Triumph nach Zitterpartie: Die Strauß-Tochter Monika Hohlmeier hat in einer mit Spannung erwarteten Kampfabstimmung den sechsten Platz auf der CSU-Liste für die Europawahl gewonnen.

Bei der Aufstellung der CSU-Europaliste hat sich Strauß-Tochter Monika Hohlmeier bei einer Kampfkandidatur um Platz sechs durchgesetzt. Hohlmeier gewann in München bei der Delegiertenversammlung der Christsozialen mit 165 zu 115 Stimmen gegen die Sozialpolitikerin Gabriele Stauner.

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Steht als Kandidatin für die Europawahl fest: Monika Hohlmeier (© Foto: dpa)

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Massiver Streit im Vorfeld

Hohlmeier musste sich einer Kampfabstimmung stellen, nachdem für den sechsten Platz der Kandidatenliste auch die Europaabgeordnete Stauner vorgeschlagen worden war.

Hohlmeier nahm nach der Abstimmung mit strahlendem Gesicht die Glückwünsche Seehofers entgegen. Sie betonte, sie freue sich über das Ergebnis. Sie habe von den Delegierten eine "demokratische Legitimierung" bekommen. Die 46-Jährige äußerte sich zugleich zuversichtlich, auch parteiinterne Kritiker von sich überzeugen zu können. Eine Rückkehr in die bayerische Landespolitik schloss sie aus: Die Entscheidung für die Europapolitik sei eine langfristige. "Das ist keine Eintagsfliege."

Der CSU-Chef sagte, er wäre zwar "nicht zufrieden gewesen, wenn es anders gelaufen wäre". Aber auch dies hätte er "hinnehmen müssen". Die Kampfkandidatur sei "sauber und ohne Verletzungen" ausgetragen worden. "Bei uns läuft es offen, transparent und fair. Darüber bin ich glücklich", sagte Seehofer.

Hohlmeiers Nominierung war in der CSU auf scharfe Kritik gestoßen. Ihre Qualifikation für die Europapolitik und der Bezug der Oberbayerin zu Oberfranken waren angezweifelt worden. Vielen war sie zudem noch durch ihre Rolle bei der umstrittenen Einführung des achtjährigen Gymnasiums und diverse Skandale - etwa ihre Verwicklung in angebliche Stimmenkäufe der Münchner CSU bis hin zu angeblichen Erpressungsversuchen - in schlechter Erinnerung. Zahlreiche CSU-Mitglieder hatten in den vergangenen Wochen aus Protest gegen die Personalie ihr Parteibuch zurückgegeben.

Seehofers Vorgänger Erwin Huber sagte im Vorfeld, die Delegiertenversammlung sei "souverän". Er fügte hinzu: "Das sollte man auch nicht belasten mit Prestigefragen." Hohlmeier betonte vor Beginn der Beratungen, sie sei nicht nervös. Sie warte nun die Entscheidung der Delegierten ab.

CSU-Generalsekretär Karl-Theodor zu Guttenberg sagte, er glaube, dass der sechste Platz auf der Liste "ein stabiler und guter Platz sein wird". Allerdings könne man Kampfkandidaturen bei solchen Versammlungen nie ausschließen.

Ferber Spitzenkandidat

Zunächst wurde der schwäbische CSU-Bezirkschef Markus Ferber zum Spitzenkandidaten gekürt. Ferber erhielt 272 von 282 gültigen Stimmen. Nach Berechnungen der CSU entspricht das einer Zustimmung von 96,45 Prozent.

Damit folgte die Delegiertenversammlung dem Vorschlag von Parteichef Seehofer und der Parteispitze. Seehofer verwies frühere Meldungen über Spannungen mit Ferber zurück und sagte: "Markus Ferber war immer und ist mein Spitzenkandidat."

Deß setzt sich gegen Friedrich durch

Der stellvertretende Parteivorsitzende Ingo Friedrich erlitt eine Niederlage. Der Oberpfälzer Landwirt Albert Deß setzte sich bei einer Kampfabstimmung um den fünften Listenplatz mit 184 zu 102 Stimmen gegen Friedrich durch. Friedrich zog anschließend seine Kandidatur zurück: "Ich trete für keinen weiteren Platz mehr an." Deß hatte den Rückhalt der Landwirte und des oberpfälzischen Bezirksverbandes, Friedrich wurde dagegen von Mittelfranken, Mittelstandsunion und Seniorenunion unterstützt.

Die Delegierten rechneten Friedrich seine Entscheidung hoch an, nicht anschließend gegen Hohlmeier auf Platz sechs anzutreten. "Damit hat er den gordischen Knoten durchschlagen", sagte ein Delegierter. Andernfalls hätte nach Einschätzung führender CSU-Politiker die gesamte weitere Liste ins Rutschen kommen können - mit Imageschaden für Parteichef Seehofer. Das wurde durch Friedrichs Rückzug vermieden. "Besser hätte es nicht laufen können", resümierte ein führender Christsozialer.

Seehofer: "Mehr in die Zukunft blicken"

Mit der Niederlage Friedrichs bei der ersten Kampfabstimmung seien die Wünsche der Delegierten bereits erfüllt gewesen, analysierte ein CSU-Spitzenmann die gruppendynamischen Prozesse. "Das Revolutionspotenzial war erschöpft."

Zum Auftakt der Delegiertenversammlung hatte Seehofer seine Partei zu Selbstbewusstsein aufgerufen. Seehofer sagte, es habe eine umfassende Analyse zum schlechten Ergebnis bei der Landtagswahl im vergangenen September gegeben. Jetzt sollte die CSU aber "mehr in die Zukunft blicken" und weniger in die Vergangenheit.

Die Partei habe allen Grund zu Mut und Zuversicht. Der bayerische Ministerpräsident fügte hinzu, die CSU habe ihren "bundespolitischen Anspruch wieder sichtbar und erfolgreich zum Tragen gebracht". Als Beispiel nannte er das Eintreten seiner Partei innerhalb der großen Koalition für Steuersenkungen. Er werde Wert darauf legen, dass im Programm der Union für die Bundestagswahl eine "Fortsetzung" der Steuerentlastungen aufgenommen werde.

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(sueddeutsche.de/ddp-bay/dpa/AP/ihe/jkr)