CSU Kommt Karl-Theodor zu Guttenberg zurück?

Kommt er zurück? Die Frage begleitet Karl-Theodor zu Guttenberg beinahe schon seit seinem Rücktritt.

(Foto: Stephan Rumpf)

CSU-Chef Seehofer will ihn wieder in der Politik haben, Guttenberg ziert sich. Über ein Lehrstück politischer Inszenierung.

Von Roman Deininger und Wolfgang Wittl

Karl-Theodor zu Guttenberg war die Supernova der deutschen Politik, maximale Leuchtkraft, dramatische Explosion. Und er ist - sechs Jahre nach der Plagiatsaffäre um seine Doktorarbeit - immer noch ein politisches Ausnahmetalent. Wer daran Zweifel hat, der sollte ihn hören beim "Executive Dinner", zu dem das Beratungsunternehmen Deloitte in ein Münchner Hotel eingeladen hat. "Geopolitischer Vortrag": Wenn der Zuhörer gedanklich noch im Nahen Osten ist, ist Guttenberg schon in Nordkorea. Er spricht frei, kommt nie ins Stocken. Wenn Journalisten über seine Referate schreiben, das sei zwar alles recht flüssig, aber auch recht dünn, ist Guttenberg stets höchst genervt.

Am Ende sind Journalisten und Parteifreunde auch an diesem Abend jedenfalls elektrisiert von derselben Frage: Kommt er zurück? CSU-Chef Horst Seehofer hat sein Werben um den vormals fabelhaften Guttenberg vor etwa zwei Jahren mit diskreten Liebesbotschaften begonnen. Inzwischen ist er beinahe beim öffentlichen Kniefall angelangt. "Ich möchte, dass er sich Stück für Stück wieder einfädelt in die CSU", sagt Seehofer über Guttenberg. "Ich würde es mir wünschen."

Guttenberg hat in seinen Ausführungen nun auch China durchpflügt. Am Ende bittet er dann plötzlich, eine "Bemerkung in eigener Sache" machen zu dürfen. Es ist seine Spezialität, höflich um Dinge zu bitten, die ihm niemand verweigert. "Ich helfe gern meiner Partei, die mir sehr nahe ist", sagt er. Einige Wahlkampftermine werde er wahrnehmen: "Das isses aber." Dann ein Hauch von Poesie: "Alle, die glauben, dass man lechzend nach Ämtern im September wieder dasteht" - die täuschten sich. "Ich lasse mich nicht ein auf diese Debatte." Zur Begründung: schulpflichtige Kinder in den USA, eigenes Unternehmen ebenda.

Man könnte nun annehmen, dass die Geschichte vom Comeback des Karl-Theodor zu Guttenberg hier zu Ende ist. Aber es spricht einiges dafür, dass sie weitergeht. Ein lautes Dementi ist nicht zwingend ein klares Dementi.

Seehofer hat schließlich den Plan gefasst, Guttenberg auf die große politische Bühne zurückzuholen, und er verrät auch nach Guttenbergs vermeintlicher Absage keinerlei Sorge, dass dieser Plan gefährdet sein könnte. Während die Dinner-Gäste zusammen mit ihrem Kalbsfilet die Erkenntnis verdauen, dass sie soeben Guttenbergs endgültigem Abschied aus der Politik beiwohnten, sendet Seehofer, der Lotse seiner Partei, unbeirrt das Signal: Junge, komm bald wieder.

Und schon klingen die Worte Guttenbergs wieder so, als könnten sie Teil eines großen Rückholplans sein.

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