Zeitenwende: Während Stoiber noch Blut-Schweiß-und-Tränen-Reden halten konnte, muss Seehofer auf Kuschelkurs gehen.
Dass ein Abstand von fünf Jahren in der Politik mittlerweile eine Ewigkeit ist, hat Horst Seehofer mit seiner Regierungserklärung bewiesen. Denn vor fünf Jahren, nach dem spektakulären Wahlsieg mit Zwei-Drittel-Mehrheit, hat Edmund Stoiber eine ganz andere Regierungserklärung abgegeben, die nichts mit den sanften, warmen Tönen zu tun hatte, die Seehofer anschlug.
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Edmund Stoiber und Horst Seehofer. (© Foto: AP)
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Von Geborgenheit war da keine Spur, wobei Stoiber das Wort Geborgenheit vermutlich ohnehin nie in den Mund genommen hätte, jedenfalls nicht in politischem Zusammenhang.
Stoiber hat stattdessen damals eine dramatische Blut-Schweiß-und Tränen-Rede gehalten. Deren Motto "Sparen, reformieren, investieren" klang zwar nach harmloser Beamtenprosa, in Wirklichkeit wollte Stoiber in seiner Reformwut aber keinen Stein auf dem anderen lassen.
Eine Verwaltungsreform, deren Hauptsache es war, dass sie die radikalste Deutschlands sein musste, Verlängerung der Arbeitszeit für Beamte, sofortige Einführung des achtjährigen Gymnasiums und ein rigoroser Sparkurs, der schon drei Jahre später zu einem Haushalt ohne neue Schulden führen sollte. Bayern werde "der stabile Fels" in einem "Meer von Schulden" sein, tönte Stoiber damals.
Eine solche Formulierung verbietet sich für seinen Nachfolger Seehofer allein schon deshalb, weil er wegen der BayernLB selber auf Jahre hinaus in einem Meer von Schulden treiben wird.
Stoibers Reformagenda hatte mit der wahren Lage des Landes nur bedingt zu tun. Weder war die Schuldenlast Bayerns dramatisch, ganz im Gegenteil, noch stand die Verwaltung des Landes im Ruf ungebührlicher Schwerfälligkeit und Ineffizienz. Umso mehr hing sie mit Stoibers persönlichem Ehrgeiz zusammen: Er wollte Bayern zum Musterstaat der Republik machen und sich damit als besserer Kanzler empfehlen. Das ging, wie man heute weiß, sowohl für Stoiber als auch für die CSU gründlich schief.
In einem allerdings gleichen sich beide Regierungserklärungen. Es ist ein Reflex, dem Politiker offenbar nicht widerstehen können, wenn sie eine Grundsatzrede halten: zu betonen, dass die Zeiten noch nie so ernst waren wie heute.
(SZ vom 11.12.2008)
Vor dem ESC-Finale in Aserbaidschan
Die neueste Antwort
Man sollte eben die Nase nie zu hoch halten, es könnte hineinregnen.
Leider werden solche Großprotze auch nie von den eigenen Leute daran gehindert.
Nur gut das Deutschland einem Bundeskanzler Stoiber erspart geblieben ist.
Es war klar, dass die künstlich herbeigeführte Pro-Stoiber-Stimmung einmal abbrechen würde. Das ganze System der Hofschranzen in Staatskanzlei, Ministerien, Regierungspräsidien und CSU-Landesleitung. Die "Hofberichterstattung" im BR, in 90 % der örtlichen Blätter. Die Wohldienereien von Unternehmen, die nach öffentlichen Förderungen und Aufträgen gieren. Die politischen Gefälligkeiten von Verbänden und Kirchen, teilweise aus öffentlichen Kassen überreich bedacht. Die politisch gleichgeschaltete Justiz.
Ich stelle nur sechs Fragen:
1) Warum wurde das Bayern LB-Desaster nicht vor der Wahl enthüllt?
2) Wieso werden alle CSU-Skandale journalistisch relativiert?
3) Warum wird der fragwürdige Prozeß in Sachen Max Strauss nicht kritisch analysiert?
4) Warum steht selbst an der Süitze des Rechnungshofes ein CSU-Günstling? (Mächtige kontrollieren sich selbst!!)
5) Warum funktionieren in BY die Selbstreinigungskräfte und die Kontrollmechanismen nicht?
6) Warum ist man so schäbig, dass man nicht einmal den Gründer des Freistaates, Kurt Eisner, angemssen ehrt?
Ich sage nur (als Liberaler): schäbiger geht es nicht mehr!!
Was die Leute an der Provinzpartei CSU (Biedenkopf) finden?
Erst für, dann gegen Gen-food!
er für, dann gegen Donau-Ausbau!
erst für, dann gegen Transrapid!
erst gegen, dann für Türkei-Beitritt in die EU!
erst gegen, dann für eine modernere Familienpolitik.
erst gegen, dann für Bio-Landwirtschaft
erst gegen, dann für alternative Energien.
Und wenn man die immer wieder wiederholten Wirtschafts-Erfolgs-Märchen wiederholt, sage ich: Schauen Sie sich die riesigen regionalen Diskrepanzen in Bayern an. In München, OBB und Regensburg boomt es. In anderen Landesteilen, wie Ost- und Nordbayern, Schwaben, Niederbayern ist doch teilweise sehr armselig.
Wer immer 20 Jahre den anderen hinterherhechelt, ist zur politischen Gestaltung und Führung ungeeignet.
hat dieses Desaster herbeigeführt. Die Duckmäuser der CSU haben unreflektiert ihren Kadavergehorsam ausgelebt, ohne selber nachzudenken. Siehe Faltenhauser, einfältig wie er nun mal ist macht man dann an der Landesbank rum weil man ja bauernschlau ist und sonst halt nix auf der Pfanne hat.
Dieser Konformismus hat eine eindimensionale bayerische Sicht auf das Weltfinanzgeschehen produziert mit Bayern als Mittelpunkt! Dabei waren die Männlein von der CSU allenfalls der Hund am Esstisch der Amerikaner, hie und da einen Knochen zum abfieseln. Schwanzwedelnd bedankt sich so ein Hund auch noch für die Abhängigkeit und freut sich auf ganz viel Knochen, und die bewirken bekanntlich Verstopfung...