CSU in Nürnberg Parteitag der professionellen Scheinheiligkeit

Die Doppelspitze ist bestätigt: Horst Seehofer bleibt CSU-Chef, Markus Söder wird Spitzenkandidat für die Landtagswahl.

(Foto: dpa)

Söder empfiehlt Seehofer, Seehofer empfiehlt Söder: In Nürnberg bemüht sich die CSU, geschlossen zu wirken - egal wie glaubwürdig das ist. Es geht schließlich um die Macht.

Kommentar von Robert Roßmann, Nürnberg

Es war ein Parteitag der professionellen Scheinheiligkeit. Nach einem jahrelangen, an Härte kaum zu überbietenden Machtkampf gaben sich Horst Seehofer und Markus Söder in Nürnberg wie politische Freunde. Söder schlug Seehofer zur Wiederwahl als CSU-Chef vor, Seehofer empfahl den Delegierten Söder als Spitzenkandidaten für die Landtagswahl.

Die beiden Herren bauten zwar zwei, drei ironische Brechungen in ihre Reden ein. Manch einer unkte deshalb, aus der Partei der Schmutzeleien sei eine Partei der Schmunzeleien geworden. Aber das nahm der Inszenierung nichts von ihrer Scheinheiligkeit. Schließlich hat Seehofer den Weg für Söder ja nicht frei gemacht, weil er auf einmal von dessen politischer und vor allem charakterlicher Einzigartigkeit überzeugt wäre. Seehofer hat seinen Abwehrkampf gegen Söder nur deshalb aufgegeben, weil er sonst seinen eigenen Rückhalt in der Partei verloren hätte. Und Söder, der kühl-dreiste Machtpolitiker, spricht nur deshalb so wohlmeinend über Seehofer, weil er dessen übrig gebliebenen Bataillone noch braucht, um bei der Landtagswahl nicht unterzugehen.

Im Unterschied zu manch anderer Partei geht die CSU mit derlei Konflikten aber erstaunlich professionell um. "Wenn wir zusammen halten, zieht uns niemand die Lederhosen aus", sagte Seehofer am Ende seiner Rede. Es war ein Appell. Und an den hielten sich die Delegierten dann auch. Trotz des Unmuts über Seehofers Verhalten in den vergangenen Jahren biss ein Großteil des Söder-Lagers die Zähne zusammen und stimmte für die Wiederwahl des Parteichefs. Seehofer bekam zwar 3,5 Prozentpunkte weniger als beim letzten Mal, aber die 83,7 Prozent vom Samstag sind angesichts der Umstände und des desaströsen CSU-Ergebnisses bei der Bundestagswahl ein ordentliches Ergebnis.

Es herrscht unauthentische Geschlossenheit

Das gilt erst recht für Söders Kür zum Spitzenkandidaten. Der Finanzminister wurde zwar in einer offenen Abstimmung nominiert, aber die Unterstützung war so eindeutig, dass an einer tatsächlich überwältigenden Unterstützung Söders durch die Delegierten kein Zweifel bestand.

Sozialdemokraten fangen an, nervös zu debattieren, wenn es um die Macht geht. Das mag man sympathisch finden, ist aber nicht immer hilfreich. Die CSU drückt den Rücken durch und schließt die Reihen. Von dem Parteitag gehe "ein Signal von authentischer Geschlossenheit" aus, sagte Söder. Das "authentisch" ist dreist, aber mit der "Geschlossenheit" hat er recht.

Daran wird sich in den kommenden Monaten auch nichts ändern. Die Sondierungen in Berlin, eine mögliche Neuwahl im Bund und die Landtagswahl im Herbst 2018 wirken in der CSU wie gewaltige Konflikteindämmungsmaschinen. Die Zeit des selbstzerstörerischen Politik-Spektakels in der CSU ist vorbei - zumindest bis zum Abend der Landtagswahl.

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