Interview: Hans-Jürgen Jakobs

Warum Erwin Huber schon jetzt an die Hauptstadt und an das Hindernis Hagelberg denkt - die Pläne des Favoriten um die CSU-Parteiführung. Ein Video-Interview.

Horst Seehofer liebt die Sticheleien gegen seinen Rivalen. Der CSU-Chef sollte bald schon in Berlin sein, sagt der Bundesminister - wohl wissend, dass Erwin Huber erst in zwei Jahren in die Hauptstadt wechseln will. Seehofer ist schon in Berlin, er habe mehr bundespolitische Austrahlung, ist die Botschaft.

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Erwin Huber, noch bayerischer Wirtschaftsminister, weiß um die Problematik. Nach dem Gespräch in der Süddeutschen deutet er mit dem Finger auf eine Deutschlandkarte, die an der Wand des Büroganges hängt. Da wolle er hin, sagt Huber, und tippt mit dem Finger auf Berlin. Der Minister lacht. Der Gedanke, im Zentrum der Macht eine Rolle zu spielen, gefällt ihm sichtlich.

"Da spielt dann die Musik", sagt Erwin Huber. Und wieder und wieder tippt er auf Berlin. Der Minister entdeckt dann auf der Karte den Hinweis auf eine kleine Erhebung, auf den brandenburgischen Hagelberg. Dort haben Preußen im Jahr 1813 mit russischer Hilfe ein französisches Korps besiegt.

"Da ist der Hagelberg mit 201 Metern - was ist das schon?", erklärt der schlachtenbewusste Parteichef in spe. "Das soll ein Hindernis sein? Da hupf' ich ja drüber!"

Im Video-Interview mit sueddeutsche.de gab Erwin Huber folgende Antworten.

sueddeutsche.de: Herr Huber, der Weg zum CSU-Vorsitz scheint frei für Sie zu sein: Frau Pauli hat sich mit ihrer Pressekonferenz ins Abseits manövriert, Horst Seehofer rangiert in Umfragen hinter Ihnen. Fühlen Sie sich als klarer Favorit?

Erwin Huber: Ich gehe mit großer Zuversicht in die Wahl, mit Optimismus und der realen Erwartung, dass ich ein gutes Ergebnis bekomme. Ich werde aber bis zum letzten Tag um jede Stimme werben, denn die Wahl ist geheim und manche überlegen sich die Sache bis zum letzten Tag, bis zum letzten Tag selber.

sueddeutsche.de: Warum sind Sie der bessere Parteichef im Vergleich zu Horst Seehofer?

Huber: Die CSU hat ja mehrere, die in der Lage wären, dieses Amt auszufüllen. Ich bewerbe mich deshalb, weil ich eine lange Erfahrung an der Spitze der CSU habe, weil ich noch von Franz Josef Strauß als Generalsekretär berufen wurde sowie mit Theo Waigel und Edmund Stoiber die Politik der letzten 20 Jahre mitgeprägt habe - und zwar sowohl die Landes- als auch die Bundes- und Europapolitik.

Und weil ich mich in der Lage fühle, die CSU zusammenzuführen, Mannschaftsgeist und Wir-Gefühl zu stärken und auf diese Art und Weise den Boden dafür zu bereiten, den Erfolgsweg fortsetzen zu können.

Mein Ziel ist es, die CSU programmatisch und personell so aufzustellen, dass wir auch noch im Jahr 2020 in einer guten Regierungsfähigkeit sind auf allen Ebenen.

sueddeutsche.de: Haben Sie innerlich schon lange den Wunsch gehegt, CSU-Chef zu werden oder sich reif gesehen für dieses Amt?

Huber: Nein, das war außerhalb meiner Vorstellungskraft, das war auch nicht ein Traum von mir, das ist für mich auch kein weiterer Sprung auf der Karriereleiter, sondern das hat sich eben ergeben mit den entscheidenden Weichenstellungen im Januar dieses Jahres.

Als klar war, dass die CSU sowohl das Amt des Ministerpräsidenten, als auch das des Parteivorsitzenden neu zu besetzen hat, erst dann kam für mich der Wille und die Bereitschaft, in diese Verantwortung zu gehen. Das war vorher eigentlich außerhalb meiner Vorstellung.

sueddeutsche.de: Wie soll denn die traditionelle Volkspartei CSU unter Ihrer Führung profiliert werden?

Huber: Unser Grundprinzip ist es, eine moderne, wertkonservative Volkspartei zu sein, die das Lebensgefühl der Bayern verkörpert, die Ja sagt zu Tradition, die aber offen ist für die Zukunft und natürlich auf diese Art und Weise Chancen eröffnet - Chancen für die Menschen und natürlich auch Chancen für ein starkes Bayern.

Wir brauchen kein Godesberg, wie man sagt, also keine Reform an Haupt und Gliedern, sondern wir sollten in Kontinuität, aber auch mit dem Willen, diese Entwicklung fortzusetzen, uns programmatisch und personell für die Zukunft rüsten.

sueddeutsche.de: Wo kann sich denn die CSU modernisieren? Muss sie grüner werden, vielleicht auch frauenfreundlicher?

Huber: Das darf man nicht einseitig sehen. Aber: Selbstverständlich ist es so, dass wir noch mehr Frauen und junge Leute in die politische Verantwortung holen müssen. Dass wir heute selbstverständlich die Fragen von Klimaschutz und Umweltschutz mit der wirtschaftlichen Entwicklung vielleicht doch klarer in eine Balance bringen müssen - und dass es auf die Fragen von Sicherheit für die Menschen auf besondere Weise ankommt.

Sicherheit für die Menschen heißt: Innere und äußere Sicherheit, heißt aber auch vor den schwer abzuschätzenden Folgen einer Globalisierung und vor den Stürmen des technologischen Fortschritts. Das führt gelegentlich den Menschen zu Ohnmacht.

Da müssen wir ein verlässliches, sicheres Geländer geben, ein gutes Fundament für die Zukunft. Das ist in einer so bewegten Zeit wichtig für eine große Volkspartei.

sueddeutsche.de: Sie wollen die ersten zwei Jahre als Parteichef in München bleiben und dann erst 2009 erst nach Berlin gehen. Ist es angesichts einer großen Koalition, deren kleinster Partner die CSU ist, nicht klüger gleich in die Bundespolitik zu wechseln, um sich als neuer Parteichef mit Macht einzubringen in die großen Diskussionen der Nation?

Huber: Mein Weg nach Berlin ist auch nicht länger als der von Edmund Stoiber, auch der SPD-Vorsitzende ist ja nicht in Berlin. Aber dahinter steckt natürlich die Frage, wie können wir den Einfluss und das Gewicht der CSU wahren? Das sehe ich in einem engen und guten Zusammenwirken der zwei Bundesminister mit der Landesgruppe und der dem neuen Parteivorsitzenden, dann können wir das die zwei Jahre sicher gewährleisten und wahrnehmen.

Und für den Parteivorsitzenden sehe ich eine ganz wichtige Aufgabe angesichts von vier Wahlen, die wir haben - die Kommunalwahl, die Landtagswahl, die Europawahl und die Bundestagswahl:

Wenn da der Parteivorsitzende hier ist bei den Wählern und bei der Partei, sie motiviert und sie in diese Wahlen hineinführt, das ist von München aus bedeutend leichter und besser zu machen als von Berlin aus. Und damit ergibt sich eigentlich eine sehr gute zeitliche Perspektive, die nächsten zwei Jahre in die Herausforderung der Wahlen und dann die Bereitschaft, in die Bundespolitik zu gehen.

Dann hätte man den Ministerpräsidenten hier in München und den Parteivorsitzenden in Berlin und dann ergibt sich eine weitere gute Perspektive für das nächste Jahrzehnt.

sueddeutsche.de: 2009 wäre dann der Parteivorsitzende dann vielleicht Bundeswirtschaftsminister...

Huber: Zuerst müssen wir die Wahlen gewinnen, und dann müssen wir die Regierungsmehrheit zusammen mit der CDU erringen, und dann erst werden Ämter verteilt.

Ich selber habe ein breites Spektrum an Kompetenzen, das heißt, ich bin da nicht fixiert auf ein Amt.

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(sueddeutsche.de)