Christlich will die CSU sein, doch intern wird mit Indiskretionen Politik gemacht. Barbara Stamm sollte so als Landtagspräsidentin verhindert werden - doch die mögliche Gegenkandidatin sagt nun ab.
Seit Wochen begleitet die wahlkämpfenden Christsozialen ein unappetitlicher Machtkampf, der kaum zum Wählerfang taugt: Die Fränkin Barbara Stamm, bisher schon Vizepräsidentin des bayerischen Landtags, möchte Präsidentin des Parlaments werden, was ihre oberbayerischen CSU-Parteifreunde aber partout verhindern wollen. Dabei wird offenbar zu einem bewährten Mittel gegriffen: der gezielten Indiskretion, im Fall Stamm der erzwungenen Offenbarung.
Möchte Landtagspräsidentin werden: Barbara Stamm (© Foto: ddp)
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Es geht um Persönliches. Barbara Stamm war an Brustkrebs erkrankt, im April wurde sie operiert. Vertreter der Landtagspresse waren informiert, Stillschweigen wurde vereinbart und gehalten, just bis zum Nürnberger CSU-Parteitag am 18. und 19. Juli. Die Bild-Zeitung berichtete pünktlich zum Parteikonvent in ihrer Online-Ausgabe über Stamms Krebserkrankung, obwohl die Fränkin den Autoren um Diskretion gebeten hatte. Doch "das war dem wurscht", heißt es aus Stamms Umfeld.
Also ging die 63-Jährige in die Offensive, sprach offen von ihrer Chemotherapie, von ihrem ungebrochenen Arbeitseifer - und davon, dass sie bei ihrer Bewerbung für den Posten des Landtagspräsidenten bleibe.
Stamms Chancen stehen gut. Sie gilt als "soziales Gewissen" der Partei, obendrein gibt es in der CSU auch Stimmen, die endlich einmal eine Frau in einer Spitzenposition sehen möchten.
Machtverlust im Proporz-Gefüge
Darauf setzten auch die Gegner Stamms. Sie wollten Sozialministerin Christa Stewens zu einer Kandidatur für das zweithöchste Amt im Freistaat bewegen. "Wir werden versuchen, die Christa zu überzeugen, ihren Hut in den Ring zu werfen", sagte ein ungenanntes Vorstandsmitglied der Oberbayern-CSU dem Journal Focus.
Doch Stewens denkt offenbar nicht daran, sich instrumentalisieren zu lassen. Aus ihrem Ministerium kommen klare Worte: "Die Ministerin steht für dieses Amt nicht zur Verfügung", sagte ein Sprecher zu sueddeutsche.de. Stewens halte die Personaldiskussion für "vollkommen überflüssig" und sei "auch nicht bereit, sich an Spekulationen jeglicher Art zu beteiligen" - ein Seitenhieb auf die intriganten Parteifreunde.
Dass die Oberbayern-CSU sich nach der aktuellen Abfuhr von Stewens geschlagen gibt, ist eher unwahrscheinlich. Die erfolgreichen Konservativen zwischen Altmühltal und Karwendel haben ein stark ausgeprägtes Selbstbewusstsein. Kein Wunder: Sie stellen nun mal die meisten Parteimitglieder, wovon sie ihren starken Anspruch auf Parteiposten und Ämter ableiten.
Der scheidende Parlamentschef Alois Glück stammt auch aus dem Bezirk Oberbayern, der seit dem Abgang von Edmund Stoiber im Proporz-Gefüge der CSU an Macht verloren hat: Der Vorsitzende Erwin Huber ist Niederbayer, Bayerns Landesvater Günther Beckstein Mittelfranke. In Berlin sitzt neben dem ebenfalls fränkelnden Wirtschaftsminister Michael Glos als ranghöchster Oberbayer Horst Seehofer. Der Ingolstädter hatte einst selbst gute Chancen, Parteichef zu werden - bis auch er ein Opfer des weiß-blauen Intrigantenstadls wurde.
Eine Indiskretion machte die Runde. Das kennt auch Barbara Stamm zu genau.
(sueddeutsche.de/jja)
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Die neueste Antwort
@Don_Vito: Alles ok, Don_Vito, nur - das Thema bleibt die bösartige Verleumdung, die von Seiten der CSU in Kooperation mit der BILD-Zeitung läuft. Qualitätsfragen stehen in diesem Moment nicht zur Debatte.
man muss nicht aus der CSU-Zentrale kommen um festzustellen, dass ein Großteil des dortigen Personals übliche Qualitätsansprüche an solche Positionen locker unterbietet.
Eigentlich schade. Das Bayerische Beamtentum genießt Anerkennung weit über Bayern und Deutschland hinaus. Irgendwie scheint das aber nicht auf die Politik abzufärben.
Glos, Stamm, Söder usw. wären wohl in normalen Demokratien wohl kaum über das Vorzimmer hinausgekommen.
@ 301273: Sie bringen Formulierungen wie:Respekt für Stamms Erkrankung, aber Inkompetenz, im BSE-Skandal nichts getan, als Familienministerin nicht sehr geglänzt, usw., usw. Worum geht es aber im Augenblick? Um eine ganz böse Form von übler Nachrede aus dem Zentrum der CSU in Kooperation mit der BILD-Zeitung gegenüber Frau Stamm, die man mit der Bloßstellung ihrer Krebserkrankung diskriminieren möchte. Insofern betreiben Sie, 301273, das Geschäft der CSU-Granden und der BILD, indem Sie nichts anderes tun, als vom Kern des ganzen gottlosen Handelns der christlischen Partei abzulenken. Und deshalb meine Frage an Sie, 301273, in wessen Auftrag handeln Sie?
Wer sagt eigentlich, dass der Artikel der SZ den tatsächlichen Gegebenheiten entspricht ? Könnte es nicht auch so sein, dass hier Behauptungen unter Berufung auf "Gut informierte Kreise!" in den Raum gestellt werden, nur um wieder einmal gegen die CSU was schreiben zu können ? Verfolgt man die Berichterstattungen der SZ in den letzten Monaten, so kann man sich dieses Eindrucks nicht erwehren. Auch andere Kommentatoren zu anderen Artikeln kritisieren die SZ in der Zwischenzeit schon als SPD Wahlkampfzeitung.
@301273. Ihre Argumentation könnte direkt aus der CSU-Zentrale kommen.
Paging