Die Umfrage-Affäre wird zum Großproblem für Bayerns Regierung: Die Opposition attackiert, die Staatsanwaltschaft leitet Vorermittlungen ein. CSU-Chef Seehofer urlaubt.
Eigentlich wollte er längst im Urlaub sein. In "der schönen Pfalz". Da kommt er her. Aber SPD-Fraktionschef Markus Rinderspacher hat in München noch etwas zu erledigen.
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Bayerische Staatskanzlei: Die Umfrage-Affäre ist nun ein Fall für die Staatsanwaltschaft. (© dpa)
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Er musste gestern noch mal dem Ministerpräsidenten vorhalten, dass er der bayerischen Bevölkerung 15 Monate lang etwas vorgegaukelt habe. Und dass "Beweislast und Faktenlage" erdrückend seien, dass sich die CSU den Staatsapparat zu eigen gemacht und mit parteiorientierten Umfragen ihre Kassen geschont habe. Ein "Geheimkommando basierend auf Lug und Trug" sei das gewesen.
Mittlerweile interessiert sich auch die Justiz dafür. Die Staatsanwaltschaft München I hat Vorermittlungen eingeleitet. Von Amts wegen.
Dem jungen SPD-Fraktionschef, gerade 41 geworden, ist mit der Veröffentlichung der bislang geheimen Untersuchungen der Staatsregierung ein Coup gelungen. Vor einem dreiviertel Jahr ist er angetreten, als Parlamentsneuling, um die Fraktion wieder schlagkräftig zu machen. Sein Fleiß war erkennbar, seine rhetorische Begabung auch, aber seine Strahlkraft über das Maximilianeum hinaus ist noch ausbaufähig. Gerade ist er quer durch Bayern geradelt. Die Leute sollen wissen, wie der Neue ausschaut. Natürlich freut es ihn, dass er jetzt als Aufklärer dasteht. "Wir haben hart daran gearbeitet", sagt Rinderspacher.
Es sind immer wieder vertrauliche Papiere, die der Opposition zum seltenen Ruhm verhelfen. Ende 2009 war es ein Bericht der Wirtschaftsprüferin Corinna Linner zur Landesbank, der dem Grünen Eike Hallitzky viel Aufmerksamkeit und Finanzminister Georg Fahrenschon viel Ärger brachte.
Horst Seehofer gibt sich inzwischen noch recht unbeeindruckt. Er urlaubt im Altmühltal. Dorthin zieht er sich gerne zurück, wenn er seine Ruhe haben will. Die politische Verantwortung für die umstrittenen Umfragen hat er sich allein aufgeladen - und kaum einer in der Partei steht vernehmbar an seiner Seite. Nichts zu hören von den Söders, Haderthauers, und Herrmanns. Es ist derart still, dass es schon wieder unüberhörbar ist:
"Er hat es in den zwei Jahren nicht geschafft, sich wirklich Verbündete zu suchen", sagt einer aus dem Vorstand. "Jetzt muss er das halt alleine ausbaden", erklärt ein anderer. Es schwingt immer ein gleichgültiges "selbst schuld" mit.
Seehofer zockt schon wieder
Jetzt rächt sich, dass Seehofer auf niemanden hört. Er war immer schon ein Einzelgänger, und er ist es geblieben. Nun gibt es genügend Funktionäre, die sein Krisenmanagement für katastrophal halten. Er hätte sagen können, dass so etwas nicht wieder vorkomme, dass dies die Praxis der alten Regierung gewesen sei. Schließlich war Seehofer erst ein paar Wochen im Amt, als die jüngste Studie in Auftrag gegeben wurde. Aber Seehofer sagte: "Ich würde das wieder tun." Ein Vorständler sagt: "Es hat sich selbst immer weiter hineingeritten."
Seehofer zockt schon wieder. Er hofft darauf, dass die FDP nachgibt. Er hat den Druck auf den Koalitionspartner maximal erhöht. Wenn die Liberalen Köpfe rollen sehen wollten, sollten sie seinen fordern. Seehofer weiß, dass die FDP daran kein Interesse haben kann. Die Folge wäre eine Kettenreaktion: Wenn Seehofer zurücktritt, muss auch das Kabinett zurücktreten. So steht es in der Verfassung. Im schlimmsten Fall gibt es Neuwahlen. Dann verlieren sie alle.
Seehofer stellt sich also schützend vor seinen Staatskanzlei-Chef Siegfried Schneider. Der Chef der Oberbayern-CSU hat Seehofer damals in seine Ämter verholfen. Der holte ihn als seinen Vertrauten in die Staatskanzlei. Schneider hat was gut bei Seehofer. Es geht nicht um Freundschaft. "Die gehören zusammen wie Pattex", sagt einer aus dem Kabinett. Da stellt sich nur die Frage, wer am anderen kleben bleiben wird.
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(SZ vom 10.08.2010/tob)
Wirbel um Obama-Biographie
Die neueste Antwort
*lol* Sehr schön geschrieben.
Ich stimme auch mit Ihnen überein - Aufklärung muss sein, schrieb ich ja bereits.
"blubb usw."
Ich fürchte, wie Sie auch, dass sich das grundgute bayerische Volk von dieser tiefroten Camorraspd mit ihrem Paten Ude an der Spitze so mafiös durchdringen läßt, dass es Verfehlungen der csu, die es qua status ja gar nicht geben kann, weil unfehlbar, nicht mehr mit einem "Hund sans scho" quittieren wird, sondern in seiner kommunistischen und linkspopulistischen, um nicht zu sagen, linksfasch... Ausprägung auch noch Aufklärung verlangen wird.
Wo kommer denn da hin?
Das CSU-Justizministerium ist gegenüber der Staatsanwaltschaft weisungsbefugt. Demnach ist davon auszugehen, dass ein solches "Aktivwerden" der Staatsanwaltschaft München intern abgestimmt ist.
Dieses Vorgehen hat den "Vorteil", dass im Gegensatz zu einer Anzeige kein Anzeigender die Akten der Staatsanwaltschaft dann einsehen wird können - und dass es auch niemand geben wird, der bei einer in ferner Zukunft zu erwartenden Einstellung des (Vor-)Ermittlungsverfahrens dann weitere rechtliche Schritte einleiten wird können, um in dieser Sache beispielsweise bis zum Bundesgerichtshof zu gehen und damit ein Urteil außerhalb der bayerischen Justiz zu erwirken.
Es ist zu hoffen, dass dies die Politiker bei SPD, Grünen, Freien Wählern, ÖDP, Linken und auch der FDP durchschauen und noch selbst Strafanzeige stellen werden - und nicht auf das "Vorpreschen" der letztlich der CSU unterstellten Staatsanwaltschaft in Bayern hereinfallen und es damit gut bzw. schlecht sein lassen.
Das einzige was bisher erwiesen ist:
1. Die Vorverurteilungen durch die erfolglose Bayern-SPD und die meisten Foristen hier.
2. Die Bayern-SPD kann endlich einmal zeigen, dass es sie noch gibt.
3. Die Bayern-SPD kann sich endlich wieder ihrem einzigen Thema widmen (1-Punkte-Partei): Der CSU
4. Die Bayern-SPD hat nichts gegen Klinikskandal und Raucherlaubnis gegen den Volkswillen durch ihren eigenen Bürgermeister Ude - das ist alles ok.
5. Die Gutachtenpraxis in Deutschland muss insgesamt auf den Prüfstand gestellt werden, wurden doch die meisten Gutachten von rotgrün in Auftrag und Papierkorb gegeben. Wegen deren magelnder Sachkunde.
6. Fest steht auch, dass die Bayern-SPD mit dieser Tour, bei der wieder nichts rauskommen wird, weiter Richtung Einstelligkeit zieht.
"Also der Artikel bringt ja nicht wirklich neues. "
Außerdem hat Seehofer alle Vorwürfe zurückgewiesen.
Das muss dann wohl reichen!
Paging