Von S. Braun und K. Stroh

Wer künftig in der CSU eine herausragende Rolle einnehmen darf, das entscheidet Horst Seehofer. Der Parteichef fördert die Jungen - und piesackt die Alten.

Dass Franz Josef Strauß für Horst Seehofer ein Vorbild ist, steht außer Frage. Dass der neue CSU-Chef zurzeit viele Reden von Strauß nachliest, unterstreicht, wie akribisch er versucht, in dessen Fußstapfen zu treten. Vielleicht hat er in diesen Tagen aber auch mal bei Niccolo Machiavelli nachgeschlagen.

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Wem die Stunde politisch schlägt, das entscheidet der Vorsitzende: CSU-Parteichef Horst Seehofer. (© Foto: AP)

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Der Staatsphilosoph empfiehlt jedem Herrscher, besonders auf die Wahl seiner Minister zu achten: Habe er fähige und treue Männer um sich geschart, würden die Menschen auch ihn für klug halten. "Sind sie es aber nicht", schreibt Machiavelli über die Minister der Fürsten, "so kann man stets ein ungünstiges Urteil über ihn fällen; denn seinen ersten Fehler beging er mit dieser Auswahl."

Nun weiß man nicht, ob sich Seehofer bereits vor seinen ersten Fehlern fürchtet. Wohl aber lässt er drei seiner Mannen spüren, dass er unzufrieden ist mit ihnen: Bundeswirtschaftsminister Michael Glos, CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer und den Sprecher der CSU-Europa-Abgeordneten, Markus Ferber. Alle drei haben eine Woche des Missvergnügens hinter sich, die einigermaßen friedlich endete, aber mit sehr scharfen Tönen begonnen hatte. Und zwar unter anderem im CSU-Vorstand, der zwar hinter verschlossenen Türen tagt, aber selten eine geschlossene Gesellschaft bleibt. Botschaften sollen ja verstanden werden.

Glos traf der Ärger des CSU-Chefs, da er unabgesprochen über niedrigere Krankenkassenbeiträge geredet hatte. Seehofer sah darin eine Schwächung seines wahren Ziels, die Steuern zu senken. Ramsauer weckte Seehofers Zorn, weil er in Berlin zu wenig Wirbel verursache. Und am Rande wurde auch Ferber kritisiert: Dessen Truppe hält Seehofer schon länger vor, zu wenig in Erscheinung zu treten, vor der Europawahl zu viel über Kandidatenlisten und zu wenig über inhaltliche Ziele zu sprechen. Watschen nennt man so was in Bayern.

Schmutziges Spiel

Prompt versuchten es Ramsauer und Glos mit einem Trommelwirbel, luden die Hauptstadtpresse gemeinsam zum Leberkäs und forderten Steuersenkungen von 25 Milliarden Euro. Und Seehofer? Der war erneut unzufrieden daheim in München, er grollte nicht öffentlich, aber vernehmlich. Diesmal waren ihm die 25 Milliarden zu hoch gegriffen. Dass die beiden taten, was Beschlusslage der CSU ist, half ihnen nicht weiter. Seehofer kommentierte ihre Vorschläge am Freitag in Berlin scheinbar zustimmend. In Wahrheit blieb sein Unmut jedoch erkennbar.

Mancher in der CSU sieht darin ein schmutziges Spiel, bei dem Seehofer die beiden erst auf den Baum jagte und dann oben sitzenließ. Auf diese Weise wolle er sie piesacken, um seine Macht zu unterstreichen. Andere sehen sogar die Botschaft, er wolle sie Schritt für Schritt loswerden. Aus der Parteispitze verlautete dagegen, Seehofer setze auf starke Leute und wolle alle nur zu besserer Leistung antreiben. Ferber wie Ramsauer wollen bei der Europa- und der Bundestagswahl Spitzenkandidaten werden. Seehofer hat sich noch nicht entschieden.

In München hat er in Umweltminister Markus Söder, Finanzminister Georg Fahrenschon und Generalsekretär zu Guttenberg drei starke Junge, mit denen er die Etablierten jederzeit ärgern kann. Ein Beispiel: Nicht Glos, der Bundeswirtschaftsminister, leitet die neue Wirtschaftskommission der CSU, sondern Fahrenschon. Seehofer teilt und herrscht eben. Allerdings traut er sich an der Stelle dann doch nicht, Machiavelli zu folgen. Der empfahl, Grausamkeiten wenn schon, dann alle "auf einmal zu begehen".

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(SZ vom 15.12.2008/tob)