Von unseren Korrespondenten

Vor der entscheidenden Sitzung im Bezirk Oberbayern strampeln die Minister Goppel und Herrmann, doch die CSU-Mehrheit will Horst Seehofer als Regierungschef.

Einer hat bereits zurückgezogen, Georg Schmid, der Fraktionschef der CSU im Landtag. Er habe erkannt, "dass ich am besten in meiner bisherigen Funktion als Fraktionsvorsitzender zur notwendigen Geschlossenheit beitragen kann", teilte er am Freitag mit und nahm seine Kandidatur für das Amt des Ministerpräsidenten zurück.

Thomas "David" Goppel (links) und Joachim "David" Herrmann gegen Horst "Goliath". (© Fotomontage: sueddeutsche.de)

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In der CSU werden nun die Stimmen laut, die keine hausgemachte Lösung für Bayerns höchstes Amt aus der CSU-Fraktion wollen. Immer mehr sprechen sich zugunsten von Horst Seehofer in der Doppelfunktion des CSU-Vorsitzenden und des bayerischen Ministerpräsidenten aus. Schon haben die Oberpfälzer und die Niederbayern für Seehofer votiert. Die entscheidende Sitzung aber steht am Samstag im Bezirk Oberbayern an.

Und doch ist längst nicht klar, wer am kommenden Mittwoch von der CSU-Landtagsfraktion für das Amt des bayerischen Regierungschefs nominiert wird. Denn entscheidend ist nicht, wer momentan die meisten Fürsprecher hat. Sollten sich Thomas Goppel und Joachim Herrmann, die verbliebenen Kandidaten, untereinander einigen, wird Seehofer gar nicht erst antreten. So hat er es zumindest angekündigt. Inzwischen machen die beiden kräftig Werbung in eigener Sache. So sagte Herrmann, er sei grundsätzlich für eine Doppelspitze, weil der Parteivorsitzende in Berlin sein müsse und nächstes Jahr die Bundestagswahl anstehe. Und auch Goppel warb für sich. Am Samstag trifft sich die Spitze der oberbayerischen CSU: "Da werden wir sehen, ob wir eine Lösung finden und ob wir es ohne eine Kampfabstimmung hinkriegen", betonte Goppel.

Die nur mehr 92 Abgeordneten der CSU sind unterdessen recht ratlos in das verlängerte Wochenende gefahren. Denn es ist längst nicht so, dass die Meinungen in den Bezirken einhellig sind. Niederbayern und die Oberpfalz haben eine "Tendenz für Seehofer" zu erkennen gegeben. Und die Oberbayern treten am heutigen Samstag zu einer Klausur zusammen, um über die Kandidaten-Frage zu entscheiden. Momentan zeichnet sich eine Mehrheit für Seehofer ab. Klaus Stöttner, der Vorsitzende des größten CSU-Kreisverbandes in Rosenheim, wiederholte sein Votum für Seehofer. "Bayern war am stärksten, als beide Ämter in einer Hand waren", sagte er.

In jedem CSU-Verband findet sich aber auch einer, der von der herrschenden Meinung abweicht. Wie Bernd Weiß in Unterfranken. "Ich stehe zur Seehofer-Lösung", sagt er, während sich seine Kollegen, allen voran Staatskanzleichef Eberhard Sinner, für Goppel als Ministerpräsidenten stark machen. "Die Partei braucht ein Machtzentrum, an dem sie sich ausrichten und auch wieder aufrichten kann", sagt Weiß. Das sei keine Entscheidung gegen die anderen Kandidaten.

Auch im restlichen Franken finden sich unterschiedliche Meinungen. Zwar unterstützen die Mittelfranken ihren Bezirkschef Herrmann, manch einer glaubt dennoch, dass es am Ende auf Seehofer hinauslaufen wird. "Man soll die CSU nicht unterschätzen, wir sind sehr wohl in der Lage, uns zusammenzuraufen", sagt der Hofer Alexander König. CSU-Vize und Justizministerin Beate Merk aus Schwaben spricht sich offen für Seehofer aus: "Die Partei braucht Stärke und Kraft. Deshalb sollten jetzt beide Ämter in einer Hand bleiben", so Merk.

Erfahren Sie auf Seite zwei mehr über die Kandidaten Goppel und Herrmann.

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