Von Kassian Stroh

Erwin Huber hofft auf Bestätigung durch Karlsruhe - und damit auf den Beweis, dass sein Steuerkonzept richtig war.

Dass die Geschichte ihm und seinen Steuersenkungsplänen recht geben wird, davon ist Erwin Huber mehr denn je überzeugt. Dieser Dienstag soll so ein Tag sein, wenn das Bundesverfassungsgericht über die Rechtmäßigkeit der Kürzung der Pendlerpauschale entscheidet. Da werde es "Korrekturen" geben, glaubt Huber. Und das zeige einmal mehr, dass das von ihm als Parteichef geschriebene Steuerkonzept der CSU richtig war.

Bild vergrößern

Der ehemalige CSU-Chef Erwin Huber hat die Debatte um die Pendlerpauschale im bayerischen Landtagswahlkampf erneut entfacht. (© Foto: dpa)

Anzeige

Auf dieses Konzept hatte Huber maßgeblich gesetzt im Wahlkampf. Die Wiedereinführung der alten Pendlerpauschale war davon zwar nur ein Teil - noch nicht einmal der teuerste, aber der populärste. Und doch entpuppte sich der Wahlkampfschlager am Ende als Rohrkrepierer.

Schon der Start war schwierig: Beim Politischen Aschermittwoch im Februar forderte Huber erstmals, die Pendlerpauschale wieder einzuführen. Es verhallte nahezu ungehört. Sechs Wochen später wiederholte er dies in einem Interview. Von da an war die Pendlerpauschale das Top-Thema der Republik.

Dabei gab es auch in der CSU Kritiker an Hubers Kurs, die darauf hinwiesen, dass doch die Union auf die Abschaffung gedrängt hatte. Und dass die CSU noch vier Monate zuvor gesagt hatte, bevor an der Pauschale etwas geändert werde, solle man erst das Karlsruher Urteil abwarten.

Doch Huber wischte die Bedenken weg, begründete die Kehrtwende als Lernprozess und war in den folgenden Monaten selbst überrascht, dass das Thema "so eingeschlagen hat".

Das lag sicher nur zum Teil daran, dass sich daran ein echter Konflikt mit der CDU und Bundeskanzlerin Angela Merkel entzündete. Im Sommer erreichte der Benzinpreis Höchststände; die Pendlerpauschale der CSU war die plakativste Antwort der Politik darauf.

Um das Thema anzuheizen, sammelte die CSU sogar Unterschriften. Noch vor der Wahl wollte sie diese Merkel übergeben, hieß es anfangs. Man hat von den Unterschriften - mehrere Zehntausend sollen es gewesen sein - nie mehr etwas gehört.

Doch am Ende war auch die Pendlerpauschale ein Grund für das Wahldebakel: Zum einen zeigte sich daran, wie wenig die CSU ohne die CDU durchsetzen kann. Zum anderen lehnte sie kurz vor der Landtagswahl im Bundestag einen Linken-Antrag auf sofortige Wiedereinführung ab. Aus Gründen der Koalitionsräson, wie sie sagte. Doch die Diskrepanz war vielen Wählern nicht zu erklären. Entsprechend sauer sind viele an der CSU-Basis bis heute auf die Parteifreunde in Berlin.

Große Hoffnungen hatte die CSU auch auf die mündliche Verhandlung in Karlsruhe zwei Wochen vor der Wahl gesetzt. Sie sollte Rückenwind geben. Doch daraus wurde nichts: Die Richter machten schnell klar, sie wollten sich nicht politisch instrumentalisieren lassen, sondern nur über die Verfassungsmäßigkeit urteilen.

Trotz alledem ist Huber weiterhin überzeugt, dass es gut war, so stark auf die Pendlerpauschale zu setzen. "Wir haben den richtigen Ansatz, das wird von Tag zu Tag mehr bestätigt." Möglicherweise heute.

Leser empfehlen 

(SZ vom 09.12.2008/gdo)