CSU-Parteitag in München Seehofer säuselt den Wahlkampf ein

Ein Horst Seehofer hat es gar nicht nötig anzugreifen. Beim Parteitag gibt der CSU-Chef den Bewahrer. Er glaubt, sich nicht in die Niederungen des Wahlkampfs begeben zu müssen, erwähnt seinen bayerischen Herausforderer Christian Ude mit keinem Wort. Sogar seinen ehemaligen Rivalen Karl-Theodor zu Guttenberg will er wieder zurück in die Politik holen. Doch diese Strategie birgt Gefahren.

Von Von Sebastian Gierke und Oliver Das Gupta, München

Entspannt und bester Laune steigt Horst Seehofer von der Bühne des CSU-Parteitages. Fast 90 Minuten hat er geredet, nun verklingen die letzten Töne der dritten Strophe des Deutschlandliedes. Um Seehofer sammelt sich eine Traube von Journalisten, der große Vorsitzende betreibt höchstpersönlich Spin-Doctoring. Ob er sich sorgt wegen der Freien Wähler oder Piraten? Seehofer erwähnt den Namen Gabriele Pauli. Warum er sich noch nicht auf diesem Parteitag zum Spitzenkandidaten hat ausrufen lassen? Seehofer sieht keine Notwendigkeit.

Der bayerische Ministerpräsident brüllt nicht, er säuselt - und er will nicht ein Jahr Wahlkampf machen.

(Foto: dapd)

Die SPD hebt seinen Herausforderer Christian Ude am folgenden Tag in Nürnberg auf den Schild. Seehofer hat in seiner Rede den Münchner Oberbürgermeister nicht einmal erwähnt. Nun, in der ersten Nachbereitung des Parteitages, kann er sich einen Seitenhieb nicht verkneifen. Vielleicht werde die CSU ihn im Olympiastadion zum Kandidaten küren, frotzelt Seehofer: "Oder vielleicht machen wir's ja vorm Rathaus!", Udes Amtssitz.

So stark, so unangefochten ist Seehofer in seiner Partei, dass er die Krönung zum Spitzenkandidaten für die Landtagwahl im September noch hinauszögern will. "bis in den Sommer. Sein Kalkül: Die Partei liegt in Umfragen knapp unter den magischen 50 Prozent. Das klingt nach alten Zeiten, das sorgt für Hochstimmung. Das wohlige Klima will Seehofer nicht mit schrillenWahlkampftönen belasten. Die überlässt er Ude, dessen SPD bei 20 Prozent dümpelt.

Seehofer und seine CSU träumen in diesen Tagen wieder von der absoluten Mehrheit. Deshalb präsentiert sich der Parteilenker auf dem Konvent als gelassener Landesvater, der mit ruhiger Hand waltet. "Wir schauen heute auf ein blühendes Bayern. Auf ein Bayern, das eine starke Stimme in Berlin hat. Auf ein Bayern, das in der ganze Welt geachtet ist."

Seehofer könnte diese Sätze den Delegierten zubrüllen. Er könnte mit der Faust aufs Pult schlagen, die Röte im Gesicht. Seehofer tut nichts dergleichen. Er frohlockt und preist mit sonorer Stimme. Fast scheint es, als wollte er die Delegierten hypnotisieren mit seiner ruhigen, fast feierlichen Vortragsweise. Die Delegierten sehen und hören einen Parteichef, der ihnen eine Ode auf Bayern vorträgt. Und auf die Partei.

Seehofer reiht Sätze wie diese aneinander: "Wir schauen auf eine christlich-soziale Union, die wieder da ist, die stark ist." Seine Vortragsweise variiert er kaum. Die Delegierten tun sich schwer damit, ihren Jubel-Einsatz zu finden. Die Begeisterungsstürme bleiben deshalb aus an diesem Samstag.