Anfangs sah die CSU-Forderung nach der Wiedereinführung der Pendlerpauschale nach Populismus aus - mittlerweile trifft das Thema den Nerv der Leute. Doch jetzt hat die Partei einen Fehler gemacht.
Mit Hilfe von Zapfsäulen hat die CSU schon immer gerne Wahlkampf gemacht. Einst hat sie die rot-grüne Ökosteuer bekämpft, später Hilfen für die bayerischen Tankstellenpächter gefordert, deren Kunden lieber über die Grenze nach Österreich fuhren, weil der Sprit dort billiger war. Aber dass die Forderung, die alte Pendlerpauschale wieder einzuführen, so sehr den Nerv der Leute treffen würde, hatte auch in der CSU kaum einer gedacht.
Erst dachte jeder, Erwin Hubers Forderung nach der Wiedereinführung der Pendlerpauschale sei Populismus. Nun trittt der den Nerv der Leute. (© Foto: www.seyboldpress.de)
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Noch im März sah es aus wie simpler Populismus im Landtagswahlkampf - man wollte der bayerischen SPD, die schon viel länger dasselbe fordert, ein zugkräftiges Thema wegschnappen. Doch inzwischen sind die Benzinpreise explodiert und die CSU, die die Pauschale einst mit abgeschafft hatte, sonnt sich in der wachsenden Zustimmung.
Doch die CSU hat einen Fehler gemacht, indem sie Angela Merkel auch persönlich attackierte. Denn die Kanzlerin hatte sich früh und für ihre Verhältnisse recht klar festgelegt, dass es für die alte Pendlerpauschale keinen Spielraum gebe. Selbst um des lieben Friedens willen könnte Merkel nun nicht mehr nachgeben, ohne ihr Gesicht zu verlieren.
Damit bleibt nur eine Lösung: Abzuwarten, was das Bundesverfassungsgericht vorgibt: Wie es Gleichbehandlung definiert und ob es vielleicht sogar die tatsächlichen Kosten des Pendelns als Grundlage fordert statt eines pauschalen Kilometersatzes.
Da das teuer werden kann, dürfte am Ende eine Steuervergünstigung für alle herauskommen - nur eben viel niedriger als bisher. Dann steht die CSU dumm da, mitten im Bundestagswahlkampf. Merkel hingegen wird schlicht auf Karlsruhe verweisen. Sie, die kühle Analytikerin, wird am Ende recht behalten.
(SZ vom 15.07.2008/bica)
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Die Pendlerpauschale ist Wahlkampf - sonst nichts; wo wird die Pendlerpauschale
entschieden - in Berlin. Die CSU hat sie mit abgeschafft, jetzt tut sie so, als möchte sie
die Pendlerpauschale wiedereinführen. Nach dem Stimmenfang und der Landtagswahl
wird das Thema wieder eingepackt...
Ich möchte auch noch meine Meinung kundtun bezüglich dem BVerfG: Die verfassungsrechtlichen Bedenken sehe ich abgesehen von dem Grundsatz, dass Aufwendungen für das Arbeitseinkommen nicht steuerlich belastet werden dürfen, nicht. Gleiches wird gleich behandelt, ungleiches ungleich. Die spannendere Frage ist die alte: "Beginnt die Arbeit am Werkstor oder mit mit Verlassen der Wohnung?" oder anders ausgedrückt hat der Gesetzgeber mit seinen umfangreichen Rechten aus der Verfassung (alle Macht geht vom Volk aus, dieses wird durch den Bundestag vertreten) auch das Recht diese Frage zu beantworten. Wenn er dieses Recht hat, kann er auch Geschenke verteilen, solange alle gleich (bzw. ungleiches ungleich) behandelt wird.
Die "kleinen Leute" haben so gut wie nix von der Pendlerpauschale, da sie eben nur das zu versteuernde Einkommen senkt. Bei geringem Grenzsteuersatz (mal eine Familie mit knappem Einkommen und 2 Kindern vorausgesetzt) bleibt da nicht viel bei 20km.
Die CSU hat es schon immer verstanden, sich als Anwalt der kleinen Leute aufzuspielen und den Besserverdienenden (oder sich selbst) die Taschen vollzustopfen.
Lieber Herr Stroh,
wer sich mit Änschie anlegt, hat's schwer!
Nichtsdestotrotz lenkt Ihre Interpretationsvolte vom eigentlichen Problem ab.
Aus der Sicht der Bundesregierung verhält sich die CSU nämlich nicht koalitionsfähig - kreuthelt es deswegen schon? Nein, wohl eher nicht. Immerhin offenbart dieses bayerisch-bollernde "Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern?"-Gehabe, wie sehr sich die vor sich hinterherstolpernde Altherrenriege der CSU vor den Wahlergebnis-Prognosen zu fürchten scheint. Wer Angst hat, macht Fehler!
Die Bundeskanzlerin kann jedenfalls mit allen politischen Prototypen männlicher Präpotenz sehr gut umgehen, selbst frühstückenderweise.
@Schaumberger
Ich bin da ja ganz Ihrer Meinung...soweit es darum geht, dass Leute von Hintertupfing nach München mit dem Auto fahren, niedrige Miete oder "Villa zum Preis eines Reihenhauses in München" UND Pendlerpauschale und die Vorteile der höheren Gehälter/Löhne in Muc. Allerdings werden die durch die jetztige Regelung nur teilweise tangiert.
Wen es wirklich trifft sind Menschen, die am Arm der Welt wohnen und leider auch dort irgendwo "in der Fläche" arbeiten. Keinen ÖPNV, sagen wir 18km zur Arbeit...
Meine Aussagen waren aber grundsätzlich auf die Aussage mit der Autoverliebtheit auf dem Land gemünzt
Paging