Die neue CSU-Generalsekretärin Christine Haderthauer über ihre Karriere, ihre Kompetenzen und Tische zum Draufhauen. Interview: Kassian Stroh

Einstimmig hat der CSU-Vorstand am Montag Christine Haderthauer, 44, die seit vier Jahren im bayerischen Landtag sitzt, als neue Generalsekretärin gebilligt. Sie ist die erste Frau in dieser Position. Parteichef Erwin Huber hatte Haderthauer vorgeschlagen - nicht zuletzt gegen den Widerstand der CSU-Bundestagsabgeordneten, die lieber eine der ihren auf dem Posten gesehen hätte.

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Christine Haderthauer: "Ich vertrete eindeutig konservative Ansichten" (© Foto: Reuters)

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SZ: Vier Monate vor den Kommunalwahlen, elf vor der Landtagswahl - ist das nicht ein denkbar ungünstiger Zeitpunkt, um Generalsekretärin zu werden?

Christine Haderthauer: Eigentlich nicht. Ich freue mich eher drauf: Denn als erstes hätte ich sowieso flächendeckend die Kreisverbände besucht. Das kann ich jetzt perfekt mit Wahlkampfauftritten verbinden. In der letzten Woche habe ich dafür schon 200 Anfragen bekommen.

SZ: Was für ein Typ von Generalsekretärin werden Sie sein?

Haderthauer: Mir ist das Zuhören und das Aufnehmen dessen, was von der Basis kommt, ganz wichtig. Denn unsere Verankerung in der Bevölkerung nutzt uns nichts, wenn wir nicht darauf hören, was an der Basis los ist. Nach innen wünsche ich mir eine Atmosphäre der Offenheit und des Vertrauens, wo auch Kritik erwünscht ist, nach außen Geschlossenheit. Deshalb gefällt mir der Begriff "Botschafterin" besser als andere, die für Generalsekretäre üblicherweise gefunden werden. Weil es um mehr geht, als nur Sprachregelungen rauszugeben.

SZ: Sie meinen "Lautsprecher" für Markus Söder?

Haderthauer: Zum Beispiel.

SZ: Aber eine Generalsekretärin soll ja nicht diplomatisch sein, sondern dreinschlagen. Können Sie das?

Haderthauer: Das gehört dazu. Das müssen Sie als Anwältin auch können. Da muss man auch mal polarisieren, um auszuloten, wie weit man in der Sache gehen kann.

SZ: Können Sie polemisch sein?

Haderthauer: Selbstverständlich könnte ich das, aber was ich ungern mache, ist: persönlich zu werden. Aber ich kann durchaus auf den Tisch hauen.

SZ: Was hat Erwin Huber Ihnen an Anforderungen mitgegeben?

Haderthauer: Die Ansage war ganz klar: Das Amt des Generalsekretärs umfasst alle Ebenen der Politik und die gesamte Bandbreite, die auch der Parteivorsitzende abdeckt - schließlich bin ich seine engste Mitarbeiterin.

SZ: Die Bundespolitik will er vor allem selber machen.

Haderthauer: Da wird er sicherlich viel Präsenz zeigen - er hat aber klar zum Ausdruck gebracht, dass das nicht bedeutet, dass seine Generalsekretärin dafür weniger präsent ist.

SZ: Wegen ihrer mangelnden politischen Erfahrung, vor allem bundespolitisch, gibt es in der CSU Stimmen, die sagen: Haderthauer zu nehmen, ist mutig, aber auch riskant von Huber. Können Sie das nachvollziehen?

Haderthauer: Wie messen sie politische Erfahrung? Ist dafür allein die Dauer der Tätigkeit maßgebend? Ich habe vom ersten Tag an intensiv Politik gemacht, habe vom ersten Tag an voll angepackt - mit zwei Landtagsausschüssen, mit dem Medienrat, der CSU-Grundsatzkommission, meiner ganzen Parteiarbeit. Ich habe mich dabei bemüht, in kurzer Zeit möglichst viel von den Strukturen und Abläufen in der Politik aufzunehmen. Zudem habe ich ja vorher nicht nichts getan, sondern in Beruf und Familie einiges an Lebenserfahrung gesammelt.

SZ: Aber noch mal zur Frage: Sind Sie ein Risiko für Huber?

Haderthauer: Ich glaube, ich bin eine Chance für die moderne CSU.

SZ: Die CSU gibt sich derzeit betont konservativ. Sie verkörpern eher das Gegenteil. Wie wollen Sie denn diese konservative Seite der Partei vertreten?

Haderthauer: Wie kommen Sie darauf, dass ich nicht konservativ bin? Weil ich Berufstätigkeit und Familie verbinde?

SZ: Das ist für viele in der CSU zumindest ungewohnt.

Haderthauer: Nein, das erlebe ich anders. Mein Schlüsselerlebnis war eine CSU-Ortsvorsitzenden-Konferenz vor drei Jahren in der Nähe von Rosenheim, auf der ich über genau dieses Thema der Vereinbarkeit gesprochen habe. Zum Schluss kamen viele ältere Leute auf mich zu und sagten, dass sie das toll fanden und dass ihre Kinder genau das gleiche sagen.

Konservativ ist, dass wir den Menschen aufzeigen, wie sie die Werte Familie, Ehe und Zeit für Kinder in der heutigen Welt leben können. Für meine Linie, dass aushäusige Betreuung nicht als einzige Möglichkeit vom Staat propagiert werden darf, sehe ich einen ganz großen Rückhalt in meiner Partei. Ich habe zudem ganz vehement dafür gekämpft, dass im CSU-Grundsatzprogramm das Ehegattensplitting verankert wird. Also Sie sehen: Ich vertrete eindeutig konservative Ansichten.

SZ: Zum Betreuungsgeld haben Sie vor kurzem gesagt, viele Frauen dächten: Vergesst die 150 Euro. Hat Erwin Huber Sie schon eines Besseren belehrt, dass das Betreuungsgeld etwas Gutes ist?

Haderthauer: Bei dieser Äußerung ging es noch um die Diskussion, wie man das am besten umsetzt, ob als Anrechnung bei der Rente oder als Barauszahlung. Da habe ich eine Resonanz von Frauen wiedergegeben, die isoliert zitiert worden ist und die nicht die meine ist. Ich bin absolut fürs Betreuungsgeld, weil wir gegen den Eindruck, dass der Staat ein Leitbild der aushäusigen Betreuung will , einen Gegenpol setzen müssen.

SZ: Dafür braucht man doch keine 150 Euro.

Haderthauer: Aber sie sind ein ganz wichtiges Symbol, um denen, die zu Hause erziehen wollen, zu sagen: Auch das unterstützen wir.

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(SZ vom 23.10.2007)