CSU-Rebell kandidiert als Partei-Vize Gauweiler will Seehofer-Stellvertreter werden

Euro-Skeptiker Peter Gauweiler drängt in den CSU-Vorstand: Beim Parteitag im Oktober will er stellvertretender Parteichef werden. Die Chancen für den renitenten Christsozialen stehen gar nicht so schlecht.

Von Birgit Kruse

In seiner Partei gilt Peter Gauweiler als Rebell, der gerne mit deutlichen Worten und Positionen polarisiert. Die europäische Schuldenkrise, so sagte der CSU-Bundestagsabgeordnete erst am Wochenende im Bierzelt des Aubinger Herbstfestes, lasse sich nicht "durch eine Art Staaten-Hartz-IV" lösen. Griechenland, so Gauweiler müsse raus aus dem Euro, der Staatsbankrott sei die einzig gangbare Lösung.

Bislang sagt Gauweiler solche Sätze in seiner Funktion als Bundestagsabgeordneter. Seit 2002 sitzt der Jurist für die CSU in Berlin. Doch wenn es nach ihm geht, könnte sich das bereits in wenigen Wochen ändern.

Gauweiler will in den Parteivorstand, und zwar als einer der Stellvertreter von Ministerpräsident Horst Seehofer. Beim CSU-Parteitag Anfang Oktober in Nürnberg will der streitlustige Abgeordnete für dieses Amt kandidieren. Sein entscheidendes Motiv sei die Zukunft der CSU. "Ich bin überzeugt, dass meine Kandidatur einen Beitrag dazu leisten kann, die thematische und personelle Bandbreite der CSU zu erweitern", teilte er mit.

Thematisch steht Gauweiler derzeit vor allem für ein Thema: den Schuldenschnitt in Griechenland. Seit jeher gilt der 62-Jährige in den eigenen Reihen als Euro-Skeptiker. Bereits bei der Einführung der Gemeinschaftswährung sprach er abfällig vom "Esperanto-Geld". Gegen den ersten Rettungsschirm für Griechenland zog er gar vor das Verfassungsgericht in Karlsruhe.

Dass die Richter die Verfassungsmäßigkeit der Milliardenhilfen bestätigten, brachte Gauweiler jedoch nicht von seinem Kurs ab. Wenn Ende des Monats im Bundestag über die Erweiterung des Rettungsschirms abgestimmt wird, wird Gauweiler der Bundeskanzlerin die Zustimmung verweigern. Sein Parteichef Horst Seehofer verhält sich in dieser Frage wesentlich verhaltener und betont noch immer die Solidarität mit den Griechen.

Gauweiler sieht in seiner Kandidatur nun die Möglichkeit, "die thematische und personelle Bandbreite der CSU zu erweitern." Er wolle die "zunehmende Kluft zwischen Bevölkerung und politikscher Klasse überwinden helfen." Diese Entscheidung habe er für sich alleine getroffen, betont Gauweiler. Er kandidiere für "keine Gruppe in der Partei, niemand hat mich zu dieser Kandidatur gedrängt", teilte er mit. Seine Kandidatur richte sich auch selbstverständlich gegen keinen der bekannten Bewerber, betonte er.