CSU-Video "Lächerlich. Peinlich. CSU"

Eigentlich könnte die CSU sich einfach zurücklehnen. Die Umfragen sind gut, die Debatten beendet. Stattdessen stellt sie ein Video online - als Antwort auf den Grünen-Hype. Selbst die eigene Klientel ist entsetzt.

Von Birgit Kruse

Mit dem Humor ist es so eine Sache. Vor allem, wenn es der bayerische ist. Oft ist er anzüglich, ironisch, hintergründig. Nicht jeder mag, geschweige denn versteht ihn. Nur eines ist er nicht: plump. Wer könnte das besser wissen als die CSU, die selbsternannte "Partei für Bayern"?

Bei der Produktion des aktuellen Videos, das auf ihrer Startseite zu sehen ist, hat die CSU jedoch die Regeln des guten Geschmackes ignoriert.

Der Spot dauert 30 Sekunden. Sekunden voller Gemeinheiten. Da ist ein kleines Strichmännchen in einem Wald zu sehen. Anfangs lächelt es noch nett, doch dann fletscht es die Zähne, fuchtelt mit einer Steinschleuder herum - um sich letztlich selbst zu verletzten.

Unterlegt ist das Video mit der Melodie des Kinderliedes "Ein Männlein steht im Walde ...". Doch das CSU-Männlein ist in dem Lied "ganz grün und dumm". Außerdem hat es "vor lauter Protest eine Steinschleuder um". Die Botschaft ist klar: "Die Grünen sind im Kern immer noch die alte antibürgerliche Chaoten- und Steinewerfer-Partei von vor 30 Jahren", erklärt Generalsekretär Alexander Dobrindt die neue Kampagne. Das müsse wieder stärker in den Fokus gerückt werden.

Aber warum? Eigentlich läuft es für die CSU doch gerade gut. Bereits in der zweiten Umfrage in Folge kann die Partei zulegen, würde bei Wahlen derzeit auf 46 Prozent der Stimmen kommen. Sogar die absolute Mehrheit wäre wohl wieder drin.

Doch auch die Grünen sind im Umfragehoch - und zwar nicht nur im restlichen Deutschland, sondern auch in Bayern. Derzeit sind sie zweitstärkste Kraft im Freistaat und damit eine potentielle Bedrohung für die CSU.

Das Video ist Teil einer Kampagne, die seit Oktober läuft. Auf der Homepage findet sich neben dem Video noch ein Plakat mit dem Titel "Scheinheilig. Unglaubwürdig. Grün." Oder eines, auf dem die Grünen-Chefs Claudia Roth und Cem Özdemir neben einem lachenden Jürgen Trittin zu sehen sind - bei Demonstrationen gegen Castortransporte. Überschrieben ist das Ganze mit einem Zitat von Trittin: "Gegen diese Transporte sollten Grüne in keiner Form, sitzen, singend, tanzend demonstrieren."

Sicher, die CSU hat die Landtagswahl 2013 im Blick und die Grünen als neue politische Gegner im Visier. Deren unglaubwürdige Politik gilt es offenzulegen - jetzt eben in einem Video. Und passend zum Auftakt der Grünen-Klausur. Doch in den Fokus rückt in erster Linie die CSU selbst.

Die Nutzer auf dem Blog netzpolitik.org fragen sich gar, ob das Video wirklich von der CSU hochgeladen wurde. "Gibt es Beweise, dass es wirklich von der CSU ist", fragt etwa "Anonymous". Und Nutzer "Sascha" fasst zusammen, was die meisten denken: "Lächerlich. Peinlich. CSU".

"Panische Versuche der CSU"

Kaum besser kommt das Video bei der eigenen CSU-Klientel an. Auf der Seite der Partei stehen zwar nur sechs Kommentare unter dem Video. Doch auch hier ist der Tenor eindeutig. Zwar lobt "Sparifankerl" den Spot als "Prima - endlich führt die CSU mal wieder in der Meinungsbildung". Und "maatnmaatnsen" amüsiert sich noch: "Ich würde zwar nicht die Grünen wählen, aber diese Video ist so lächerlich ... Liebe CSU, die Internetgemeinde bedankt sich für diesen großartigen Lacher!"

Nutzerin "anna74" findet das Ganze einfach nur unglaublich: "So eine primitive und dumme Kampagne ist der CSU nicht würdig", schreibt sie. Es stünde der Partei besser zu Gesicht, sich auf die Stärken zu konzentrieren "und weniger Energie für solche lächerlichen Videos zu verschwenden".

Die bayerischen Grünen ficht der 30-Sekunden-Spot indes nicht an. Landesvorsitzende Theresa Schopper sieht darin nur einen "neuen Anlauf, um Stimmung zu machen". Aber auch dieser Versuch werde scheitern. Und Landeschef Dieter Janecek ist sich sicher, dass die "panischen Versuche der CSU, ihr bedrohtes Revier zu verteidigen", beim Wähler nicht ankommen werden.

Und auf Youtube? Da ist das Video seit dem 11. Januar zu sehen. Etwas mehr als 10.000 Aufrufe hat es inzwischen. Und auch hier ist das Votum eindeutig: Der überwiegenden Mehrheit gefällt es nicht. Vielleicht wurde ja deshalb die Kommentarfunktion inzwischen deaktiviert. Diese Art von Humor verstehen dann wohl doch die wenigsten.