CSU Guttenberg übt sich in Demut - oder ist es Kalkül?

Karl-Theodor zu Guttenberg bei einem Auftritt in Frankfurt.

(Foto: Johannes Simon)

Ein Politik-Comeback des Barons ist wahrscheinlicher geworden. Doch selbst in der CSU wäre Guttenberg kein Erlöser mehr.

Kommentar von Roman Deininger

Karl-Theodor zu Guttenberg mag weit fort sein in Amerika. Trotzdem steht er jedes Mal still mit im Raum, wenn es irgendwo um die Zukunft der CSU geht. Parteichef Horst Seehofer gehört zu jenen, die diese diskrete Präsenz schätzen, das darf nun als gesichert gelten. Am Montag sah er auffällig zufrieden zu, wie sein personeller Testballon, Modell KT, in den weiß-blauen Himmel stieg.

Ein Comeback des Barons ist wahrscheinlicher geworden. Okay, erst mal hat Guttenberg - in einer E-Mail an die SZ - Nein gesagt zu Seehofers vorsichtigen Avancen. Das hat er tun müssen, um nicht vollends zu Seehofers Spielball zu werden. Das muss keine Absage für immer sein. Man braucht nur mal nachzulesen, was Guttenberg unlängst in New York einem Reporter der Financial Times erzählte. Dass er "tief besorgt" sei über Europa in der Flüchtlingskrise; dass ihn immer mehr Bitten um eine Heimkehr erreichten, "auch aus der Partei"; und dass er der Überzeugung sei, man müsse "ständig an den eigenen Schwächen arbeiten". In diesem Mann schlummert noch was.

"Der liebe Gott vergibt die Sünden"

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In seiner Mail schrieb Guttenberg von "berechtigten Gründen" für seinen Rücktritt und "meinen lausigen Umgang" damit. Dass viele dahinter jetzt die Inszenierung eines Bußschauspiels vermuten, hat er sich mit der Überinszenierung seiner Erstkarriere selbst eingebrockt. Zugleich sollte man seine Worte schon als das nehmen, was sie sind: ein erster Versuch umfassender Demut. Selbstkritik bei Guttenberg hieß bisher, sich neben sich zu stellen und über den eigenen "Blödsinn" zu staunen. Jetzt hat er eine neue Stufe der Reue erreicht: ein Schuldeingeständnis, dem nicht gleich ein trotziges "aber" folgt.

Guttenberg gilt als enormes Talent mit einer zweiten Chance

Amerika allerdings ist für Guttenberg ein guter Ort, ein Ort frei von Häme. Ein Ort auch, an dem er gelernt hat, dass die Geschicke der Welt nicht mehr so sehr von Ministern und Präsidenten gelenkt werden, sondern von Investoren und Entrepreneuren. Andererseits: So wie seine Fans einst glaubten, er habe der Politik Zauber verliehen, so dürfte die Politik auch ihn in den Bann ziehen mit ihrem Zauber.

Seine New Yorker Beratungsfirma heißt übrigens wie ein Hügel in seinem früheren fränkischen Wahlkreis: Spitzberg. Guttenberg hätte, genau fünf Jahre nach seinem Abgang am 1. März 2011, alles Recht auf eine Rückkehr. Aber er hätte auch alles Risiko. In Deutschland würde er zwar zweifellos auf viele alte Anhänger treffen, die ein wissenschaftliches Plagiat schon damals für eine ziemlich lässliche Sünde hielten.

Allein: Selbst in der CSU wäre Guttenberg kein Erlöser mehr, sondern ein enormes Talent mit einer zweiten Chance. Sein fränkischer Rivale Markus Söder hat das Feld für sich so sorgsam bestellt, dass Guttenberg die Parteiführung nur in hartem, ungewissem Kampf erobern könnte. Ein solches ebenes Spielfeld dürfte seine neue Demut nur stärken.

Es gab dereinst, in den Augen seiner Freunde, den fabelhaften und nahezu unfehlbaren Guttenberg. Den gibt es nicht mehr. Das ist gut für alle, und am allerbesten ist es für Karl-Theodor zu Guttenberg.

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