nicht geliefert. Günther Beckstein könnte das ändern.

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(SZ vom 18.6.2007)