Interview: Sebastian Beck

Horst Seehofer weist im Kampf um den CSU-Parteivorsitz den Verdacht zurück, er horte kompromittierende Dossiers über Kollegen.

Der stellvertretende CSU-Vorsitzende Horst Seehofer hat neuen Ärger am Hals: Nach den zahlreichen Berichten über sein schwieriges Privatleben sieht sich der Bundesagrarminister nun mit dem Vorwurf konfrontiert, er drohe Parteifreunden mit Enthüllungen. Seehofer will am 30. September auf dem CSU-Parteitag gegen Erwin Huber für die Nachfolge Edmund Stoibers kandidieren.

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SZ: Sammeln Sie Material über Ihre Parteifreunde?

Seehofer: Nein, das ist absolut unzutreffend. Mir ist in den letzten Monaten vieles über alles mögliche auf der Welt zugespielt worden. Ich habe das immer als so widerlich eingestuft, dass ich das weder in der Vergangenheit noch in der Zukunft verwenden werde. Ein solcher Vorwurf ist daher absolut absurd.

SZ: Sie meinen damit die Absichten der Briefeschreiber?

Seehofer: Das ist alles so widerlich, dass ich das nicht weiter zur Kenntnis nehme.

SZ: Der Stern zitiert Sie aber mit dem Satz: "Ich bin gut informiert. Ich weiß viel. Ich habe viel Material, sagt Seehofer und zeigt auf seinen Schreibtisch." Das klingt ein bisschen nach Kultusministerin Monika Hohlmeier, die angeblich auch Dossiers über CSU-Parteifreunde angelegt haben soll.

Seehofer: Über mich werden fast täglich Spekulationen und Gerüchte verbreitet. Ich denke da nur an den Agrarrat in Mainz, wo ich zusammen mit meiner Frau war. Vieles davon ist weit weg von der Realität. Obwohl das für mich und andere Beteiligte nicht einfach ist, würde ich niemals auf das gleiche Niveau herabsteigen. Deshalb gibt es weder eine Sammlung, noch eine Drohung, noch eine Verwertung dieser Dinge, die mir zugespielt werden.

SZ: Der öffentliche Auftritt zusammen mit Ihrer Frau wurde aber schon als Signal gewertet.

Seehofer: Ich habe bereits gesagt, dass ich dazu überhaupt keine Stellungnahme abgebe. Denn wie auch immer man sich dazu äußert, es wird danach Bewertungen geben, die weit auseinander gehen: Die einen sagen, ich hätte das instrumentalisiert; die anderen sagen, das sei ein Signal in eine bestimmte Richtung.

SZ: In der CSU heißt es: Aha, der Seehofer droht jetzt. Ist die Passage im Stern überhaupt noch rückholbar?

Seehofer: Das wollen manche sicherlich so überhöhen. Mit der Realität hat das aber nichts zu tun.

SZ: Das heißt, Sie fühlen sich schlicht falsch zitiert beziehungsweise falsch verstanden?

Seehofer: Ja. Ich habe ja nicht gerade die einfachsten Monate hinter mir. Aber ich habe nie gesammelt, was mir zugespielt wurde. Das ist absurd.

SZ: Warum haben sich in den vergangenen Tagen die Berichte über das Privatleben von CSU-Politikern gehäuft? In der Bunten war ein großer Bericht über Markus Söders außereheliche Tochter, was vielen längst bekannt ist.

Seehofer: Die Diskussionen verlaufen absurd. Gestern hat mir ein Journalist gesagt, es laufe in Bayern das Gerücht um, ich sei der Urheber des Artikels über Markus Söder in der Bunten. Ausgerechnet in der Bunten, die mich in den vergangenen Monaten alles andere als freundlich behandelt hat! Das ist alles geradezu aberwitzig. Es geht nur darum, offenkundig Zwietracht zu schüren.

SZ: Wird es wieder einmal eine sachliche Auseinandersetzung geben? Oder ist das ein Vorgeschmack auf den Sommer der CSU?

Seehofer: Es wird so weiterlaufen wie in den vergangenen Monaten: Die Auseinandersetzung in der Partei wird sehr vernünftig und fair bleiben. Das gilt für Erwin Huber wie für mich.

SZ: Wie sehr sehnen Sie sich schon den CSU-Parteitag am 30.September herbei?

Seehofer: Ich habe keine Sehnsucht nach dem Parteitag, sondern Sehnsucht, dass man sich an den Realitäten und Fakten orientiert, wenn man über mich schreibt. Es muss ein Mindestmaß an Fairness und Korrektheit geben.

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(SZ vom 1. Juni 2007)