Alles sah nach einem gelungenen PR-Auftritt von Umweltminister Söder aus. In Italien befreite er einen bayerischen Singvogel aus einem Käfig - von wegen. Das Tier kam gar nicht aus Bayern.
Was für ein Bild: Ernsten Blickes hält Umweltminister Markus Söder einen Käfig in die Höhe, das Gittertürchen steht weit offen. Aus ihm ist gerade ein kleiner grüngelber Vogel entwischt.
Bild vergrößern
Umweltminister Markus Söder. (© Foto: dpa)
Anzeige
Der Fotograf hat genau den Moment festgehalten, in dem der Vogel mit schnellem Flügelschlag entschwebt. Über dem Foto prangt in großen Lettern: "Söder befreit bayerische Singvögel aus italienischen Käfigen." Und: "Sie waren am Gardasee gefangen worden und sollten in Gourmet-Restaurants verspeist werden."
Der Artikel beginnt einfühlsam: "Der Erlenzeisig blickt schüchtern auf die geöffnete Käfigtür". Dann schildert der Bild-Reporter Söders Kampf gegen den Vogelfang am italienischen Gardasee. Die Artenvielfalt in Bayern sei dadurch bedroht, sagte der Minister.
Im Umweltministerium haben sie arg geschmunzelt über den Bericht. "War doch der Erlenzeisig, den Söder da so medienwirksam frei gelassen hat, ein Grünfink", sagt ein prominenter Artenschützer, "das erkennt man auf dem Foto sehr klar." Dazu muss man wissen, dass Erlenzeisig und Grünfink für einen Laien zwar ähnlich aussehen, sind beide doch grün, gelb und grau gefiedert.
Aber sie sind auch sehr verschieden. So ist der Erlenzeisig ein Zugvogel, der sich im Herbst von Bayern gen Süden aufmacht. Der Grünfink ist ein Standvogel, der da bleibt, wo er ist, winters wie sommers.
"Der Grünfink, den Söder befreit hat, war kein Zugvogel und schon gar nicht aus Bayern", sagt der Artenschützer, "der war sein Leben lang am Gardasee. Aber was tut ein Politiker nicht alles für gute Schlagzeilen." Der Vogelschützer, der Söder begleitet hat, schwört indes: "Es war ein Erlenzeisig, den wir frei gelassen haben."
Wie auch immer: "Gute Schlagzeilen" von Söder würden sich Vogelfreunde auch für den Kormoran wünschen. Denn der wird auch gejagt, und zwar hier in Bayern. Der Kormoran oder Fischreiher ist bei manchen Fischern und Jägern regelrecht verhasst, weil er angeblich Seen, Flüsse und Teiche leer frisst.
"Unter ihrem Druck", so der Artenschützer, "hat die Staatsregierung den Schutz des Kormorans so aufgeweicht, dass er sogar in der Brutzeit und in Schutzgebieten gejagt werden darf."
- Politik kompakt Ökumene durch Skandale gestärkt 12.05.2010
- Interview: Hans-Peter Friedrich CSU-Spitzenmann wettert gegen Stil der Kanzlerin 12.05.2010
- CSU nach der NRW-Wahl Die Unschuld vom Lande 11.05.2010
- Chinareise des Ministerpräsidenten Professor Seehofer 30.04.2010
- Horst Seehofer in China Im Land des Weglächelns 29.04.2010
- Seehofer in China Von Hausdrachen und Konkubinen 28.04.2010
- Kruzifix-Debatte Alles, was recht ist 26.04.2010
(SZ vom 16.10.2009/gba)
Verfassungsrichter rügen Billig-Professuren
Die neueste Antwort
Man mag zu Markus Söder stehen, wie man will, aber dieser Artikel ist meiner Meinung nach in höchstem Maße unfair.
Ich habe zahlreiche Bilder von der Aktion in Italien gesehen und garantiere, dass es sich um einen Erlenzeisig und nicht um einen Grünfinken handelt. Die von der SZ als Fachleute zitierten, namentlich nicht genannten fränkischen Vogelkundler waren nicht bei der Aktion dabei und sollten sich nicht in Dinge einmischen, von denen sie offenkundig keine Ahnung haben.
Die Süddeutsche und andere Zeitungen, die die Erlenzeisig-Ente verbreitet haben, täten gut daran, sich bei Söder zu entschuldigen und die Sache richtig zu stellen. Journalisten, die Beweise in Form von Fotos sehen möchten, können sich gerne an die Pressestelle des Komitees gegen den Vogelmord in Bonn wenden.
Bitte beachten Sie unsere netiquette und unsere AGB
.....alle haben sich lieb :o))
Söder! Ohne Wordde, do de Ordde...
Grß Balldieb
Bitte beachten Sie unsere netiquette und unsere AGB
Die Rolle des csU-Hofnarren hat er immer mit Inbrunst verkörpert.
Paging