Vom sechsten Stock des bayerischen Gesundheitsministeriums aus plant Söder derzeit akribisch seine Auftritte auf der Bundesbühne: Mit scharfen Parolen wettert er gegen den unpopulären Gesundheitsfonds. Mit seinem klaren Nein zum Anbau von Genmais profiliert er sich als nachdenklicher Umweltpolitiker. Das kommt an bei Ärzten und Bauern - und sicherlich auch beim Parteichef.

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In Söder hat Seehofer einen Parteisoldaten, der nicht nur über die nötige verbale Schlagkraft verfügt, um sich auch in Berlin für bayerische Interessen starkzumachen. Wenn sich Seehofer mit neuen Positionen auf unsicheres Gelände wagt, wird Söder testen, wie sie ankommen.

Die Parteifreunde beobachten Söder indes mit zwiespältigen Gefühlen. Bei Söder frage man sich, "ob er von seinen Themen wirklich überzeugt ist und sie im Herzen trägt", formuliert es ein CSU-Vorstandsmitglied. Oft wirkten seine Parolen "angelernt und aufgesetzt", sein Auftreten "holzschnittartig". Söder müsse noch dafür sorgen, dass "sein Profil unverwechselbar wird". Vielleicht sei Söder derzeit zu ehrgeizig. "Er muss jetzt noch nicht beweisen, dass er die Nummer eins ist."

Doch Söder wird schon jetzt alles dafür tun, dass er mal als solche wahrgenommen wird. Denn für ihn steht mehr auf dem Spiel als für Guttenberg. Söder hat seine Karriere auf die Politik ausgerichtet. Guttenberg hingegen verkörpere den "Self-made-Man mit Sexappeal", der auch einen gutdotierten Posten in der Wirtschaft bekommen könnte, sollte es in der Politik einmal nicht mehr nach Plan laufen. Bei Söder, so lästert ein Parteifreund, wisse man: "Ihn bringt man nur im Bayerischen Rundfunk unter."

Eines ist indes jetzt schon sicher. "Es tut dem Betrieb der CSU gut, dass es intern Wettbewerb gibt", findet Gauweiler - und spricht damit dem Parteichef aus der Seele. Erst kürzlich sagte Seehofer, er wolle "junge, ambitionierte Politiker" als potentielle Nachfolger aufbauen, "die im Wettbewerb stehen" - und bezeichnete Söder und Guttenberg als das "verdeckte Tandem" der CSU.

Wie das Duell der Kronprinzen ausgeht, bleib indes offen. "Wer einmal wohin kommt, kann man nicht sagen", so ein CSU-Mann. Das sei oft "eine Frage des Glücks". Und im Moment ist das auf der Seite des Barons. Aber was ist in der Politik schon ein Moment?

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(sueddeutsche.de/gba)