CSU-Fraktion Söder soll Ministerpräsident in Bayern werden

  • Die CSU-Landtagsfraktion hat sich einstimmig für Finanzminister Markus Söder als Spitzenkandidat für die bayerische Landtagswahl ausgesprochen.
  • Horst Seehofer verzichtet auf das Amt des Ministerpräsidenten, will aber CSU-Chef bleiben.
Von Ingrid Fuchs

Der Machtkampf in der CSU ist entschieden: Horst Seehofer wird sein Amt als bayerischer Ministerpräsident zugunsten von Finanzminister Markus Söder aufgeben. Er soll aber CSU-Chef bleiben.

Die CSU-Landtagsfraktion sprach sich in einer Sondersitzung für Söder aus. Für ihn wurde einstimmig in offener Abstimmung votiert.

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Innenminister Joachim Herrmann, von dem es zuletzt hieß, er erwäge eine Gegenkandidatur, verzichtet. Herrmann "wolle Brücken bauen und keine Gräben reißen", hieß es von Teilnehmern aus der Sitzung. Fraktionschef Thomas Kreuzer berichtete, Herrmann wolle nun doch nicht in ein Bundeskabinett nach Berlin wechseln, sondern stattdesssen wieder für den Landtag kandidieren.

Seehofer hatte zuvor seinem potenziellen Nachfolger Söder eine gute Zusammenarbeit versprochen. Über die Spitzenkandidatur wird auf dem Parteitag am 15. und 16. Dezember endgültig entschieden. Dann will sich Seehofer erneut zum CSU-Vorsitzenden wählen lassen.

Er ist zudem bereit, die Staatskanzlei im ersten Quartal kommenden Jahres vorzeitig zu räumen. Dann sollen Seehofer, 68, und Söder, 50, eine Doppelspitze bilden - der Jüngere in München, der Ältere in Berlin. Offiziell muss Söder im Landtag zum neuen Ministerpräsidenten gewählt werden. Da die CSU hier aber die absolute Mehrheit hat, ist dies eine rein formelle Bestätigung der Fraktionsabstimmung.

Nach der Sitzung der Landtagsfraktion rief Söder die CSU zu Geschlossenheit auf. "Politik ist immer eine Mannschaftsleistung, einer alleine kann nichts richten", sagte der designierte Ministerpräsident. Er werde versuchen, seinen Beitrag zu bringen, "mit Arbeit, mit Fleiß". Es komme jetzt darauf an, "vor der Geschichte zu bestehen: vor der Geschichte der CSU und der Geschichte dieses Landes. Dazu müssten die Stärksten eng zusammenarbeiten."

Seehofer war nach der Bundestagswahl im September unter Druck geraten. Dabei war die CSU nur auf 38,8 Prozent gekommen - ein historisches Tief für die Partei, die bei Wahlen in Bayern stets 50 Prozent plus x anvisiert.

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