CSU-nahe Hanns-Seidel-Stiftung Volksmusik-Preis aus Nazi-Erbe

Mehr als 400 Preise hat die Hanns-Seidel-Stiftung bereits für besondere Verdienste auf dem Gebiet der bayerischen Volksmusik verliehen, nun gibt es Hinweise "auf eine Nähe zum Nationalsozialismus": Der Volksmusikpreis der CSU-nahen Stiftung geht nach Medienberichten auf das Vermögen eines Hitler-Vertrauten zurück.

Die Hanns-Seidel-Stiftung in München. Der Geldgeber ihres Volksmusikpreises soll ein enger Vertraute von Hitler gewesen sein.

(Foto: dpa)

Die CSU-nahe Hanns-Seidel-Stiftung verzichtet bis auf weiteres auf die Verleihung ihres Volksmusikpreises. Damit reagierte die Stiftung am Sonntag auf Medienberichte über eine Verstrickung der beiden früheren Mäzene in das NS-Regime.

Das Starnberger Ehepaar Maria und Max Wutz hatte der Hanns-Seidel-Stiftung in den 1980er-Jahren ein Grundstück sowie Kapital vermacht. Aus dem Vermächtnis wurde der Volksmusikpreis gestiftet. CSU-Chef Horst Seehofer hatte kurz zuvor Aufklärung von der Stiftung gefordert. "Transparenz muss jetzt der wichtigste Kompass sein", sagte er der SZ. "Adressat für Fragen ist die Stiftung."

Das Mäzenaten-Paar soll Berichten zufolge seit den 1920er-Jahren zu engen Vertrauten Adolf Hitlers gezählt haben. Die Vergangenheit der Familie Wutz soll jetzt durch unabhängige Sachverständige beleuchtet werden. "Bis zur Vorlage des Gutachtens wird es keine weiteren Preisverleihungen geben", teilte ein Sprecher der Hanns-Seidel-Stiftung am Sonntag mit.

Im Münchner Merkur hatte die Stiftung bereits eingeräumt, es gebe Hinweise "auf eine Nähe zum Nationalsozialismus" bei der Familie Wutz. Das Ehepaar Maria und Max Wutz hatte der Hanns-Seidel-Stiftung ihr Vermögen unter der Auflage vermacht, dass aus dem Ertrag ein Volksmusikpreis ausgelobt wird. Erstmals fand im Jahr 1984 in Wildbad Kreuth ein "Tag der Volksmusik" statt, heißt es auf der Homepage des Vereins. "Mit den Preisverleihungen (Urkunde mit Geldpreis) werden die Preisträger für ihre besonderen Verdienste auf dem Gebiet der bayerischen Volksmusik gewürdigt." 428 Preise wurden bereits verliehen.

Bislang unter Verschluss gebliebene Recherchen ergaben der Zeitung zufolge, dass Max Wutz zu den engeren Vertrauten Adolf Hitlers gehörte. Wutz übernahm demnach 1921 das Amt eines NSDAP-Kassierers. Nach einem Bericht vom Spiegel soll Max Wutz ein finanzieller Förderer des NS-Propagandaorgans Völkischer Beobachter gewesen sein. Die Stiftung soll dem Bericht zufolge schon 2010 auf die Vergangenheit des Ehepaars aufmerksam gemacht worden sein. Danach habe man auf die Nennung des Namens Wutz verzichtet.

Wie die Stiftung am Sonntag weiter mitteilte, verlangen bislang unbekannte historische Quellen eine "neue Ausleuchtung der Vergangenheit der Familie Wutz". Die Stiftung werde das Ergebnis des unabhängigen Gutachtens abwarten. Daraus seien dann Schlüsse zu ziehen. Die Stiftung habe den Namen Wutz über fast drei Jahrzehnte "im guten Glauben öffentlich genannt", sagte ein Sprecher im Münchner Merkur. Weil es keine Erkenntnisse über die mögliche Verbindung zum Nationalsozialismus gegeben habe, habe niemand einen Einwand gehabt.

Die nach dem früheren CSU-Vorsitzenden Hanns Seidel benannte Stiftung vergibt jedes Jahr neben dem Volksmusikpreis noch weitere Auszeichnungen. Unter anderem gibt es einen Schülerzeitungswettbewerb, eine Auszeichnung für junge Songpoeten und einen Preis für Wirtschaftsethik.