Die Partei-Basis reagiert entsetzt auf die Causa Glos - der als unterfränkischer Bezirkschef aufgeben wird. Der Bezirk wurde schon zuvor von Seehofer geschwächt.
Für die CSU in Unterfranken kommt die Causa Michael Glos dem nächsten Tiefschlag gleich. Schon nach der Landtagswahl hatte die CSU dort eine Reihe von Parteiaustritten zu verzeichnen. Jahrzehnte lang hatten sich die Franken anhören müssen, dass derjenige CSU-Bezirksverband am meisten bestimmt, der das beste Wahlergebnis erzielt. Nach der Landtagswahl aber?
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Unterwegs in seinem Bezirk Unterfranken: Glos zu Besuch beim Wälzlagerhersteller Schaeffler KG FAG in Schweinfurt (© Foto: dpa)
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Zwar erzielt die Unterfranken-CSU mit 47,3 Prozent das beste Ergebnis aller Bezirksverbände. Danach aber wurde sie mit genau einem Staatssekretärsposten im Kabinett abgespeist. Es gibt in Bayern keinen Regierungsbezirk, der im Ministerrat schlechter vertreten ist.
Furcht vor kommenden Wahlen
Nun hat Ministerpräsident Horst Seehofer den angeschlagenen Wirtschaftsminister Glos so lange demoralisiert, dass dieser sein Amt abgeben will. Selten dürfte ein Minister so vorgeführt worden sein wie Glos, der Chef der Unterfranken-CSU. Der CSU-Kreischef von Main-Spessart, Klaus Bittermann, fürchtet schlimme Folgen für die kommenden Wahlen.
Schon als Seehofer und die CSU von Altbayern die Franken vor einem halben Jahr links liegen ließen, hörte Bittermann an der Basis: "Das ist nicht die christlich-soziale, das ist die christlich-altbayerische Union." Wie er die Basis künftig motivieren soll, ist ihm ein Rätsel. "Ich habe Verständnis für den Frust der Leute - und den Frust von Glos", sagt er. "Die Stimmung an der Basis in Unterfranken ist katastrophal", bestätigt der Landtagsabgeordnete Robert Kiesel.
Bei einer Bezirksvorstandssitzung am Samstag hat Glos nach SZ-Informationen "beiläufig" angekündigt, nicht mehr als Bezirkschef kandidieren zu wollen. "Wir wurden total überrascht", sagte ein Sitzungsteilnehmer. Vom geplanten Rücktritt als Wirtschaftsminister habe Glos auf der Sitzung nichts gesagt.
Bislang hatte es als ausgemachte Sache gegolten, dass kein anderer als der 64 Jahre alte Glos bei dem im Juni anstehenden Parteitag der Unterfranken-CSU wiedergewählt wird - auch wenn die benachbarten Verbände mit Markus Söder in Nürnberg und Karl-Theodor zu Guttenberg in Oberfranken längst auf die Jungen setzen.
Wohl deshalb hatte Glos zuletzt auf Fragen, ob er noch einmal antreten wolle, sehr dünnhäutig reagiert. "Das geht Sie gar nichts an", beschied er Journalisten bei einer Pressekonferenz.
Der Grund dafür liegt auf der Hand: Kein CSU-Bezirksverband steht vor einem so einschneidenden Umbruch wie die Unterfranken. Der ehemalige Staatskanzleichef Eberhard Sinner wurde von Seehofer demontiert. Die langjährigen Ausschussvorsitzenden im Landtag, Manfred Ach und Walter Eykmann, sind abgetreten. Und die stellvertretende Bezirksvorsitzende Pia Beckmann erlebte bei der Würzburger OB-Wahl ein Debakel - und verschwand in der Versenkung.
So läuft der Bezirksvorsitz nun auf den Innenstaatssekretär Bernd Weiß hinaus - schon mangels Alternative. Weiß machte zuletzt keine Anstalten, Glos dazu zu bewegen, den Bezirksvorsitz abzutreten. Mit gutem Grund: Der 40 Jahre alte Jurist aus dem Kreis Rhön-Grabfeld gilt als eines der unbekanntesten Kabinettsmitglieder in Bayern.
Da die fränkischen CSU-Bezirke auch untereinander rivalisieren, drohen Unterfranken schwere Zeiten: Als Bezirkschef wird sich Weiß mit Innenminister Joachim Herrmann, Umweltminister Söder und CSU-Generalsekretär Guttenberg messen müssen.
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(SZ vom 9.2.2009/mati)
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Die neueste Antwort
Erstaunlich!?
Von 8 Leserkommentaren, werden nur noch 4 angezeigt.
Politik wird nur in München gemacht und diese ohne die Unterfranken.
Die Quittungen wird die Münchner-CSU-Führung durch die "Freien Wähler" erhalten.
Staatspartei Adieu.
Was mich als Erdenbürger, welcher in Unterfranken lebt, arbeitet und seinen Mittelpunkt dort sein eigen nennt, all die Jahre immer verwundert:
Warum haben die Unterfranken, obwohl diese eigentlich mit Bayern soviel am Hut haben, wie ein Silvaner mit einer Halben, einen solch eigentümlichen bayrischen Patriotimus, welcher in der Regel in dem Reflex endet:
Unterfranken ist Bayern, Bayern ist CSU?
Wer die Unterfranken kennt und mag. Wer die regionaleren Unterschiede der Menschen zwischen Mainfranken und dem Untermain begreifen kann. Der erkennt: Dieser Landstrich muss sich dringend von München lösen. Einzig der Sumpf und die Abhängigkeiten der Staatsparteisoldaten, nach dem Motto eine Hand wäscht die andere, wo bitte gehts zu den Töpfen, verhindert dass die schönen und Mächtigen im Norden im Dunstkreis des Maines, die Ultimative Frage stellen: Was haben wir mit Bayern zu tun und vor allem warum sollten wir das? Dadurch, dass die Herrn und Damen mit dem richtigen Parteibuch in Abhängigkeit stehen, wird diese Frage allerdings wohl nie gestellt werden. Gott mit dir du Land der Bayern!
Egal welche politische Farbe..................,
München ist von Franken einfach zu weit weg; und das ist nicht gut so!
ist einfach zu rechtschaffen u. zu ehrlich. Die Baiern nutzen das schamlos aus!
Die Quittung kommt 2009 durch die unterfränkischen CSU-Wahl-Ergebnisse.
Der Umgang mit Eykmann, Glos, Stamm, Sinner und ... wird nicht ohne Folgen bleiben.
Stoiber und Seehofer haben ihre Rechnung ohne die betroffenen Bürger aufgestellt.
Die Freien Wähler werden bei der Europa-Wahl in Unterfranken ihr bestes Ergebnis erzielen und zur Bundestagswahl ebenfalls das CSU-Wahlergebnis minimieren, sie werden der Wahl fernbleiben, falls sie nicht selbst antreten.
Ein herzliches Dankeschön an die genannten unterfränkischen CSU-Politiker.
Ihre Arbeit wurde durch die jeweiligen CSU-Vorsitzenden stets erschwert.
Unterfränkische Politiker können nur so gut sein wie es die Münchner Führung zulässt.
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