Das hat es so wohl noch nie gegeben: Innerhalb kürzester Zeit ist Guttenberg zum beliebtesten Politiker in Deutschlad geworden. Doch das ist nicht das einzige Kunststück.
Wenn sich im Münchner Löwenbräukeller an einem heißen Sommer-Spätnachmittag bei über 30 Grad 2000 Leute drängeln, obwohl nur 1500 hineinpassen, dann kann eigentlich nur ein bekannter Pop-Star zu Gast sein.
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Karl-Theodor zu Guttenberg. (© Foto: AP)
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Nur wenige Politiker würden es schaffen, den riesigen Saal wenigstens zur Hälfte zu füllen, die meisten müssten froh sein, wenn das Nebenzimmer einigermaßen gut besucht wäre. Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hat diese Gesetze außer Kraft gesetzt, er war der Pop-Star, für den selbst der Löwenbräukeller noch zu klein war.
Jeder Unionsabgeordnete, dem es gelungen ist, Guttenberg im Wahlkampf für einen Auftritt zu verpflichten, kann sich glücklich schätzen: Volles Haus und gute Stimmung sind garantiert, und wahrscheinlich auch ein paar zusätzliche Stimmen. Würden Politiker als Panini-Bildchen gehandelt, stünde der Kurs im Moment wahrscheinlich so: Tausche fünf Merkel gegen einen Guttenberg.
Wohl noch nie ist ein Politiker in so kurzer Zeit derart weit nach oben katapultiert worden, bis auf Platz eins der Beliebtheitsskala. Dass da ein frisches, unverbrauchtes Gesicht auf der politischen Bühne aufgetaucht ist und Neugier auslöst, reicht als Erklärung für das Phänomen Guttenberg nicht aus.
Es ist weit mehr als die ganz normale Neugier auf einen Newcomer, die Guttenberg entgegenschlägt; die Leute, die in die Wahlveranstaltungen der Union strömen, liegen ihm regelrecht zu Füßen. Selbst wenn der Mann nur ein Bier bestellt, reicht das aus, um Jubelstürme auszulösen.
Guttenberg verkörpert in den Augen vieler Leute offensichtlich einen Politikertyp, nach dem sie sich gesehnt haben: jemand, der innerlich und äußerlich unabhängig wirkt, der nicht auf das Amt angewiesen zu sein scheint, das er gerade ausübt.
Die äußeren Bedingungen passen perfekt in dieses Bild. Der Mann ist jung und dynamisch, er sieht besser aus, ist besser angezogen und hat bessere Manieren als die meisten seiner Kollegen. Und obendrein ist er auch noch adelig und stammt aus einer vermögenden Familie. So jemand hat Politik eigentlich nicht nötig, der kann jeden Tag etwas anderes, vermutlich auch noch besser Bezahltes machen. Tatsächlich gibt es in der CSU durchaus Zweifel daran, ob der Baron Guttenberg dauerhaft Politiker bleiben wird.
Zu diesem perfekten Rahmen kommt aber noch etwas anderes: Guttenberg ist das seltene Kunststück gelungen, als Erneuerer von außen zu wirken, obwohl er doch, wie alle anderen auch, von innen kommt.
Denn auch wenn er seine Karriere nicht akribisch geplant hat und nicht Stufe um Stufe emporgeklettert ist, so ist er doch kein plötzlich entdeckter Quereinsteiger. Guttenberg ist bereits Bundestagsabgeordneter gewesen, er hatte den Vorsitz des CSU-Bezirks Oberfranken erobert, ehe seine Karriere auf einmal ein atemberaubendes Tempo annahm.
Die legendäre Opel-Nacht
Dass es Guttenberg so mühelos gelingt, den Menschen zu suggerieren, man brauche nur genügend Courage, Stehvermögen und gesunden Menschenverstand, um sich gegen das politische System zu behaupten, dessen Teil man gleichzeitig selber ist, verdankt er jener legendären Opel-Nacht, in der er sich gegen die Mehrheitsmeinung seiner Kabinettskollegen stemmte.
Das hat ihm nicht nur Respekt eingetragen, der quälende Fortgang der Geschichte hat auch gezeigt, dass er mit seinen Bedenken vermutlich richtig gelegen hat.
Im Moment ist der junge Freiherr Guttenberg der strahlende weiße Ritter der deutschen Politik. Wie lange er diese Rolle wird spielen können, ist eine ganz andere Frage. Denn auch Guttenberg wird erleben, dass Politik ein mühsames Kompromissgeschäft ist, bei dem es nicht nur Schwarz und Weiß gibt, sondern viele Grautöne. Und wo man nicht immer nur beherzt ja oder nein sagen kann, sondern oft nur verzagt jein. Und das ist dann meist viel weniger strahlend.
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(SZ vom 22.08.2009/bica)
Die neueste Antwort
ist schon das Thema fragwürdig, wird es durch den Inhalt des Artikels noch übertroffen. Keine Fakten (jedenfalls keine neuen), dafür jede Menge Stimmungsmache.
Dazu passen dann auch die überwiegend polemischen Kommentare frustrierter Zeitgenossen, die sich am besten mit dem Wort Verbalmüll beschreiben lassen.
Wenn schon die Presse nicht in der Lage ist, wenigstens hin und wieder ein wenig hinter die Fassade der Faszination des Adels zu blicken, wie soll es dann dem Bürger gelingen?
Hier eine kleine Hilfe und aussagekräftige Beschreibung des Guttenberg-Fakes
www.zeitgeist-online.de
Ja, es stimmt, im Löwenbräukeller herrschte totale Begeisterung. Ich weiß es, weil ich selbst dort war.
@zielsicher
und die Kirche empfiehlt diejenigen, die dann an die Macht kommen.
Das trifft für die katholische Kirche zu, aber nicht für die evangelische Kirche. Die einzige Erwähnung ist die Bitte, hinzugehen und in der Fürbitte, denjenigen, die an die Macht kommen, beizustehen und sie mit Vernunft und Einsicht auszustatten. Aber Empfehlungen gibt es in der evangelischen Kirche nicht.
Vielleicht wird Guttenberg von den Medien geliebt, weil er ihnen gegenüber geduldig ist. Das sind nicht viele.
Man liebt in Deutscjhland nun einmal den Adel. Nur ist er bei "gleichgestellt", ausser, dass er seine Adelsnamen behalten durfte. Also liest man in den "Bunten" nur viel über ausländischem Adel. Nun haben wir einen "Adligen" in den Reihen unserer Politiker, der dann auch noch eine mächtige Lobby hat und schon haben wir "unser Märchen". So können wir uns demnächst von Italien ein bischen absetzen, denn Berlusconi ist vielleicht der bessere Macho, aber unser Polit-Star ist adelig.
Was ist aus der SZ geworden?
Zitat aus dem Artikel: "Wohl noch nie ist ein Politiker in so kurzer Zeit derart weit nach oben katapultiert worden, bis auf Platz eins der Beliebtheitsskala. Dass da ein frisches, unverbrauchtes Gesicht auf der politischen Bühne aufgetaucht ist und Neugier auslöst, reicht als Erklärung für das Phänomen Guttenberg nicht aus."
Nein, es reicht tatsächlich nicht aus. Niemand außer der SZ-online-Redaktion weiß, was hier gespielt wird. Ich habe schon an anderer Stelle kritisiert, dass dieser Lobhudel-/Hofschranzen-Artikel ursprünglich zufälligerweise 14 Minuten nach dem Freeze am Freitag eingestellt worden ist, nachdem vorherige Artikel mit ähnlich anbiederndem, hosianna-singendem Inhalt von den usern zerrissen worden waren. Viele positive Bewertungen dieses Beitrags zeigen, dass ich mit dieser Kritik nicht allein bin.
Bevor ca-canaris wieder zuschlägt: Herr zu Guttenberg ist mir so lang wie breit. Ich will einfach nur wissen, wie das uns von der SZ vorgesetzte Spiel heißt.
@Moderator: Zensieren wäre billig!
Paging