"Was wollt's denn mit denen?" - Nach den Pannen um Transrapid, Landesbank und Rauchverbot hadert die Parteibasis mit den Schwächen des Führungsduos.
Die CSU kommt nicht zur Ruhe. Nach den Milliardenbelastungen der Landesbank, wegen denen Parteichef Erwin Huber in die Kritik geriet, und dem internen Streit übers Rauchverbot erlebt sie mit dem Transrapid das nächste Debakel. Exakt ein halbes Jahr vor der Landtagswahl regt sich an der Parteibasis massiver Unmut über die Parteispitze. In der Kritik steht allerdings nicht nur Huber, sondern auch Ministerpräsident Günther Beckstein.
Kommunikationsprobleme und zu späte Entscheidungen sagt die CSU-Basis Beckstein (l.) und Huber nach. (© Foto: dpa)
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Mitglieder der Landtagsfraktion äußern sich in ungewohnter Offenheit über ihr Führungsduo. Der Augsburger Abgeordnete Martin Sailer zum Beispiel vertritt die Auffassung, dass sich Beckstein und Huber die Transrapid-Schlappe teilweise selbst zuzuschreiben hätten. "Man hätte schon viel früher die Reißleine ziehen und sich Ärger ersparen können", sagt Sailer.
Die Pannenserie mit BayernLB, Rauchverbot und Transrapid hätten die CSU in die Defensive gebracht. "Uns bleibt nicht mehr viel Zeit. Beckstein und Huber sind noch kein eingespieltes Team", sagt Sailer. Sein Augsburger Parteifreund, der Abgeordnete Max Strehle, bezeichnet die Stimmung in der CSU als "aufgeregt". Auch er wirft dem Führungsduo vor, sich zu spät vom Transrapid-Projekt verabschiedet zu haben. "Das Kommunalwahldebakel der Münchner CSU hätten wir uns ersparen können", sagt Strehle. Stattdessen habe man immer die Parole "Augen zu und durch" ausgegeben.
An der Basis, sagt der Weidener Landtagsabgeordnete Georg Stahl, bekomme er über Beckstein und Huber "Negatives zu hören. Es wird immer gesagt: Ja, was wollt's denn mit denen?" Stahl ist der Ansicht, dass "die Politik falsch kommuniziert wird, deswegen stehen wir nicht so gut da".
Ein erhebliches Kommunikationsproblem macht auch der Chamer Landrat Theo Zellner aus: "Beide müssen darum bemüht sein, die neue Führungssituation in der CSU rüberzubringen. Ihre Führung muss spürbar werden." Der Parteichef liege etwa mit seiner Forderung nach einer Pendlerpauschale schon ab dem ersten Kilometer zwar richtig, nur sei es "eine Frage der Glaubwürdigkeit", wenn solche Themen nach der für die CSU enttäuschenden Kommunalwahl aufgegriffen würden.
Gerade bei der Kommunalwahl hätten die Wähler offenbar gemerkt, dass "das momentan nicht mehr die CSU ist, die wir unter Stoiber mal gehabt haben", sagt der Würzburger Bundestagsabgeordnete Paul Lehrieder. Der Zickzackkurs beim Raucherschutz sei nun allerdings noch gefährlicher. Es müsse künftig wieder gelten: "Mein Ja sei ein Ja und mein Nein sei ein Nein." Auch der Haßberge-Landrat Rudolf Handwerker vermisst "eine klare Linie der CSU", die die Partei in der Vergangenheit immer stark gemacht habe. Der Passauer Landtagsabgeordnete Konrad Kobler sieht das Wahlziel "50 plus x" in Gefahr.
Die Kritik von CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer an Ministerpräsident Beckstein hält der Coburger Bundestagsabgeordnete und Landeschef der Mittelstandsunion Hans Michelbacher für "verletzten Stolz aus Oberbayern". Beckstein habe nicht, wie von Ramsauer moniert, den Transrapid vorschnell für tot erklärt. "Unter kaufmännischen Gesichtspunkten war das Aus das einzig Richtige."
(SZ vom 29./30.3.2008/beu)
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Beckstein und Huber will nichts gelingen
Die Weißwürstchen von der CSU. Erst hatten sie kein Glück, dann kam auch noch Pech dazu...
Vor sieben Monaten traten Günther Beckstein als Ministerpräsident und Erwin Huber als CSU-Chef das Erbe von Edmund Stoiber an. Nachdem beide bei der spektakulären CSU-Klausur Anfang 2007 in Wildbad Kreuth Stoibers Sturz betrieben hatten.
Beckstein und Huber, die Weißwürstchen der CSU
Viel Grund zum Feiern haben sie nicht: Bayerns Ministerpräsident Günther Beckstein (64, l.) und CSU-Chef Erwin Huber (61) erleben Pleiten, Pech und Pannen
Doch es scheint, als würden Beckstein und Huber mit dem Stoiber-Erbe nicht glücklich. Als laste ein Fluch auf den beiden Provinzpolitikern (Stoiber).
Fast schon symbolisch wirkt da ein peinlicher Versprecher des CSU-Chefs kürzlich auf einer Pressekonferenz: Mit vollem Elan ziehen wir im Herbst mit unserem Spitzenkandidaten Edmund Stoiber in die Landtagswahl. Pause. Äh, natürlich Günther Beckstein...
Hilflos wirkte Huber auch bei seiner ersten Reise im Dezember zu den deutschen Soldaten in Afghanistan. Ein Soldat wollte wissen: Haben Sie eine Frage an uns? Huber schwieg nein, er hatte keine Frage. Die Weltpolitik, das wurde Mitreisenden klar, ist seine Sache nicht.
Ein halbes Jahr vor der Landtagswahl im Herbst wächst an der CSU-Basis die Sorge, dass die CSU an Macht und Einfluss verliert in Bayern, wie im Bund. Da ist die Riesen-Blamage mit dem Transrapid nur das letzte Glied in der Pleite-Kette.
50 Prozent plus x das war immer die Messlatte, das ist sie auch 2008, hatte Ministerpräsident Beckstein bei seinem Amtsantritt vor einem guten halben Jahr getönt.n CSU-Vorständler sorgt sich: Wir müssen aufpassen, dass es nicht 50 Prozent minus x werden!
Es wäre der Super-Gau - zuletzt hatte die seit fast einem halben Jahrhundert in Bayern allein regierende CSU bei der Landtagswahl 1966 mit 48,1 Prozent weniger als 50 Prozent eingefahren.
An der Basis fällt das Urteil über das Führungsduo vernichtend aus: Unsere Weißwürstchen!
Verzweifelt ist der glücklos agierende CSU-Chef auf Themensuche: Erst forderte Huber erfolglos Steuersenkungen, dann preschte er im Osterloch mit der Forderung nach einer Erhöhung der Kilometergeldpauschale vor. Zum Erstaunen aller: Denn es war gerade die CSU gewesen, die vor zwei Jahren die Kappung der