Das Klima zwischen Bayerns Hausärzten und den Kassen ist vergiftet. Gesundheitsminister Söder will die Kontrahenten an einen Tisch bringen - mit einem klaren Ziel vor Augen.
Bereits am Freitag kommender Woche will Gesundheitsminister Markus Söder (CSU) Bayerns Hausärzte und die Krankenkassen wieder an einen Tisch bringen. "Die müssen sich jetzt am Riemen reißen, im Interesse der Patienten", sagte Söder am Dienstag im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung. Die Patienten im Freistaat seien "Hinterzimmer-Tricksereien" und die gegenseitigen Schuldzuweisungen zwischen den Ärzten und den Kassen leid. Söder plant deshalb für den 14. Januar ein öffentliches "Hausärzte-Hearing" im Bayerischen Landtag. "Wir brauchen Glasnost in der Medizin", sagte der Minister.
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Bayerns Gesundheitsminister Markus Söder: "Die Austrittsveranstaltung in Nürnberg war ein epochales Ereignis." (© Foto: Klaus Schillinger)
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Die geplante Open-End-Veranstaltung im Maximilianeum, so erhofft sich Söder, werde neue Maßstäbe setzen: "Das öffentliche Hearing soll ein Beispiel für künftige Verhandlungen in der Medizin geben", sagte der Minister. Ziel dieses Runden Tisches sei es, möglichst rasch Verhandlungen einzuleiten, um zeitnah neue Hausarztverträge abschließen zu können. Zugleich gehe es aber auch darum, für alle begreifbar darzustellen, wo überhaupt das Problem zwischen den Kassen und den Hausärzten liegt und welchen Nutzen die Hausarztverträge letztlich für die Patienten bringen.
Hier sieht Söder dringenden Nachbesserungsbedarf. In den neuen Hausarztverträgen gehört seiner Meinung nach auch festgeschrieben, wie die hausärztliche Weiterbildung verbessert, das Angebot an Hausbesuchen ausgeweitet und die Wartezeiten in den Praxen verringert werden können. Vor allem in Richtung der Krankenkassen, über die Söder die Rechtsaufsicht hat, sagte der Minister: "Lange Pokerpartien sind patientenfeindlich, und wer schneller einen Hausarztvertrag abschließt, der handelt patientenfreundlich." Öffentliche Transparenz könne da die Verhandlungen durchaus beschleunigen.
Die meisten Krankenkassen in Bayern hatten im Dezember ihre Hausarztverträge fristlos gekündigt - als Reaktion darauf, dass der Bayerische Hausärzteverband seine gut 7000 Mitglieder dazu aufgerufen hatte, am 22.Dezember in der Nürnberger Arena geschlossen ihre Kassenzulassung zurückzugeben. Schuld an der harten Reaktion der Kassen sei allein der Hausärzteverband und seine Führung, ist sich Söder sicher. "Ich schließe nicht aus, dass bald einige Hausärzte gegen ihre frühere Führung auf Schadenersatz klagen", sagte er.
Zwar sind nach der gescheiterten Revolte alle Ausstiegspläne vom Tisch, weil längst nicht genug Hausärzte den Appellen ihres Verbandsvorsitzenden Wolfgang Hoppenthaller folgten. Doch umgekehrt zeigen die Kassen bislang keine Bereitschaft, mit dem Hausärzteverband neue Verträge abzuschließen - wozu sie laut Gesetz verpflichtet sind. Alle bisherigen Bittschreiben des Verbandes, nach dem Rücktritt von Wolfgang Hoppenthaller in neue Verhandlungen einzutreten, blieben unbeantwortet.
Offensichtlich setzen einige Kassen-Verantwortliche darauf, Zeit zu gewinnen. Zeit, in der sie nicht durch Hausarztverträge zusätzliche Ausgaben haben. Möglich ist auch, dass einige hoffen, dem Hausärzteverband könnten die Mitglieder weglaufen und sich mehrheitlich einer anderen Vereinigung zuwenden. Die hätte dann die ausreichende Masse, um mit den Kassen über einen Hausarztvertrag verhandeln zu dürfen.
Gesundheitsminister Markus Söder will zu seinem Hearing ebenfalls nicht nur den Hausärzteverband an den Tisch holen, sondern auch alle anderen Vereinigungen, in denen Hausärzte organisiert sind. "Die Austrittsveranstaltung in Nürnberg war ein epochales Ereignis, eine echte Zäsur. Man kann nicht so weitermachen, als wenn nichts passiert wäre", sagte der Minister.
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(SZ vom 05.01.2011/bica)
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CSU natürlich!
Wir brauchen Glas Most mit den einzigen 45% der CDU! :)
Vollkommene Zustimmung zu Ihren Ausführungen. Auch hier meine wäre zu mindest eine Meldung an die Ärztekammer wegen Interessensüberschneidungen sinnvoll und notwendig. Aber auch hier: Er springt der Teufel in einen Weihwassergefäss, als dass hier in nur annähernden Weise eine Offenheit versucht wird. Ich würde es auch auf die Finanzierung von "Fortbildungsveranstaltungen" von Pharmafirmen ausdehnen besonders, wenn sie sehr teuer sind,
Woher haben Sie Ihre Zahlen: Offizielle Statistik des Bundesamtes für.... Oder eigene Zahlen. Die Zahlen kommen gebetsmühlenartig seit Jahrzehnten in gleicher Höhe. Es gibt aber wohl nicht einen einzigen, der die Finanzströme überblicken kann, bei 150 Krankenkassen, Risikostrukturausgleichen und Kassenärztlichen Vereinigungen, wo es Rückstellungen und Förderungen gibt, die kein Mensch mehr überblickt.
Und richtig lieber Heini:Ich küsse jeden Tag schwedischen Boden und bin dankbar hier arbeiten zu können. Die Rückgabe meiner Kassenzulassung war mit Abstand der glücklichste Tag meines Lebens auch wenn ich meine Praxis dank der "hervorragenden" Arbeit und Blockade der Kassenärztlichen Vereinigung Schwabens. Und wie ging es für meine Patienten: Die sind mir nach 6 Jahren immern noch dankbar wie ich an Weihnachten wieder erfahren durfte. Aber zufrieden sind sie mit den Kollegen, die sie heute behandeln nicht so, wie mit mir. Das sollte zu denken geben.
Glasnost bedeutet Transparenz und Informationsfreiheit. Da besteht von Seiten der niedergelassenen Ärzten ein erheblicher Nachbesserungsbedarf:
z. B. in Fragen der Qualität, niedergelassene Ärzte arbeiten weitgehend unkontrolliert. Es kann von keiner Seite nachvollzogen werden, inwiefern sich die Behandlung an modernen Konzepten oder Leit- und Richtlinien orientiert. Selbst beim Auftreten von groben Behandlungsfehlern folgen fast nie Konsequenzen.
z. B. in Fragen der Abrechnung von Leistungen. Es ist weder für die Patienten, noch für die Kostenträger wirklich nachvollziehbar, ob die abgerechneten Leistungen tatsächlich erbracht wurden und indiziert waren.
z. B. in Fragen zusätzlicher Einnahmen (1). Die zusätzlichen Einnahmen durch so genannte Anwendungbeobachtungen müssen transparent dargestellt werden. Offengelegte Geld- und Sachleistungen durch die Pharmaindustrie würden dann vielleicht auch erklären, weshalb so häufig überteuerte Medikamente, ohne Mehrnutzen (z. B. Scheininnovationen) verordnet werden.
z. B. in Fragen zusätzlicher Einnahmen (2). Die Geldeinnahmen durch individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) müssen komplett offengelegt werden. Das würde übrigens sicherlich auch die Finanzämter interessieren. Durch mehr Transparenz in dieser Hinsicht würde verhindert werden, dass den Patienten unnötige Leistungen "verkauft" werden. Dieser Umstand wird zwar immer wieder bestritten (sicherlich auch hier in Kürze) - allerdings hat sich sogar schon der Präsident der Bundesärztekammer, Jörg-Dietrich Hoppe (sicherlich kein Feind der niedergelassenen Ärzte), besorgt über die Entwickling in dieser Hinsicht geäußert.
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