CSU nach Seehofers Attacke Schimpfen bis der Chef kommt

Die Basis ist sauer auf ihn: Ministerpräsident Horst Seehofer. 

(Foto: dapd)

Die CSU hat zwar nach den Attacken des Parteichefs die Eskalation verhindert, doch von Harmonie kann keine Rede sein: Über das Aussprachetreffen zwischen Seehofer und Söder wurde Stillschweigen vereinbart, doch nun sind doch einige interessante Details bekannt geworden.

Von Frank Müller

In der Beziehungskrise zwischen der CSU und ihrem Anführer haben sich beide Seiten zwar ausgesprochen und damit einigermaßen die Form gewahrt. Neue tragfähige Harmonie ist dabei zwischen einem großen Teil der Partei und ihrem Chef Horst Seehofer noch längst nicht ausgebrochen. Das wurde auch am Wochenende wieder deutlich.

Denn noch immer wirkt vor allem in der Landtags-CSU der Eklat nach, den Seehofer genau vor einer Woche bei einer Weihnachtsfeier losgetreten hatte. Im Café Reitschule gab der Ministerpräsident da den Zuchtmeister und beleidigte zahlreiche CSU-Spitzenpolitiker grob und persönlich - am heftigsten einen seiner bisherigen Kronprinzen, Finanzminister Markus Söder Ihn schilderte Seehofer als vom eigenen Ehrgeiz zerfressenen Charakterschwächling.

Als das die Wut in Fraktion, Kabinett und Parteiführung in einem für Seehofer gefährlich werdenden Ausmaß schürte, war Seehofer nach fünf Tagen des Schweigens schließlich zu einem Krisengespräch bereit. Über dieses Treffen vom Freitagnachmittag war zunächst Stillschweigen vereinbart worden. Am Wochenende wurden dann einige interessante Details bekannt.

Zwar ist noch immer nicht ganz klar, ob sich Seehofer dabei wirklich entschuldigt hat. Zumindest eine Art von Verständnis für die Kritik an ihm soll er aber signalisiert haben, wurde aus der Teilnehmerrunde übermittelt. Und dass es deutlich zur Sache gegangen sei. Das deckt sich mit der diplomatischen Formel, die in der ansonsten inhaltsarmen, aus vier dürren Sätzen bestehenden Erklärung stand, die nach dem Treffen verschickt wurde. Um ein "intensives Gespräch" habe es sich gehandelt, hieß es darin.

Schon die Zusammensetzung der Runde ist äußerst interessant. Es handelte sich nämlich nicht um ein Vier-Augen-Gespräch zwischen Söder und Seehofer. Beide Seiten zogen bei dem gut zweistündigen Treffen zusätzliche Kräfte hinzu, offenbar quasi als Vertrauensleute und als Vermittler. So nahm an der Runde der frühere Justizminister Alfred Sauter teil, der noch immer einer der begabtesten Strippenzieher in der Landtagsfraktion ist. Er gilt als einer der wenigen, auf die Seehofer hört und denen er womöglich vertraut. Auf der anderen Seite waren Georg Schmid, der Chef der Landtagsfraktion, und Landtagspräsidentin Barbara Stamm dabei.

Beide sind nach dem Verlauf der vergangenen Woche zum Söder-Lager zu zählen und hatten sich mit einem Schwung von Telefonaten in den Psychokrieg von Seehofer und Söder eingeschaltet. Vor allem Stamms Anwesenheit verdeutlicht die Schwere des Konflikts. Sie gilt als gute, mütterliche Seele der Partei und als fähig, auch aus emotional schwierigen Situationen einen Ausweg zu weisen. Womöglich war der Männerkonflikt in der CSU also nur noch durch weibliche Tugenden einigermaßen vor der weiteren Eskalation zu bewahren.

Noch am Freitagabend erhielt Söder in einer anderen Politikerrunde einigen Balsam für seine Wunden. Mit einem großen Teil des Kabinetts trat Söder in Nürnberg bei der Sternstunden-Gala des Bayerischen Fernsehens auf und erhielt dort Szenenapplaus vom Publikum, der auch Moderatorin Sabine Sauer auffiel. Wer dort fehlte, war Seehofer. Mit dabei war dafür seine Frau Karin. Wieder völlig anders - und doch typisch - ging die Partei selbst dann am Wochenende offiziell mit dem Konflikt um. Am Samstag traf sich Seehofer mit der Parteiführung und ihren Vertretern in den Parlamenten zu einem dreistündigen Strategietreffen in der Parteizentrale in München.

Diskutiert wurde über alle großen aktuellen sachpolitischen Fragen, berichteten Teilnehmer. Nicht aber über den Söder-Seehofer-Hauskrach. Seehofer habe kurz über den Krisengipfel vom Freitag berichtet und dass die Sache bereinigt sei. Da setzte sich die Linie fort, die schon zuvor deutlich geworden war. Viele schimpfen zwar nach Kräften über den Chef, solange er es nicht hört.

Wenn er dann da ist, wird geschwiegen. Wünsche nach Aussprache, hieß es, habe es nicht gegeben. Söder war bei diesem Treffen übrigens nicht dabei. Besorgt äußerte sich derweil der Koalitionspartner. FDP-Vizeregierungschef und Wirtschaftsminister Martin Zeil warnte am Wochenende: "Es ist Sache der CSU, wie sie ihre internen Debatten führt, aber es darf nicht sein, dass dies die hervorragende Bilanz der Regierungsarbeit von Schwarz-Gelb verdunkelt."