Interview: S. Klaiber und K. Prummer

Der ehemalige CSU-Chef Huber über die Sprachpannen des EU-Kommissars Oettinger, Hochdeutsch, Denglisch und Niederbairisch.

SZ: Herr Huber, haben Sie Mitleid mit Oettinger?

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Erwin Huber über seine Englischkenntnisse und seinen Dialekt. (© Foto: dpa)

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Huber: Nein, da muss er durch.

SZ: Sie haben seine Rede also auch auf Youtube nachgehört?

Huber: Das nicht. Ich habe davon gehört und gelesen. Ich finde es gut, dass er den Mut hatte, da englisch zu reden.

SZ: Er hat deutsche Sprichwörter wie "Wir sitzen alle in einem Boot" einfach wörtlich übersetzt. Darf man vom EU-Energiekommissar nicht mehr erwarten?

Huber: Er fängt ja erst an als Kommissar. Übung macht den Meister. Ehrlich gesagt meine ersten Reden auf Englisch waren auch ziemlich holprig.

SZ: Stimmt. Bully Herbig hätte Sie wegen ihrer lustigen Aussprache gerne als englische Synchronstimme des bayerischen Indianers Abahachi im Film "Der Schuh des Manitu" gehabt ...

Huber: ...leider hat er's nur im Spaß gesagt.

SZ: Hätten Sie es gemacht?

Huber: Ich habe leider keine schauspielerischen oder gesanglichen Fähigkeiten. Aber es stimmt schon: Mein Englisch hat den Leuten Spaß gemacht. Als ich in der Regierung für Medien zuständig war, bin ich bei Veranstaltungen öfter gedrängt worden, englisch zu reden. Es war Kult, dass der Huber ein Grußwort in Englisch spricht. Sicher war da immer Spott dabei, aber ich hab' den Leuten halt diese Freude gemacht.

SZ: Sie spielen bewusst damit?

Huber: Ich zitiere gerne Sprichwörter wie: "Luck is, when opportunity meets preparation." Die englischen Reden waren das Signal: Wir Bayern sind absolut auf der Höhe der Zeit. Im Ernst: Ich bin immer besser geworden und habe mir bei Besuchen von amerikanischen Politikern angewöhnt, auf Englisch zu parlieren. Allein schon, weil man Zeit spart und es Atmosphäre schafft. Englisch schadet nicht, Hochdeutsch sollte man auch halbwegs fehlerfrei sprechen.

SZ: Ihre Wurzeln hört man auch, wenn Sie deutsch sprechen. Manager mit so starkem Dialekt besuchen Hochdeutsch-Kurse. Haben Sie mal daran gedacht?

Huber: Überhaupt nicht. Ich finde, Dialekt ist Ausdruck unserer Kultur. Natürlich muss man im öffentlichen Leben versuchen, gutes Hochdeutsch zu sprechen. Aber es darf durchaus gefärbt sein, so dass man erkennt: Das ist ein Bayer. Gewisse Eigenheiten kann man ohnehin selbst mit viel Übung kaum vermeiden.

SZ: Zum Beispiel?

Huber: Der Bayer sagt "dees" statt "das".

SZ: Studien zeigen, dass Bairisch zwar gemütlich rüberkommt, im Beruf aber als inkompetent gilt.

Huber: Alles Vorurteile. Leider wird Dialekt als mindere Sprache gesehen. Wir Bayern haben zwar auch einen gemütlichen Zug, aber wir sind nicht erst ein kultiviertes und erfolgreiches Volk, seit man hochdeutsch spricht. Es darf nicht sein, dass wir hannoveranerisch sprechen müssen, um als vollwertig zu gelten.

SZ: Hätten Sie es leichter gehabt, wenn Sie besser hochdeutsch sprächen?

Huber: Vielleicht. Ich beherrsche Hochdeutsch, aber am Anfang meines politischen Wirkens habe ich zu wenig darauf geachtet. Im Fernsehen mobilisiert man dann alle Vorurteile, die es gegen Bayern gibt. Aber ich würde meine Abstammung nie verleugnen, auch nicht um eines politischen Vorteils willen.

SZ: Es ist logisch, dass man als Bayer bairische Dialekte schön findet. Aber wie finden Sie zum Beispiel Sächsisch?

Huber: Ach das ist... das klingt ja ganz lustig. Dieses Nebeneinander von Dialekten trägt zur deutschen Kultur bei.

SZ: Gibt es einen Dialekt, den Sie nicht mögen?

Huber: Plattdeutsch verstehe ich einfach nicht. Aber ich pflege keine Abneigung. Wenn ich mich selber zum Dialekt bekenne, muss ich anderen ihren zugestehen. Selbst wenn ich den drollig finde.

SZ: Hatten Sie durch Ihren Dialekt bisher mehr Vor- als Nachteile?

Huber: Ich habe das nie so abgewogen. Allerdings werde ich noch heute von meinen Kindern verspottet, weil ich als Zehnjähriger mit meinem Lehrer gestritten habe. Er wollte mir das Wort "Omnibus" beibringen. Ich habe gesagt: Das heißt "Onnibus". Der Niederbayer sagt das ja mit zwei n. Wenn es jetzt daheim Meinungsverschiedenheiten gibt, sagen meine Kinder: Na ja gut, das ist wie bei Onnibus.

SZ: Niederbairisch gilt selbst unter Bayern als niederer Dialekt.

Huber: Mich ärgert das. Manchmal wird man als Niederbayer immer noch als Hinterwäldler abgestempelt. Meine Heimat hat lange darunter gelitten, als Armenhaus und kulturell nicht gerade hochstehend zu gelten. Es gehört zu meinen größten Leistungen, dass Niederbayern jetzt als Aufsteigerregion gesehen wird, auf die man stolz sein kann. Wir haben schon Kultur gehabt, da waren in München noch saure Wiesen.

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(SZ vom 16.02.2010)